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Öffentliche Bibliotheken

Öffentliche Bibliotheken

Die Öffentliche Bibliothek (ÖB) ist der am häufigsten vertretene Bibliothekstyp in Deutschland.

Den rund 3.050 in der Adressdatenbank des HBZ registrierten Wissenschaftlichen Bibliotheken stehen rund 10.021 registrierte öffentliche Bibliotheksstandorte (inkl. Zweigstellen) aller Träger gegenüber. Die Städte, Gemeinden und Landkreise unterhalten rund 5.400 kommunale Bibliotheksstandorte (inkl. Zweigstellen) und sind außerdem als Träger für weitere ca. 2.600 Schulbibliotheken/Mediotheken verantwortlich. In einigen Bundesländern haben die Landkreise Kreisbibliotheken bzw. Kreis- und Stadtbibliotheken eingerichtet (circa 40).

Auf der Ebene der Pfarreien und Kirchengemeinden unterhalten die Katholische und die Evangelische Kirche Öffentliche Büchereien, zusammen 4.532.

Addiert man alle in der Adressendatei des HBZ erfassten Bibliothekseinrichtungen in öffentlicher bzw. kirchlicher und privater Hand zusammen – einschließlich der Fahr-, Musik-, Krankenhaus-, Blinden-, Werk- und Gefängnisbibliotheken sowie Artotheken inkl. Zweigstellen, so ergibt sich in Deutschland eine Gesamtzahl von rund 12.500 Bibliothekseinrichtungen mit haupt- und ehrenamtlicher Leitung, die zur Sparte der Öffentlichen Bibliothek zu zählen sind.

Zusammen verfügen die 10.021 Öffentlichen Bibliotheken über einen Bestand von mehr als 123,5 Mio. Medieneinheiten, mit denen im Jahr 2009 rund 370 Mio. Entleihungen erzielt wurden.

Kommunale Öffentliche Bibliotheken

Die Öffentlichen Bibliotheken – in jedweder Trägerschaft – leisten für alle Schichten der Bevölkerung einen wichtigen Beitrag zur Einlösung des allen Bürgern verfassungsrechtlich verbrieften Grundrechts, "sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten" (Grundgesetz Artikel 5, Absatz 1).

Sie öffnen damit dem Bürger einen Weg zur Teilnahme am kulturellen und sozialen Leben. Sie versteht sich als "Gebrauchsbibliothek" für alle Benutzerschichten. Mit ihren Dienstleistungen und Medienangeboten erfüllt sie einen zentralen Auftrag im Kultur- und Bildungswesen unserer Zeit.

Zugleich trägt die Öffentliche Bibliothek zur Verwirklichung der Chancengleichheit und zum lebenslangen Lernen jedes Einzelnen bei.

Neben der Information und Allgemeinbildung dienen die Öffentlichen Bibliotheken der beruflichen Aus-, Fort- und Weiterbildung sowie der sinnvollen Gestaltung der Freizeit sowie im besonderen Maße der Leseförderung und wichtigen Vermittlung von Medien- und Informationskompetenz. Seit langem ist die Öffentliche Bibliothek auch ein Ort der Kommunikation, der sich zunehmend zu einem multimedialen und multikulturellen Treffpunkt mit Veranstaltungen aller Art entwickelt hat.

Wenn von den 11.337 Gemeinden der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 2010 rund 4.030 Gemeinden über eine Öffentliche Bibliothek verfügten – das sind rund 35 % aller Gemeinden – dann lässt sich das kommunal getragene Bibliotheksnetz nicht unbedingt als engmaschig bezeichnen.

In städtischen Ballungsgebieten ist die Struktur deutlich besser, in ländlichen Regionen eher schlechter entwickelt. Hinzu kommen noch rund 4.500 kirchliche getragene, meist ehrenamtlich geführte Öffentliche Büchereien, die besonders in den ländlichen Gebieten die grobmaschige Netzstruktur verbessern helfen.

Diese rund 3.180 hauptamtlich geleiteten und ca. 2.150 ehren- und nebenamtlich geleiteten  Bibliotheksstandorte (einschließlich Zweigstellen) in kommunaler Trägerschaft übernehmen die Grundversorgung aller Schichten der Bevölkerung mit Literatur und anderen Medien. Sie nennen sich an vielen Orten "Stadtbücherei" oder "Gemeindebücherei", in den letzten Jahren zumeist "Stadtbibliothek".

Da die Unterhaltung einer öffentlichen Bibliothek nach wie vor von den Kommunen als "freiwillige Aufgabe" gesehen wird, wird verständlich, dass weniger als die Hälfte der Gemeinden eine kommunal getragene Bibliothek besitzt. Staatliche Zuschüsse zur Einrichtung und Unterhaltung einer Stadt- oder Gemeindebibliothek oder zum Ausbau ihres Buch- und Medienbestandes vergeben nur einige wenige Bundesländer, in den meisten Ländern ist die Finanzierung ausschließlich Sache der Kommune.

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Die Buch- und Medienbestände kommunaler Öffentlicher Bibliotheken

In ihrem Bestand führen die Öffentlichen Bibliotheken Sachbücher, zum Teil auch wissenschaftliche Werke aus allen Bereichen des Wissens, Fachbücher für die berufliche Bildung, Nachschlagewerke aller Art, Zeitschriften und Zeitungen, belletristische und der Unterhaltung dienende Literatur, Kinder- und Jugendbücher sowie auf besondere Benutzergruppen zielende Bestände, wie etwa fremdsprachige Bücher.

Das Medienangebot ist laufend erweitert worden, zunächst um audiovisuelle Medien (Videos, Sprach- und Musikkassetten) und Spiele, später um elektronische und digitale Medien (Compact Discs, CD-ROMs, DVDs, Blu-rays), seit zehn Jahren um PCs mit öffentlichen Internetzugängen.

In nicht wenigen Fällen halten Groß- und Mittelstadtbibliotheken auch Werke der Bildenden Kunst (Artothek, Grafothek) sowie Noten und andere Musikalien (Musikbibliothek) vor.

Die typische hauptamtlich-fachlich geleitete Öffentliche Bibliothek in Deutschland weist laut DBS für 2010 im Durchschnitt folgende Kennzeichen auf: 

  • 400 qm Fläche
  • 28.000 ME
  • rund 3,3 Personalstellen
  • einen Einzugsbereich von rund 20.000 Einwohnern
  • 18 Stunden Öffnungszeit pro Woche
  • ein Angebot von 1,4 ME pro Einwohner, 32 Zeitschriftenabonnements, 1 PC mit Internetanschluss
  • fast jede Woche eine Veranstaltung, vor allem für Kinder und Schulklassen
  • 15% der Einwohner als aktive Nutzer (überwiegend unter 18 Jahren)
  • knapp zwei Drittel der Einwohner, welche die Bibliothek schon einmal besucht haben
  • 32.000 Besucher pro Jahr
  • Entleihung von 4,5 ME je Einwohner pro Jahr
  • etwa 3,0-facher Umsatz des Bestandes (Ausleihe/Bestand)
  • zu rund 95% öffentlich finanziert
  • die am stärksten frequentierte Kultureinrichtung in der Kommune

Die in den Bibliotheksplänen empfohlene Richtgröße von zwei Medieneinheiten je Einwohner wird nur von einem geringen Teil der Bibliotheken erreicht. Pro Kopf der Bevölkerung gaben die Träger Öffentlicher Bibliotheken im Jahr 2010 durchschnittlich 1,18 Euro (2001: 1,20 Euro, 2006: 1,08 Euro) für die Anschaffung neuer Bücher und Medien aus.

Die Darbietung der Buch- und Medienbestände geschieht in Öffentlichen Bibliotheken in einer Mischung aus zielgruppenorientierter und systematischer Freihandaufstellung.

Der konsequente Ausbau zielgruppenspezifischer Angebote, insbesondere zu Informationszwecken, hat an Bedeutung gewonnen. Die meisten Bibliotheken orientieren sich bei der Erwerbungsauswahl an der aktuellen Nachfrage und sondern nicht mehr benutzte Titel, insbesondere Mehrfachexemplare, wieder aus. Nur einige Großstadtbibliotheken sowie Wissenschaftliche Stadtbibliotheken besitzen für Alt- und Sonderbestände eine Archivfunktion und verfügen über größere Magazine.

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Bibliothekssysteme mit Zentralbibliothek, Zweigstellen und Bücherbussen

Modell eines großstädtischen Bibliothekssystems (aus: Seefeldt/Syré: Portale zu Vergangenheit und Zukunft – Bibliotheken in Deutschland)

Die Öffentlichen Bibliotheken großer Städte bilden heute meist ein Bibliothekssystem mit einer Zentralbibliothek und mehreren Zweigstellen in den Stadtteilen.

Dazu können spezielle räumlich eigenständige oder integrierte Einrichtungen kommen, wie z.B. eine Kinder- und/oder Jugendbibliothek, kombinierte Schulbibliotheken als Zweigstellen, eine Musikbibliothek, eine Artothek und ggf. eine Fahrbibliothek. In einigen wenigen Orten kann auch eine Patientenbibliothek in einem Krankenhaus oder eine Gefängnisbibliothek in einer Justizvollzugsanstalt zum System gehören.

Fahrbibliotheken, d.h. Bücherbusse, die auf regelmäßigen Touren zwischen 3.000 und 6.000 Medien mitführen, werden nicht nur in den Randbezirken der Großstädte, sondern auch in den dünn besiedelten ländlichen Regionen eingesetzt.

In Deutschland sind 2010 insgesamt noch 90 mobile Bibliotheken mit rund 110 Fahrzeugen im Einsatz. Sie dienen meist als Ersatz oder zur Ergänzung ortsfester Bibliotheken. Ihre Benutzungszahlen sind seit Jahren auf hohem Niveau konstant geblieben, während die Anzahl an Fahrzeugen kontinuierlich gesunken ist (1995: 150 Busse).

Ebenso wie in den standortfesten Bibliotheken werden auch Fahrbibliotheken zur Leseförderung aktiv genutzt, indem in ihnen Bibliothekseinführungen, unterrichtsbegleitende Lesestunden und themenbezogene Projekte für Kindergartengruppen und Schulklassen angeboten werden. Im Bus, der zum vereinbarten Termin vor der Schule oder dem Kindergarten hält, wird gelernt, vor allem aber vorgelesen und gespielt, erzählt und gemalt, um die Kinder und Jugendlichen für Literatur und Lesen, für Beschaffung von Information und die Nutzung von Bibliotheken zu begeistern.

Weitere Informationen Fahrbibliotheken

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Öffnungszeiten, Personal und Mittelaufwendungen kommunaler Öffentlicher Bibliotheken

Die wöchentlichen Öffnungszeiten sind, je nach Größe und Leistungsfähigkeit der Gemeinde, von Bibliothek zu Bibliothek sehr unterschiedlich: Während die meisten ehren- und nebenamtlich geleitete Büchereien in Gemeinden (häufig anzutreffen in Orten zwischen 1.000 und 3.000 Einwohnern) oft nur vier bis sechs Stunden, verteilt auf zwei Tage, geöffnet haben, bieten hauptamtlich geleitete Klein- und Mittelstadtbibliotheken zwischen 10.000 und 50.000 Einwohnern bereits Öffnungszeiten zwischen 10 und 25 Stunden an, in der Regel verteilt auf drei bis vier Tage.

Die meisten Großstadtbibliotheken haben täglich von Montag bis Samstag geöffnet und erreichen im Durchschnitt mehr als 40 Öffnungsstunden pro Woche. Bis auf zahlreiche Bibliotheken in kirchlicher Trägerschaft sind kommunale Öffentliche Bibliotheken an Sonntagen geschlossen.

Den (gemeldeten) 3.180 hauptamtlich geleiteten kommunalen Stadt- und Gemeindebibliotheken (einschließlich Zweigstellen) stehen 6.594 ehren- oder nebenamtlich geleitete Öffentliche Büchereien gegenüber, von denen 2.155 in kommunaler und 4.406 Büchereien in kirchlicher Trägerschaft sind.

Nach Angaben der DBS waren 2009 insgesamt 49.772 Personen in den kommunal und kirchlich getragenen Büchereien ehrenamtlich tätig, während 11.385 hauptamtliche Personalstellen (in Vollzeitäquivalenten) nachgewiesen sind. Von den rund 123,4 Mio. Medieneinheiten Gesamtbestand sind ca. 78% (= 96,1 Mio.) in hauptamtlichen Bibliotheken verfügbar, auf die bundesweit rund 90% der rund 369,7 Mio. Entleihungen im Jahr entfallen.

Im Jahr 2009 wurden laut DBS rund 97,4 Mio. Euro (2001: 92 Mio. Euro, 2005: 89 Mio. Euro) für Buch- und Medienerwerb ausgegeben. Insgesamt wandten 2009 alle Träger Öffentlicher Bibliotheken rund 878,1 Mio. Euro an Sach- und Personalausgaben auf, davon 516,4 Mio. Euro für Personalkosten.

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Quellenangabe

Der überarbeiteten Darstellung liegt folgende Publikation als Basis zugrunde:

"Jürgen Seefeldt/Ludger Syré: Portale zu Vergangenheit und Zukunft – Bibliotheken in Deutschland. Hrsg.: BID. - 4. aktualisierte u. überarb. Auflage. - Georg Olms-Verlag 2011."

Autor der Bearbeitung: Jürgen Seefeldt (Stand: Juni 2011)

Jürgen Seefeldt ist Dipl.-Bibliothekar, Standortleiter der Büchereistelle Koblenz im 2004 neu gegründeten Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz, Mitglied des "Berufsverbandes Information Bibliothek e.V." (BIB), geschäftsführendes Vorstandsmitglied im Landesverband Rheinland-Pfalz des Deutschen Bibliotheksverbandes e.V. (DBV), Autor verschiedener Fachliteratur zum Bibliothekswesen, nebenamtlicher Dozent mit bibliotheksbezogenen Lehraufträgen an der Fachhochschule in Köln.

Quellenangabe

Autor der Bearbeitung: Jürgen Seefeldt (Stand: Juni 2011)

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