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Bibliothekslandschaft in Deutschland

Bibliotheken in Deutschland

  • Rund 8.000 meldende Bibliotheken sind im Jahr 2015 in der Deutschen Bibliotheksstatistik (DBS) erfasst worden – an gebäudegebundenen Standorten sind das ca. 9.858 Bibliothekseinrichtungen mit Zentral- und Institutsbibliotheken sowie Zweigstellen in Stadtteilen. Davon befinden sind ca. 3.023 Bibliotheken in Trägerschaft der Kommunen und Landkreise inkl. 83 mobilen Fahr- und 44 Musikbibliotheken, ca. 3.329 Öffentliche Bibliotheken in katholischer und 769 in evangelischer Trägerschaft sowie rund 222 Patientenbibliotheken in Krankenhäusern.

  • Die 16 Bundesländer unterhalten rund 40 regionale Landes- und Staatsbibliotheken, 107 Bibliotheken der Universitäten und gleichgestellten Hochschulen (mit ca. 426 Fachbereichs- und Institutsbibliotheken), dazu über 150 Fachhochschulbibliotheken und weitere zahlreiche wissenschaftliche Spezialbibliotheken.

  • Der Bund unterhält außerdem rund 50 Parlaments-, Gerichts- und Behördenbibliotheken sowie als bestandsmäßig größte Bibliothek die Deutsche Nationalbibliothek mit Häusern in Frankfurt am Main und Leipzig. Zur überregionalen Bibliotheksversorgung tragen außerdem drei Zentrale Fachbibliotheken bei: für Technik und Naturwissenschaften (Hannover), für Medizin, Ernährung, Umwelt und Agrar (Köln und Bonn) sowie für Wirtschaft (Kiel und Hamburg).

  • Darüber hinaus existieren über 2.500 privat und öffentlich finanzierte Spezialbibliotheken, deren Zugänglichkeit für die Öffentlichkeit unterschiedlich ist.

  • Da nicht alle Bibliotheken eine Statistik-Meldung zur DBS abgeben, liegt nach einer realistischen Schätzung die Zahl der aktiven Bibliotheken in Deutschland bei mehr als 13.400 Einrichtungen.

Das deutsche Bibliothekswesen ist dezentral geprägt.

Bibliotheken werden finanziert und unterhalten vom Bund, von den Kommunen und den Bundesländern, von kirchlichen und privaten Einrichtungen sowie von privat-rechtlichen und öffentlich-rechtlichen Stiftungen. Dezentralisierung prägt das gesamte Bibliothekswesen – ein bundesweites Bibliotheksgesetz, wie inzwischen in zwei Dritteln der EU-Staaten üblich oder eine zentrale Lenkung durch eine staatliche oder private Institution fehlen.

In den fünf Bundesländern Thüringen, Sachsen-Anhalt, Hessen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein haben die Länderparlamente seit 2007 landesbezogene Bibliotheksgesetze verabschiedet.

Die dezentrale Situation ist geschichtlich begründet, denn die Zuständigkeit für kulturelle Angelegenheiten, für Wissenschaft und Kunst und für das Unterrichtswesen ist im Wesentlichen den Ländern vorbehalten. An dieser durch das Grundgesetz festgelegte Kulturhoheit haben auch die Gemeinden Anteil. Öffentliche Bibliotheken in Trägerschaft der Kommunen gehören nach wie vor zu den „freiwilligen Aufgaben“ der Gemeinden wie z.B. auch die Unterhaltung von Theatern, Musikschulen, Medienzentren und Museen.

Die ersten Klosterbibliotheken in Deutschland stammen aus dem 6. Jh. n. Chr.

Bibliotheken blicken in Deutschland auf eine Jahrhunderte alte Geschichte zurück, die mit den ersten Klosterbibliotheken im 6. Jh. n. Chr. beginnt und über Dom-, Rats-, Adels- und Universitätsbibliotheken, Bücherhallen und Volksbüchereien bis zu den heute üblichen, meist für jedermann zugänglichen Freihandbibliotheken der Gemeinden und Hochschulen reicht.

Die Bibliotheken lassen sich anhand ihrer Funktionen beschreiben.

Bibliothekarische Aufgaben von nationaler Bedeutung nehmen die Deutsche Nationalbibliothek (Frankfurt am Main und Leipzig) sowie die Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz in Berlin und die Bayerische Staatsbibliothek in München wahr; hinzu kommen drei Zentrale Fachbibliotheken. An der erweiterten „Virtuellen Nationalbibliothek“ zur Beschaffung und Erfassung einer Sammlung Deutscher Drucke seit dem 15. Jahrhundert sind weitere Staats-, Universitäts- und Forschungsbibliotheken beteiligt.

Wissenschaftliche Hochschulbibliotheken, regionale Staats- und Landesbibliotheken dienen vor allem der Forschung und Lehre und wenden sich an Hochschulangehörige, Studierende und wissenschaftlich Tätige; ihr Zugang ist i.d.R. für jeden gestattet.

Für die breite und allgemeine Informations- und Literaturversorgung in den Kommunen sorgen unterschiedlich große Stadt- und Gemeindebibliotheken, die einen wichtigen Beitrag zur Einlösung des Grundrechtes der Bürger leisten "sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten" (GG Art. 5).

Daneben fördern, beraten und unterstützen in den Ländern staatliche Bibliotheksfachstellen und Büchereizentralen bzw. kirchliche Büchereistellen die Arbeit der Öffentlichen Bibliotheken vor Ort.

Das Informations-, Medien- und Dienstleistungsangebot der Bibliotheken

Mit der wachsenden Vielfalt an gedruckten, virtuellen und digitalen Informations- und Unterhaltungsmedien wird der Bibliotheksbestand für den medieninteressierten Menschen immer bunter. Digitale Medien lassen sich inzwischen als E-Book, E-Paper oder E-Journal in vielen Bibliotheken auch online ausleihen und sind so rund um die Uhr und allerorts über moderne mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablets bzw. E-Book-Reader verfügbar.

Über den Deutschen Leihverkehr und verschiedene Dokumentlieferdienste ist es möglich, nahezu jede gewünschte, am heimatlichen Bibliotheksort ggf. nicht vorrätige Publikation in Papierform oder auf elektronischem Wege zu bestellen. Ein Netzwerk von sechs regionalen Verbundzentralen koordiniert den Leihverkehr, sammelt und speichert alle medienbezogenen Bestandsdaten der wissenschaftlichen Bibliotheken und bietet sie per Internet als "Virtuelle Bibliothekskataloge" als Recherche- und Bestell-Grundlage an.

Die bibliothekarische Fachwelt in Verbänden und Einrichtungen

Bibliothek & Information Deutschland e.V. (BID) mit Sitz in Berlin bildet den gemeinsamen, spartenübergreifenden Dachverband zur Interessenvertretung der bibliotheksbezogenen Verbände und Einrichtungen. Ihm gehören an: Deutscher Bibliotheksverband e.V. (dbv), Berufsverband Information Bibliothek e.V. (BIB), Verein Deutscher Bibliothekarinnen und Bibliothekare e.V. (VDB), ekz.bibliotheksservice GmbH und Goethe-Institut.
Der jährlich vom Verein Deutscher Bibliothekarinnen und Bibliothekare und dem Berufsverband Information Bibliothek e.V. organisierte Deutsche Bibliothekartag und der im Dreijahresturnus von der BID veranstaltete Leipziger Kongress für Information und Bibliothek sind die beiden größten zentralen Fachtagungen in Deutschland.

Quellenangabe

Autor der Bearbeitung: Jürgen Seefeldt (Stand: Mai 2017)
Die statistischen Zahlen zu Bibliotheken in Deutschland werden jährlich von der Redaktion mit den Zahlen der Deutschen Bibliotheksstatistik abgeglichen.

Ausführliche Quellenangabe