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Öffentliche Bibliotheken

Öffentliche Bibliotheken

Die Öffentliche Bibliothek (ÖB) ist der am häufigsten vertretene Bibliothekstyp in Deutschland.

In der Adressdatenbank der Deutschen Bibliotheksstatistik (DBS) waren Ende 2015 rund 9.858 öffentliche Bibliotheksstandorte (inkl. Zweigstellen) aller Träger registriert. Die Städte, Gemeinden und Landkreise unterhalten rund 4.982 kommunale Bibliotheksstandorte (inkl. Zweigstellen) und sind außerdem als Träger für geschätzt weitere rund 2.500 Schulbibliotheken/Mediotheken verantwortlich bzw. bieten schulbibliothekarische Dienstleistungen an. In einigen Bundesländern haben ca. 40 Landkreise Kreisbibliotheken bzw. Kreis- und Stadtbibliotheken eingerichtet.

Auf der Ebene der Pfarreien und Kirchengemeinden unterhalten die Katholische und die Evangelische Kirche zusammen ca. 4.100 Öffentliche Büchereien.

Addiert man all diese Bibliothekseinrichtungen, ergibt sich in Deutschland eine Gesamtzahl von rund 12.000 haupt- und ehrenamtlich geleiteten Öffentlichen Bibliotheken. Anzumerken ist, dass die Zahl der in der DBS erfassten Bibliotheken geringer ist als die Gesamtzahl aller Öffentlichen Bibliotheken, da sich nicht alle Bibliotheken an der DBS beteiligen.

Zusammen verfügen die 9.117 Öffentlichen Bibliotheken in der DBS über einen Bestand von mehr als 118,6 Mio. Medieneinheiten, mit denen im Jahr 2015 rund 363,2 Mio. Entleihungen erzielt wurden.

(Zahlen-Quellen: DBS 2015, BibS-Suchmaschine, HBZ)

Kommunale Öffentliche Bibliotheken

Die Öffentlichen Bibliotheken – in jedweder Trägerschaft – leisten für alle Schichten der Bevölkerung einen wichtigen Beitrag zur Erfüllung  des Grundrechts, „sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten" (Grundgesetz Artikel 5, Absatz 1).

Sie öffnen damit einen Weg zur Teilnahme am kulturellen und sozialen Leben und erfüllen mit ihren Dienstleistungen und Medienangeboten einen zentralen Auftrag im Kultur- und Bildungswesen.

Zugleich tragen Öffentliche Bibliotheken zur Verwirklichung der Chancengleichheit und zum lebenslangen Lernen jedes Einzelnen bei. Neben der Information und Allgemeinbildung dienen sie der beruflichen Aus-, Fort- und Weiterbildung sowie der Freizeitgestaltung und im besonderen Maße der Leseförderung und wichtigen Vermittlung von Medien- und Informationskompetenz. Seit langem ist die Öffentliche Bibliothek auch ein Ort der Kommunikation, der sich zunehmend zu einem multimedialen und multikulturellen Treffpunkt mit Veranstaltungen aller Art entwickelt hat.

Wenn von den 11.084 Gemeinden der Bundesrepublik Deutschland  (Quelle; Stand Januar 2016) 4.982 Gemeinden über eine Öffentliche Bibliothek verfügen – das sind rund 45 % aller Gemeinden – dann lässt sich das kommunal getragene Bibliotheksnetz nicht unbedingt als engmaschig bezeichnen.

In städtischen Ballungsgebieten ist die Struktur deutlich besser, in ländlichen Regionen eher schlechter entwickelt. Hinzu kommen noch kirchliche getragene, meist ehrenamtlich geführte Öffentliche Büchereien, die besonders in den ländlichen Gebieten die grobmaschige Netzstruktur verbessern helfen.

Da die Unterhaltung einer Öffentlichen Bibliothek nach wie vor von den Kommunen als „freiwillige Aufgabe" gesehen wird, wird verständlich, dass weniger als die Hälfte der Gemeinden eine Bibliothek unterhält. Staatliche Zuschüsse zur Einrichtung und Unterhaltung einer Stadt- oder Gemeindebibliothek oder zum Ausbau ihres Buch- und Medienbestandes vergeben nur einige wenige Bundesländer. In den meisten Ländern ist die Finanzierung ausschließlich Sache der Kommune.

Von den Gesamtausgaben der öffentlichen Haushalte aller Städte und Gemeinden fielen im Jahr 2015 in Deutschland nur ca. 0,25% auf Öffentliche Bibliotheken, bezogen auf die Kulturausgaben aller Kommunen betrug der Anteil rund 15%.

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Die Buch- und Medienbestände kommunaler Öffentlicher Bibliotheken

In ihrem Bestand führen die Öffentlichen Bibliotheken Sachbücher, zum Teil auch wissenschaftliche Werke aus allen Bereichen des Wissens, Fachbücher für die berufliche Bildung, Nachschlagewerke aller Art, Zeitschriften und Zeitungen, belletristische und der Unterhaltung dienende Literatur, Kinder- und Jugendliteratur sowie auf besondere Benutzergruppen zielende Bestände, wie etwa fremdsprachige Bücher.

Das Medienangebot ist laufend erweitert worden, in den letzten Jahren vor allem um elektronische und digitale Medien.

Mittlerweile bieten mehr als 3.200 Öffentliche Bibliotheken, vorwiegend in Verleih-Verbünden, online ausleihbare Medien (wie E-Books, E-Papers, E-Audios, E-Videos) an.

In nicht wenigen Fällen halten Groß- und Mittelstadtbibliotheken auch Werke der Bildenden Kunst (Artothek, Grafothek) sowie Noten und andere Musikalien (Musikbibliothek) zur Ausleihe vor.

Eine typische hauptamtlich-fachlich geleitete Öffentliche Bibliothek in Deutschland weist laut DBS für 2015 im Durchschnitt folgende Kennzeichen auf: 

  • 400 qm Fläche
  • 30.000 Medieneinheiten (ME)
  • rund 3,2 Personalstellen 
  • einen Einzugsbereich von rund 32.000 Einwohnern
  • 18 Stunden Öffnungszeit pro Woche
  • ein Angebot von 1,4 ME pro Einwohner, 40 Benutzerarbeitsplätze 
  • Bestandsaufteilung von 24-28% Sachliteratur, 22-25% Belletristik, 30-33% Kinder- und Jugendliteratur, 12-15% AV-Medien, 3-5% Zeitschriften, 2-4% virtuelle Medien (E-Books u.a.) 
  • 6 Veranstaltungen pro tausend Einwohner
  • 33.000 Besucher pro Jahr
  • Entleihung von 4,3 ME je Einwohner pro Jahr
  • zu rund 95% öffentlich finanziert
  • die am stärksten frequentierte Kultureinrichtung in der Kommune

Die in den Bibliotheksplänen empfohlene Richtgröße von zwei Medieneinheiten je Einwohner wird nur von einem geringen Teil der Bibliotheken erreicht. Pro Kopf der Bevölkerung gaben die Träger Öffentlicher Bibliotheken im Jahr 2015 durchschnittlich 1,47 Euro für die Anschaffung neuer Bücher und Medien aus.

Der konsequente Ausbau zielgruppenspezifischer Angebote, insbesondere zu Informationszwecken, hat an Bedeutung gewonnen. Die meisten Bibliotheken orientieren sich bei der Erwerbungsauswahl an der aktuellen Nachfrage und sondern nicht mehr benutzte Titel, insbesondere Mehrfachexemplare, wieder aus. Nur einige Großstadtbibliotheken sowie wissenschaftliche Stadtbibliotheken besitzen für Alt- und Sonderbestände eine Archivfunktion und verfügen über größere Magazine.

Gerade Neubauten von Öffentlichen Bibliotheken haben in den letzten Jahren die Zentren vieler Groß- und Mittelstädte nicht nur architektonisch bereichert und sich als positive Standortfaktoren zur Belebung von Wirtschaft und Kultur in den Innenstädten erwiesen. Deutlich mehr Augenmerk als früher wird beim Neu- oder Umbau auf ästhetisch attraktive Bibliotheksgebäude gelegt.

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Bibliothekssysteme mit Zentralbibliothek, Zweigstellen und Bücherbussen

Bibliothekssysteme mit Zentralbibliothek, Zweigstellen und Bücherbussen

Modell eines großstädtischen Bibliothekssystems (aus: Seefeldt/Syré: Portale zu Vergangenheit und Zukunft – Bibliotheken in Deutschland)

Die Öffentlichen Bibliotheken großer Städte bilden heute meist ein Bibliothekssystem mit einer Zentralbibliothek und mehreren Zweigstellen in den Stadtteilen.

Dazu können spezielle räumlich eigenständige oder integrierte Einrichtungen kommen, wie z.B. eine Kinder- und/oder Jugendbibliothek, kombinierte Schulbibliotheken als Zweigstellen, eine Musikbibliothek, eine Artothek und ggf. eine Fahrbibliothek. In einigen wenigen Orten kann auch eine Patientenbibliothek in einem Krankenhaus oder eine Gefängnisbibliothek in einer Justizvollzugsanstalt zum System gehören.

Fahrbibliotheken, d.h. Bücherbusse, die auf regelmäßigen Touren zwischen 3.000 und 6.000 Medien mitführen, werden nicht nur in den Randbezirken der Großstädte, sondern auch in den dünn besiedelten ländlichen Regionen eingesetzt.

In Deutschland sind 2015 insgesamt noch 108 Fahrzeuge im Einsatz. Ihre Benutzungszahlen sind seit Jahren auf hohem Niveau konstant geblieben, während die Anzahl an Fahrzeugen kontinuierlich gesunken ist (1995: 150 Busse).

Mit der Einrichtung von Fahrbibliotheken verbunden ist der politische Wille, das offenkundige Stadt-Land-Gefälle hinsichtlich der Bibliotheksangebote zu verringern. Während in vielen kleinen Gemeinden Bücherbusse auch soziale Treffpunkte sind, fungieren sie in Großstädten als mobile Zweigstellen und fahren vielfach Schulen und Kindergärten an. Bisweilen ersetzen sie ortsgebundene Zweigstellen, die aus Einspargründen geschlossen werden.

Eine Zusammenarbeit mit Einrichtungen wie Kindergärten oder Grund- und weiterführende Schulen gehört zur Kernaufgabe der mobilen Bibliotheksarbeit. Ebenso wie in den standortfesten Bibliotheken werden Fahrbibliotheken zur Leseförderung genutzt, indem in ihnen Bibliothekseinführungen, unterrichtsbegleitende Lesestunden und themenbezogene Projekteangeboten werden.

Weitere Informationen zu Fahrbibliotheken

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Öffnungszeiten, Personal und Mittelaufwendungen kommunaler Öffentlicher Bibliotheken

Die wöchentlichen Öffnungszeiten sind, je nach Größe und Leistungsfähigkeit der Gemeinde, von Bibliothek zu Bibliothek sehr unterschiedlich: Während die meisten ehren- und nebenamtlich geleiteten Büchereien in Gemeinden (häufig anzutreffen in Orten zwischen 1.000 und 3.000 Einwohnern) oft nur vier bis sechs Stunden, verteilt auf zwei Tage, geöffnet haben, bieten hauptamtlich geleitete Klein- und Mittelstadtbibliotheken zwischen 10.000 und 50.000 Einwohnern bereits Öffnungszeiten zwischen 10 und 25 Stunden an, in der Regel verteilt auf drei bis vier Tage.

Die meisten Großstadtbibliotheken haben täglich von Montag bis Samstag geöffnet und erreichen im Durchschnitt mehr als 40 Öffnungsstunden pro Woche. Bis auf zahlreiche Bibliotheken in kirchlicher Trägerschaft und viele Universitätsbibliotheken sind kommunale Öffentliche Bibliotheken an Sonntagen grundsätzlich geschlossen.

Nach Erhebungen der DBS waren 2015 insgesamt 51.567 Personen in den kommunal und kirchlich getragenen Bibliotheken ehren- und nebenamtlich tätig, während 13.063 hauptamtliche Personalstellen (in Vollzeitäquivalenten) nachgewiesen sind. Von den rund 119 Mio. Medieneinheiten Gesamtbestand sind ca. 78% (= 93 Mio.) in hauptamtlichen Bibliotheken verfügbar, auf die bundesweit mit ca. 329 Mio. rund 91% der gut 363 Mio. Entleihungen im Jahr entfallen. Im Jahr 2015 wurden insgesamt rund 105,5 Mio. Euro für Buch- und Medienerwerb ausgegeben. Insgesamt wandten 2015 alle Träger Öffentlicher Bibliotheken rund 972,3 Mio. Euro an Sach- und Personalausgaben auf, davon ca. 590 Mio. Euro für Personalkosten.

(Zahlen-Quellen: DBS 2015, Variable Auswertung)

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Quellenangabe

Autor der Bearbeitung: Jürgen Seefeldt (Stand: Mai 2017)
Die statistischen Zahlen zu Bibliotheken in Deutschland werden jährlich von der Redaktion mit den Zahlen der Deutschen Bibliotheksstatistik abgeglichen.

Ausführliche Quellenangabe