Bibliotheken in Zeiten der Wirtschaftskrise
Bibliotheken werden gebraucht - und ihre Mittel gekürzt
Es begann 2007 mit der Immobilienkrise in den USA, die sich zu einer gewaltigen Finanzkrise entwickelte und ihren Höhepunkt in dem Zusammenbruch der Lehman Brothers Investmentbank im September 2008 fand. Seitdem gerieten der Welthandel und mit ihm viele Volkswirtschaften in die Krise.
Die weltweite Wirtschaftskrise traf die amerikanischen Bibliotheken besonders stark: Fast alle Bibliotheken in den USA mussten entweder Etatkürzungen hinnehmen oder Öffnungszeiten, Dienstleistungen und Medienangebot zurückschrauben.
Die Entwicklung in Deutschland
Am 21.20.2010 wurde erstmals ein "Bericht zur Lage der Bibliotheken in Deutschland 2010" veröffentlicht. Mit dem Bericht legt der Detusche Bibliotheksverband erstmals umfangreiches Zahlenmaterial über die Ausstattung, die Angebote und die Nutzung der Bibliotheken in Deutschland vor.
Redaktion:
Dr. Jan-Pieter Barbian, Barbara Schleihagen, Dr. Frank Simon-Ritz, Ulla Wimmer, Monika Ziller
Entwicklung bis Ende 2009
Bis zum Ende des Jahres 2009 waren die Auswirkungen nur stellenweise sichtbar:
Pflaum, Günter: Öffentliche Bibliotheken in der Finanzkrise: Blitzumfrage zu den Auswirkungen in einzelnen Bundesländern und Regionen.
In: BUB 61 (2009) 11/12, S. 800
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In den Großstadtbibliotheken Nordrhein-Westfalens war die negative Entwicklung jedoch schnell spürbar:
Pilzer, Harald: Schrumpfen und überleben? Zur schwierigen Lage der Großstadtbibliotheken in Nordrhein-Westfalen.
In: BuB 61 (2009) 11/12, S. 796-799
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Dass Nordrhein-Westfalen besonders stark von Kürzungen betroffen ist, wurde auch durch die Ergebnisse einer Befragung bestätigt, die der dbv im Frühjahr 2010 unter seinen Öffentlichen Mitgliedsbibliotheken durchführte. So müssen 46% der kommunalen Bibliotheken in Nordrhein-Westfalen Einsparungen hinnehmen, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern: hier sind es 42%. Insgesamt sind 59% aller kommunalen Bibliotheken von Maßnahmen zur Haushaltskonsilidierung betroffen.
Die Ergebnisse der Auswertung hat der dbv auf seiner Website veröffentlicht:
http://www.bibliotheksverband.de/dbv/presse/presse-details/archive/2010/september/...ttnews[day]=14&cHash=4b113e1f25
Weitere Beispiele aus den Bibliotheken
Schließungspläne der Kölner Kunst- und Museumsbibliothek:
http://www.ksta.de/html/artikel/1273823419290.shtml
Etatkürzungen und Haushaltssperre in Oberhausen:
http://www.derwesten.de/staedte/oberhausen/Dramatisches-Jahr-fuer-die-Stadtbibliothek-id651198.html
Konjunkturpaket II
Mit Mitteln aus dem Konjunkturpaket II der Bundesregierung, das im Januar 2009 verabschiedet wurde, konnten in verschiedenen Bibliotheken wichtige Sanierungsmaßnahmen oder technische Neuerungen wie die Umstellung auf RFID-Technologie realisiert oder der Kauf von wisssenschaftlichen Geräten ermöglicht werden.
Nähere Informationen auf dem Bibliotheksportal
Weitere Informationen
Das Heft der Zeitschrift "Buch und Bibliothek" (BuB), 61 (2009) 11/12, beschäftigt sich im Schwerpunkt mit der Frage nach der Situation von Bibliotheken in der Finanzkrise:
http://www.b-u-b.de/cgi-local/byteserver.pl/pdfarchiv/Heft-BuB_11_2009.pdf#page=1&view=fit&toolbar=0&pagemode=bookmarks
Die Entwicklung in den USA
Bereits Ende 2008 wurde offensichtlich, dass öffentliche Bibliotheken in der Wirtschaftskrise mehr NutzerInnen hatten und haben als je zuvor. Diese nutzen die vorhandenen Medien und die technische Ausstattung wie Internetzugang und Datenbanken der Bibliotheken, lassen sich bei der Jobsuche beraten und nutzen die sozialen Angebote:
http://www.libreas.eu/ausgabe14/007mos.htm
Der Bericht zu Lage der Bibliotheken in den USA, herausgegeben von der American Library Association 2010, bestätigt dies:
"Recession drives more Americans to libraries in search of employment resources; but funding lags demand."
http://www.ala.org/ala/newspresscenter/mediapresscenter/americaslibraries/index.cfm
Obwohl die Bibliotheken kein Geld aus dem milliardenschweren Konjunkturpaket der US-Regierung erhalten haben, konnten doch Bibliotheken in einzelnen Bundesstaaten von Projektgeldern für Bibliotheksprojekte profitieren.
Der amerikanische Bibliotheksverband ALA, der sich auch hier für die Belange der Bibliotheken einsetzte, entwickelte ein "Advocating in a Tough Economy Toolkit". Denn gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist es von hoher Bedeutung, den Bibliotheken Wege aufzuzeigen, wie sie in der Öffentlichkeit für sich und ihre Dienstleistungen werben können:
http://www.ala.org/advocacy/advleg/advocacyuniversity/toolkit
Zur Situation der Bibliotheken in den USA und den Bemühungen des amerikanischen Bibliotheksverbandes ALA:
Dowling, Michael und Larra Clark: Mehr Nutzer bei sinkendem Etat / US-Bibliothekare kämpfen gegen die Finanzkrise - Neue Angebote und verstärkte Medienpräsenz.
In: BuB 61 (2009) 11/12, S. 810-815
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Die Entwicklung auf internationaler Ebene
Auch in anderen Ländern werden Bibliotheken in der Krise wichtiger, leiden aber gleichzeitig unter Mitteleinsparungen:
- Katalonien, Spanien:
http://www.elpais.com/articulo/cataluna/biblioteca/nueva/dias/elpepiespcat/20090422elpcat_22/Tes
- Großbritannien:
Das 2010 verabschiedete Sparpaket der Britischen Regierung trifft auch Bibliotheken sehr hart: Aktuelle Auflistung der geplanten und realisierten Bibliotheksschließungen (mit Landkarte)
http://publiclibrariesnews.blogspot.com/
Auf dem Kongress des weltweiten Bibliotheksverbandes IFLA in Mailand im August 2009 war das Thema Lobbyarbeit in schwierigen Zeiten eines der zentralen Themen:
Klauser, Hella: Aus der Krise erwachsen neue Chancen: Bibliothekare wappnen sich weltweit für schwierige Zeiten / Zentrales Thema beim IFLA-Weltkongress in Mailand.
In: BuB 61 (2009) 11/12, S. 806-809
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Weil starke Bibliotheksverbände besonders in Krisenzeiten wichtig sind für die Lobbyarbeit der Bibliotheken, hat der Weltverband IFLA ein Projekt in Angriff genommen: "Building Strong Library Associations", ein Fortbildungsprogramm für Bibliothekare, das bei der Organisation und Gründung eines Bibliotheksverbandes helfen kann.
http://www.ifla.org/en/bsla
