Suche auf bibliotheksportal.de
 

Bibliothekslandschaft in Deutschland

Bibliotheken in Deutschland

  • Rund 8.400 Bibliotheken sind im Jahr 2011 in der Deutschen Bibliotheksstatistik (DBS) erfasst worden – an gebäudegebundenen Standorten sind das ca. 10.400 Bibliothekseinrichtungen mit Zentral- und Institutsbibliotheken sowie Zweigstellen in Stadtteilen. Davon befinden sind ca. 4.000 Bibliotheken in Trägerschaft der Kommunen und Landkreise inkl. 112 mobilen Fahr- und 52 Musikbibliotheken, 3.309 Öffentliche Bibliotheken in katholischer und 831 in evangelischer Trägerschaft und rund 275 Patientenbibliotheken in Krankenhäusern.
  • Die 16 Bundesländer unterhalten rund 40 regionale Landes- und Staatsbibliotheken, 80 Bibliotheken der Universitäten und gleichgestellten Hochschulen (mit ca. 510 Institutsbibliotheken), über 130 Fachhochschulbibliotheken und zahlreiche wissenschaftliche Spezialbibliotheken.
  • Der Bund unterhält außerdem rund 50 Parlaments-, Gerichts- und Behördenbibliotheken sowie als bestandsmäßig größte Bibliothek die Deutsche Nationalbibliothek in Frankfurt am Main und Leipzig. Zur überregionalen Bibliotheksversorgung tragen außerdem drei zentrale Fachbibliotheken bei: für Technik und Naturwissenschaften, für Medizin und Umwelt sowie für Wirtschaft.
  • Darüber hinaus existiert eine Vielzahl von privat und öffentlich finanzierten Spezialbibliotheken, deren Zugänglichkeit für die Öffentlichkeit unterschiedlich ist.
  • Da nicht alle Bibliotheken eine Statistik-Meldung zur DBS abgeben, liegt nach einer realistischen Schätzung die Zahl der aktiven Bibliotheken in Deutschland bei mehr als 14.300 Einrichtungen.

Das deutsche Bibliothekswesen ist dezentral geprägt.

Bibliotheken werden finanziert und unterhalten vom Bund, von den Kommunen und Bundesländern, von kirchlichen und privaten Einrichtungen sowie von Stiftungen. Dezentralisierung prägt das gesamte Bibliothekswesen - ein bundesweites Bibliotheksgesetz, wie inzwischen in zwei Dritteln der EU-Staaten üblich oder gar eine zentrale Lenkung durch eine staatliche oder private Institution fehlen.

In den drei Bundesländern Thüringen, Sachsen-Anhalt und Hessen haben die Länderparlamente seit 2007 landesbezogene Bibliotheksgesetze verabschiedet.

Die dezentrale Situation ist geschichtlich begründet, denn die Zuständigkeit für kulturelle Angelegenheiten, für Wissenschaft und Kunst und für das Unterrichtswesen ist im Wesentlichen den Ländern vorbehalten. An dieser Kulturhoheit haben auch die Gemeinden Anteil. Öffentliche Bibliotheken in Trägerschaft der Kommunen gehören nach wie vor zu den „freiwilligen Aufgaben“ der Gemeinden wie z.B. auch die Unterhaltung von Theatern, Musikschulen, Medienzentren und Museen.

Die ersten Klosterbibliotheken in Deutschland stammen aus dem 6. Jh. n. Chr.

Bibliotheken blicken in Deutschland auf eine Jahrhunderte alte Geschichte zurück, die mit den ersten Klosterbibliotheken im 6. Jh. n. Chr. beginnt und über Dom-, Rats-, Adels- und Universitätsbibliotheken, Bücherhallen und Volksbüchereien bis zu den heute üblichen, meist für jedermann zugänglichen Freihandbibliotheken der Gemeinden und Hochschulen reicht.

Die Bibliotheken lassen sich anhand ihrer Funktionen beschreiben.

Bibliothekarische Aufgaben von nationaler Bedeutung nehmen die Deutsche Nationalbibliothek (Frankfurt am Main und Leipzig) sowie die Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz in Berlin und die Bayerische Staatsbibliothek in München wahr; hinzu kommen drei Zentrale Fachbibliotheken.

Wissenschaftliche Hochschulbibliotheken, regionale Staats- und Landesbibliotheken dienen vor allem der Forschung und Lehre und wenden sich an Hochschulangehörige, Studierende und wissenschaftlich Tätige.

Für die allgemeine Informations- und Literaturversorgung in den Kommunen sorgen unterschiedlich große Stadt- und Gemeindebibliotheken, die einen wichtigen Beitrag zur Einlösung des Grundrechtes der Bürger leisten "sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten" (GG Art. 5).

Daneben fördern, beraten und unterstützen in den Ländern staatliche Bibliotheksfachstellen und Büchereizentralen bzw. kirchliche Büchereistellen die Arbeit der öffentlichen Bibliotheken vor Ort.

Das Informations-, Medien- und Dienstleistungsangebot der Bibliotheken stellt sich den Herausforderungen der modernen Zeit.

Längst gibt es nicht nur Bücher und Zeitschriften, sondern auch CD-ROMs, DVDs, Blu-rays, Musik-CDs, Videos oder Hörbücher und Spiele in Bibliotheken. Mit der wachsenden Vielfalt an gedruckten, virtuellen und digitalen Informations- und Unterhaltungsmedien wird auch der Bibliotheksbestand für den medieninteressierten Menschen immer bunter. Digitale Medien lassen sich inzwischen in vielen Bibliotheken auch online ausleihen (Stichwort: ONLEIHE) und sind so rund um die Uhr und allerorts über moderne mobile Endgeräte verfügbar. Lesefähigkeit und lebenslanges Lernen, Medienkompetenz und methodische Fertigkeiten zum Recherchieren und kritischem Erkennen wichtiger Informationen sind für den Einzelnen elementare Kulturtechniken, die er zur Bewältigung von Schule und Ausbildung, Berufsleben und Alltagswelt dringend benötigt.

Was früher Wochen dauerte, geht heute blitzschnell – der Elektronik sei Dank: über den deutschen Leihverkehr und verschiedene Dokumentlieferdienste erhält der Besteller nahezu jede gewünschte, am heimatlichen Bibliotheksort ggf. nicht vorrätige Publikation in Papierform oder auf elektronischem Wege vermittelt. Ein Netzwerk von sechs regionalen Verbundzentralen koordiniert den Leihverkehr, sammelt und speichert alle medienbezogenen Bestandsdaten der wissenschaftlichen Bibliotheken und bietet sie per Internet als "Virtuelle Bibliothekskataloge" an.

Die bibliothekarische Fachwelt in Verbänden und Einrichtungen

Bibliothek & Information Deutschland e.V. (BID) mit Sitz in Berlin bildet den gemeinsamen, spartenübergreifenden Dachverband zur Interessenvertretung der bibliotheksbezogenen Verbände und Einrichtungen. Ihm gehören an: Deutscher Bibliotheksverband e.V. (dbv), Berufsverband Information Bibliothek e.V. (BIB), Verein Deutscher Bibliothekare e.V. (VDB), ekz.bibliotheksservice GmbH, Goethe-Institut, Bertelsmann Stiftung und Deutsche Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis e.V. (DGI).

Der jährlich vom Verein Deutscher Bibliothekare und dem Berufsverband Information Bibliothek e.V. organisierte Deutsche Bibliothekartag und der im Dreijahresturnus von der BID und der DGI gemeinsam veranstaltete Leipziger Kongress für Information und Bibliothek sind die größten zentralen Fachtagungen. Im Juni 2011 fand in Berlin der 100. Deutsche Bibliothekartag mit weit über 3.500 Teilnehmern statt.

Wichtige Themen, die die Bibliotheken heute und zukünftig beschäftigen, sind beispielsweise die Entwicklung neuer Web-gestützter Dienstleistungen, so etwa die Online-Recherche für Privatkunden, kleinere und mittlere Unternehmen oder Standards und Ordnungssysteme für elektronische Publikationen, ferner die Langzeitarchivierung bzw. Digitalisierung von historischen und aktuellen Bibliotheksmaterialien, nachhaltige Initiativen zur Leseförderung und zum lebenslangen Lernen sowie die bessere rechtliche Absicherung der Bibliotheken durch den Gesetzgeber als unverzichtbare Informationseinrichtungen.


Quellenangabe

Der überarbeiteten Darstellung liegt folgende Publikation als Basis zugrunde:

"Jürgen Seefeldt/Ludger Syré: Portale zu Vergangenheit und Zukunft – Bibliotheken in Deutschland. Hrsg.: BID. - 4. aktualisierte u. überarb. Auflage. - Georg Olms-Verlag 2011."

Autor der Bearbeitung: Jürgen Seefeldt (Stand: Juni 2011)

Jürgen Seefeldt ist Dipl.-Bibliothekar, Standortleiter der Büchereistelle Koblenz im 2004 neu gegründeten Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz, Mitglied des "Berufsverbandes Information Bibliothek e.V." (BIB), geschäftsführendes Vorstandsmitglied im Landesverband Rheinland-Pfalz des Deutschen Bibliotheksverbandes e.V. (DBV), Autor verschiedener Fachliteratur zum Bibliothekswesen, nebenamtlicher Dozent mit bibliotheksbezogenen Lehraufträgen an der Fachhochschule in Köln.

Quellenangabe

Autor der Bearbeitung: Jürgen Seefeldt (Stand: Juni 2011)

Quellenangabe