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Hochschul- und Universitätsbibliotheken

In der Bundesrepublik Deutschland ist die Unterhaltung von Hochschulen in der Regel Aufgabe der Bundesländer.

Im Zeitraum 2015/16 existieren insgesamt 426 Hochschulen, die meisten davon sind staatlich, eine zunehmende Zahl privat und kirchlich getragen – sie alle verfügen über Hochschulbibliotheken und nennen sich Universitäts-, Fachhochschul-, oder Kunst- und Musikhochschul-Bibliothek.
(vgl. destatis)

Einschließlich der Institutsbibliotheken bieten alle Einrichtungen den mehr als 2,8 Mio. Studierenden ca. 182 Mio. Medien an. Darunter sind u.a. 4,2 Mio. digitale und 219.000 gedruckte Zeitschriftenabonnements (vgl. DBS 2015).

Bibliotheken der Universitäten

Die Bibliotheken der 107 Universitäten (vgl. destatis) und gleichgestellten Hochschulen dienen in erster Linie der Literaturversorgung der Hochschulangehörigen bei Studium, Forschung und Lehre.

Sie alle können aber auch für wissenschaftliche Zwecke von Nicht-Hochschulangehörigen benutzt werden; einige haben ausdrücklich regionale Funktionen übernommen.

Grundsätzlich haben die Universitätsbibliotheken einen universalen Sammelauftrag, d.h. sie berücksichtigen beim Bestandsaufbau auch die Fächer, die an der betreffenden Hochschule nicht gelehrt werden.

Seit den 1960er-Jahren sind von den Bibliotheken Lehrbuchsammlungen aufgebaut worden, um die Studenten mit aktuellen Lehrbüchern beim Studium zu unterstützen.

Eine ganze Reihe von Universitätsbibliotheken betreut einen oder mehrere Fachinformationsdienste und stellt die mit finanzieller Hilfe der DFG beschaffte Literatur im überregionalen Leihverkehr zur Verfügung. Vor allem ältere Universitätsbibliotheken verfügen über Alt- und Sonderbestände, zu denen Handschriften, Autografen, Nachlässe, alte Drucke, Karten, Musikalien u.a.m. gehören. Die Technischen Hochschulbibliotheken besitzen darüber hinaus Normen und Patentschriften.

Die meisten Universitätsbibliotheken können ihren Benutzern zwischen 2,5 und 3,7 Mio. Bände anbieten. Viele alte Universitätsbibliotheken (z.B. Freiburg, Heidelberg, Jena, Tübingen) sowie die aus der 1479 gegründeten Stadtbibliothek hervorgegangene Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, die 1919 wiedergegründete Universitäts- und Stadtbibliothek Köln und einzelne in den 1960er Jahren entstandene Bibliotheken (z.B. Bremen, Düsseldorf, Regensburg) haben ebenfalls Bestände zwischen 2,5 und 3,7 Mio. Bänden.

Zu den größten Einrichtungen mit Beständen zwischen 5 - 6 Mio. Bänden zählen die Bibliothek der Humboldt-Universität Berlin, die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg in Frankfurt am Main und die Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen.

Die Bibliotheken der kleinen Hochschulen, besonders jener mit begrenztem Lehrangebot, besitzen weniger als eine Million Bände (Hildesheim, Koblenz/Landau, Lübeck).

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Ein- und zweischichtige Bibliothekssysteme der Universitäten

In der Struktur der Universitätsbibliotheken lassen sich in Deutschland zwei Grundformen unterscheiden, die als "einschichtiges" und "zweischichtiges" Bibliothekssystem bezeichnet werden; der Trend zielt auf die Umstellung auf Einschichtigkeit.

An den traditionellen Universitäten mit zweischichtigem Bibliothekssystem besteht neben der zentralen Universitätsbibliothek, die Magazin- und Ausleihbibliothek ist, eine mehr oder minder große Zahl von selbstständigen Seminar-, Instituts- und Fakultätsbibliotheken, die Präsenzbibliotheken mit systematischer Freihandaufstellung sind.

Während die Universitätsbibliothek die allgemeine, fächerübergreifende Literatur erwirbt, konzentrieren sich die mit eigenen Erwerbungsmitteln ausgestatteten Institutsbibliotheken auf die hochspezialisierte Forschungsliteratur ihres Faches. Um die Nachteile dieses Dualismus zu mildern und um die seit den Empfehlungen der Deutschen Forschungsgemeinschaft zur Zusammenarbeit ergriffenen Maßnahmen zu verstärken, sind an vielen Universitäten kooperative Bibliothekssysteme entstanden.

An den neueren, seit den späten 1960er-Jahren gegründeten Universitäten mit meist einschichtigem Bibliothekssystem gibt es nur noch eine Bibliothek, die beide Funktionen, d.h. die der zentralen Universitätsbibliothek und der dezentralen Institutsbibliotheken übernimmt.

Diese einheitliche Bibliotheksstruktur war auch an den Universitäten der DDR vorhanden und ist nach der Wende fortgeführt worden.

Einschichtige Bibliothekssysteme sind gekennzeichnet durch die einheitliche Leitung mit Fachaufsicht und Weisungsbefugnis gegenüber dem gesamten Bibliothekspersonal und durch die zentrale Zuweisung und Verteilung der Erwerbungsmittel. Meist sind alle bibliothekarischen Arbeitsgänge zentralisiert. Die teils ausleihbaren, teils präsent gehaltenen Bestände sind häufig auf mehrere Teilbibliotheken verteilt, gelegentlich aber auch an einem Ort konzentriert, doch stets in feinsystematischer Ordnung in Freihandbereichen aufgestellt.

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Bibliotheken der Fachhochschulen und sonstigen Hochschulen

Im Unterschied zu den Universitätsbibliotheken sind die rund 142 Fachhochschulbibliotheken (Quelle: DBS 2015) keine Universalbibliotheken, sondern im weiteren Sinne Spezialbibliotheken, die sich auf die an ihren Einrichtungen gelehrten Fächer konzentrieren.

Die Fachhochschulen in Deutschland stellen dabei einen relativ jungen Bibliothekstyp dar, der in den westlichen Bundesländern in den 1970er-Jahren, in den östlichen Bundesländern erst nach 1990 entstanden ist. Meist sind sie aus früheren Ingenieurschulen und höheren Fachschulen für Wirtschaft, Sozialarbeit, Gestaltung (Design) und anderen Fachgebieten hervorgegangen.

Im Unterschied zu den Universitäten haben die Fachhochschulen nicht den Auftrag, eine wissenschaftliche (theoretische) Bildung zu vermitteln; sie sollen vielmehr durch praxisbezogene Lehre eine auf wissenschaftlicher Basis beruhende Bildung vermitteln, die zur selbstständigen Tätigkeit im Beruf befähigt.

Die Bibliotheken der Fachhochschulen enthalten vor allem fachbezogene Grundlagenliteratur und Lehrbücher, dies oft auch in Mehrfachexemplaren. Ihre Gebäude-, Personal- und Bestandsgröße schwankt beträchtlich.

In einigen Fällen sind mehrere Bildungseinrichtungen zu einer Fachhochschule vereinigt worden; die Bibliotheken dieser Hochschulen weisen dann oft Bestände von über 250.000 Bänden auf und haben bis zu 1.000 Periodika abonniert. In anderen Fällen sind recht kleine Fachhochschulen mit begrenztem Lehrangebot gebildet worden, an denen die Bibliotheken meist Bestände zwischen 50.000 und 100.000 Medieneinheiten haben.

Die Bibliotheken der Kunst- und Musikhochschulen sind, entsprechend der geringeren Bedeutung der Literatur in den musisch-künstlerischen Studiengängen, eher klein; eine absolute Ausnahme bildet die Bibliothek der Universität der Künste in Berlin (UdK, 330.000 Bände), die gemeinsam mit der Bibliothek der Technischen Universität in der 2004 neu erbauten „Volkswagen-Universitätsbibliothek“ untergebracht ist.

Bibliotheken unterhalten auch die Verwaltungshochschulen, die in einigen Bundesländern etablierten Berufsakademien und die Hochschulen in privater Trägerschaft. Nur noch in Baden-Württemberg gibt es eigenständige Pädagogische Hochschulen mit entsprechenden Bibliotheken; in den übrigen Bundesländern wurde die Lehrerbildung in die Universitäten integriert oder die Pädagogischen Hochschulen sind zu Universitäten ausgebaut worden.

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Quellenangabe

Autor der Bearbeitung: Jürgen Seefeldt (Stand: Juni 2011)
Die statistischen Zahlen zu Bibliotheken in Deutschland werden jährlich von der Redaktion mit den Zahlen der Deutschen Bibliotheksstatisktik abgeglichen.

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