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Hochschul- und Universitätsbibliotheken

In der Bundesrepublik Deutschland ist die Unterhaltung von Hochschulen in der Regel Aufgabe der Bundesländer.

Ende 2016 lag die Zahl der Hochschulen bei 426 Institutionen, die meisten davon sind staatlich, eine zunehmende Zahl privat und kirchlich getragen. Sie alle verfügen über Hochschulbibliotheken und nennen sich Universitäts-, Hochschul-, Fachhochschul-, oder Kunst- und Musikhochschul-Bibliothek.
Zählt man alle Fachbereichs-, Instituts- und Seminarbibliotheken aller deutschen Hochschulen (inkl. der Fachhochschulen aller Träger) zusammen, summiert sich deren Anzahl auf rund 3.600 Bibliothekseinrichtungen. (vgl. destatis)

Einschließlich der Institutsbibliotheken bieten alle Hochschuleinrichtungen den mehr als 2,9 Mio. Studierenden rund 185 Mio. Medien an.

Bibliotheken der Universitäten

Die Bibliotheken der 107 Universitäten (vgl. destatis) und gleichgestellten Hochschulen dienen in erster Linie der Literatur- und Informationsversorgung der Hochschulangehörigen bei Studium, Forschung und Lehre.

Sie alle können aber auch von Nicht-Hochschulangehörigen für wissenschaftliche Zwecke benutzt werden; einige haben ausdrücklich regionale Funktionen übernommen.

Grundsätzlich haben die Universitätsbibliotheken einen universalen Sammelauftrag, d.h. sie berücksichtigen beim Bestandsaufbau auch die Fächer, die an der betreffenden Hochschule nicht gelehrt werden. Sorgfältig aufgebaute Lehrbuchsammlungen unterstützen die Studierenden beim Studium, ergänzt durch eine Vielzahl von Datenbanken und elektronischen Publikationen.

Eine ganze Reihe von Universitätsbibliotheken betreut einen oder mehrere Fachinformationsdienste und stellt die mit finanzieller Hilfe der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) beschaffte Literatur im überregionalen Leihverkehr zur Verfügung. Vor allem ältere Universitätsbibliotheken verfügen über Alt- und Sonderbestände, zu denen Handschriften, Autografen, Nachlässe, alte Drucke, Karten, Musikalien u.a.m. gehören. Die Technischen Hochschulbibliotheken besitzen darüber hinaus Normen und Patentschriften. 
Neben dem Kauf gedruckter Zeitschriften ist für die Universitätsbibliotheken verstärkt die Lizensierung elektronischer Zeitschriften getreten. Diese werden im Rahmen der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek (EZB) und aufgrund von Nationallizenzen der DFG den Universitätsangehörigen angeboten.

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Ein- und zweischichtige Bibliothekssysteme der Universitäten

In der Struktur der Universitätsbibliotheken lassen sich in Deutschland zwei Grundformen unterscheiden, die als „einschichtiges" und „zweischichtiges" Bibliothekssystem bezeichnet werden; der Trend zielt auf die schrittweise Umstellung auf Einschichtigkeit.
An den traditionellen Universitäten mit zweischichtigem Bibliothekssystem besteht neben der zentralen Universitätsbibliothek eine mehr oder minder große Zahl von selbstständigen Seminar-, Instituts- und Fakultätsbibliotheken, die meist Präsenzbibliotheken mit Freihandaufstellung sind.
Während die Universitätsbibliothek die allgemeine, fächerübergreifende Literatur erwirbt, konzentrieren sich die mit eigenen Erwerbungsmitteln ausgestatteten Institutsbibliotheken auf die hochspezialisierte Forschungsliteratur ihres Faches. Um die Nachteile dieses Dualismus zu mildern und um die seit den Empfehlungen der DFG zur Zusammenarbeit ergriffenen Maßnahmen zu verstärken, sind an vielen Universitäten kooperative Bibliothekssysteme entstanden.

An den neueren, seit den späten 1960er-Jahren gegründeten Universitäten mit meist einschichtigem Bibliothekssystem gibt es nur noch eine Zentralbibliothek, die beide Funktionen, d.h. die der zentralen Universitäts- und der dezentralen Institutsbibliotheken übernimmt. Einschichtige Bibliothekssysteme sind gekennzeichnet durch die einheitliche Leitung mit Fachaufsicht und Weisungsbefugnis gegenüber dem gesamten Bibliothekspersonal und durch die zentrale Zuweisung und Verteilung der Erwerbungsmittel. Meist sind alle bibliothekarischen Arbeitsgänge zentralisiert. Die meist ausleihbaren, teils präsent gehaltenen Bestände sind häufig auf mehrere Teilbibliotheken verteilt, gelegentlich aber auch an einem Ort konzentriert, doch stets in feinsystematischer Ordnung in Freihandbereichen aufgestellt.

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Bibliotheken der Fachhochschulen und sonstigen Hochschulen

Nach Angaben des Wissenschaftsrates existierten 2016 in Deutschland 215 (Fach)Hochschulen (ohne Promotionsrecht), davon 62 in nichtstaatlicher Trägerschaft. Im Unterschied zu den Universitätsbibliotheken sind Fachhochschulbibliotheken keine Universalbibliotheken, sondern im weiteren Sinne Spezialbibliotheken, die sich auf die an ihren Einrichtungen gelehrten Fächer konzentrieren.

Die Fachhochschulen in Deutschland stellen dabei einen relativ jungen Bibliothekstyp dar, der in den westlichen Bundesländern in den 1970er-Jahren, in den östlichen Bundesländern erst nach 1990 entstanden ist. Meist sind sie aus früheren Ingenieurschulen und höheren Fachschulen für Wirtschaft, Sozialarbeit, Gestaltung (Design) und anderen Fachgebieten hervorgegangen. Viele Fachhochschulen haben in jüngster Zeit ihre Namen verändert und sich in „Hochschule für …“ oder „Technische Hochschule“ umbenannt.

Im Unterschied zu den Universitäten haben die (Fach-)Hochschulen nicht den Auftrag, eine wissenschaftliche (theoretische) Bildung zu vermitteln. Sie sollen vielmehr durch praxisbezogene Lehre eine auf wissenschaftlicher Basis beruhende Bildung vermitteln, die zur selbstständigen Tätigkeit im Beruf befähigt.

Die Bibliotheken der Fachhochschulen enthalten vor allem fachbezogene Grundlagenliteratur und Lehrbücher. Ihre Gebäude-, Personal- und Bestandsgröße schwankt beträchtlich. In einigen Fällen sind mehrere Bildungseinrichtungen zu einer (Fach-)Hochschule vereinigt worden. Die Bibliotheken dieser Hochschulen weisen dann oft Bestände von über 250.000 Bänden auf und haben bis zu 1.000 Periodika abonniert. In anderen Fällen sind recht kleine Fachhochschulen mit begrenztem Lehrangebot gebildet worden, an denen die Bibliotheken meist Bestände zwischen 50.000 und 100.000 Medieneinheiten haben.

Die Bibliotheken der Kunst- und Musikhochschulen sind, entsprechend der geringeren Bedeutung der Literatur in den musisch-künstlerischen Studiengängen, eher klein; eine absolute Ausnahme bildet die Bibliothek der Universität der Künste in Berlin (UdK, 327.000 Bände). 

Eigene Bibliotheken unterhalten auch die Verwaltungshochschulen, die Berufsakademien und die Hochschulen in privater Trägerschaft. Nur noch in Baden-Württemberg gibt es eigenständige Pädagogische Hochschulen mit entsprechenden Bibliotheken. In den übrigen Bundesländern wurde die Lehrerbildung in die Universitäten integriert oder die Pädagogischen Hochschulen sind zu Universitäten ausgebaut worden.

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Quellenangabe

Autor der Bearbeitung: Jürgen Seefeldt (Stand: Mai 2017)
Die statistischen Zahlen zu Bibliotheken in Deutschland werden jährlich von der Redaktion mit den Zahlen der Deutschen Bibliotheksstatistik abgeglichen.

Ausführliche Quellenangabe