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Öffentliche Bibliotheken

Öffentliche Bibliotheken

Die Öffentliche Bibliothek (ÖB) ist der am häufigsten vertretene Bibliothekstyp in Deutschland.

In der Adressdatenbank des HBZ sind rund 9.100 öffentliche Bibliotheksstandorte (inkl. Zweigstellen) aller Träger registriert. Die Städte, Gemeinden und Landkreise unterhalten rund 4.400 kommunale Bibliotheksstandorte (inkl. Zweigstellen) und sind außerdem als Träger für Schulbibliotheken/Mediotheken verantwortlich bzw. bieten schulbibliothekarische Dienstleistung an. In einigen Bundesländern haben die Landkreise Kreisbibliotheken bzw. Kreis- und Stadtbibliotheken eingerichtet.

Auf der Ebene der Pfarreien und Kirchengemeinden unterhalten die Katholische und die Evangelische Kirche Öffentliche Büchereien, zusammen ca. 5.500.

Zusammen verfügen die Öffentlichen Bibliotheken über einen Bestand von mehr als 121 Mio. Medieneinheiten, mit denen im Jahr 2015 rund 363 Mio. Entleihungen erzielt wurden.

(Zahlen-Quellen: DBS 2015, BibS-Suchmaschine)

Kommunale Öffentliche Bibliotheken

Die Öffentlichen Bibliotheken – in jedweder Trägerschaft – leisten für alle Schichten der Bevölkerung einen wichtigen Beitrag zur Einlösung des allen Bürgern verfassungsrechtlich verbrieften Grundrechts, "sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten" (Grundgesetz Artikel 5, Absatz 1).

Sie öffnen damit dem Bürger einen Weg zur Teilnahme am kulturellen und sozialen Leben. Sie versteht sich als "Gebrauchsbibliothek" für alle Benutzerschichten. Mit ihren Dienstleistungen und Medienangeboten erfüllt sie einen zentralen Auftrag im Kultur- und Bildungswesen unserer Zeit.

Zugleich trägt die Öffentliche Bibliothek zur Verwirklichung der Chancengleichheit und zum lebenslangen Lernen jedes Einzelnen bei.

Neben der Information und Allgemeinbildung dienen die Öffentlichen Bibliotheken der beruflichen Aus-, Fort- und Weiterbildung sowie der sinnvollen Gestaltung der Freizeit sowie im besonderen Maße der Leseförderung und wichtigen Vermittlung von Medien- und Informationskompetenz. Seit langem ist die Öffentliche Bibliothek auch ein Ort der Kommunikation, der sich zunehmend zu einem multimedialen und multikulturellen Treffpunkt mit Veranstaltungen aller Art entwickelt hat.

Wenn von den 11.084 Gemeinden der Bundesrepublik Deutschland (Quelle; Stand Januar 2016) 4.984 Gemeinden über eine Öffentliche Bibliothek verfügen – das sind rund 45 % aller Gemeinden – dann lässt sich das kommunal getragene Bibliotheksnetz nicht unbedingt als engmaschig bezeichnen.

In städtischen Ballungsgebieten ist die Struktur deutlich besser, in ländlichen Regionen eher schlechter entwickelt. Hinzu kommen noch rund 5.500 kirchliche getragene, meist ehrenamtlich geführte Öffentliche Büchereien, die besonders in den ländlichen Gebieten die grobmaschige Netzstruktur verbessern helfen.

Die rund 3.200 hauptamtlich geleiteten und ca. 5.900 ehren- und nebenamtlich geleiteten  Bibliotheksstandorte (einschließlich Zweigstellen) in kommunaler Trägerschaft übernehmen die Grundversorgung aller Schichten der Bevölkerung mit Literatur und anderen Medien. Sie nennen sich an vielen Orten "Stadtbücherei" oder "Gemeindebücherei", in den letzten Jahren zumeist "Stadtbibliothek".

Da die Unterhaltung einer öffentlichen Bibliothek nach wie vor von den Kommunen als "freiwillige Aufgabe" gesehen wird, wird verständlich, dass weniger als die Hälfte der Gemeinden eine kommunal getragene Bibliothek besitzt. Staatliche Zuschüsse zur Einrichtung und Unterhaltung einer Stadt- oder Gemeindebibliothek oder zum Ausbau ihres Buch- und Medienbestandes vergeben nur einige wenige Bundesländer, in den meisten Ländern ist die Finanzierung ausschließlich Sache der Kommune.

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Die Buch- und Medienbestände kommunaler Öffentlicher Bibliotheken

In ihrem Bestand führen die Öffentlichen Bibliotheken Sachbücher, zum Teil auch wissenschaftliche Werke aus allen Bereichen des Wissens, Fachbücher für die berufliche Bildung, Nachschlagewerke aller Art, Zeitschriften und Zeitungen, belletristische und der Unterhaltung dienende Literatur, Kinder- und Jugendbücher sowie auf besondere Benutzergruppen zielende Bestände, wie etwa fremdsprachige Bücher.

Das Medienangebot ist laufend erweitert worden, zunächst um audiovisuelle Medien (Videos, Sprach- und Musikkassetten) und Spiele, später um elektronische und digitale Medien (Compact Discs, CD-ROMs, DVDs, Blu-rays), seit zehn Jahren um PCs mit öffentlichen Internetzugängen.

In nicht wenigen Fällen halten Groß- und Mittelstadtbibliotheken auch Werke der Bildenden Kunst (Artothek, Grafothek) sowie Noten und andere Musikalien (Musikbibliothek) vor.

Eine typische hauptamtlich-fachlich geleitete Öffentliche Bibliothek in Deutschland weist laut DBS für 2014 im Durchschnitt folgende Kennzeichen auf: 

  • 734 qm Fläche
  • 46.100 Medieneinheiten (ME)
  • rund 5,8 Personalstellen
  • einen Einzugsbereich von rund 37.000 Einwohnern
  • 24 Stunden Öffnungszeit pro Woche
  • ein Angebot von 2,0 ME pro Einwohner, 56 bzw. 37 Zeitschriftenabonnements (Print bzw. elektronisch), 42 Benutzerarbeitsplätze
  • 6,6 Veranstaltungen pro tausend Einwohner
  • 69.000 Besucher pro Jahr
  • Entleihung von 5,5 ME je Einwohner pro Jahr
  • die am stärksten frequentierte Kultureinrichtung in der Kommune

Die in den Bibliotheksplänen empfohlene Richtgröße von zwei Medieneinheiten je Einwohner wird nur von einem geringen Teil der Bibliotheken erreicht. Pro Kopf der Bevölkerung gaben die Träger Öffentlicher Bibliotheken im Jahr 2015 durchschnittlich 1,55 Euro (2006: 1,08 Euro; 2012: 1,18 Euro) für die Anschaffung neuer Bücher und Medien aus.

Die Darbietung der Buch- und Medienbestände geschieht in Öffentlichen Bibliotheken in einer Mischung aus zielgruppenorientierter und systematischer Freihandaufstellung.

Der konsequente Ausbau zielgruppenspezifischer Angebote, insbesondere zu Informationszwecken, hat an Bedeutung gewonnen. Die meisten Bibliotheken orientieren sich bei der Erwerbungsauswahl an der aktuellen Nachfrage und sondern nicht mehr benutzte Titel, insbesondere Mehrfachexemplare, wieder aus. Nur einige Großstadtbibliotheken sowie Wissenschaftliche Stadtbibliotheken besitzen für Alt- und Sonderbestände eine Archivfunktion und verfügen über größere Magazine.

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Bibliothekssysteme mit Zentralbibliothek, Zweigstellen und Bücherbussen

Bibliothekssysteme mit Zentralbibliothek, Zweigstellen und Bücherbussen

Modell eines großstädtischen Bibliothekssystems (aus: Seefeldt/Syré: Portale zu Vergangenheit und Zukunft – Bibliotheken in Deutschland)

Die Öffentlichen Bibliotheken großer Städte bilden heute meist ein Bibliothekssystem mit einer Zentralbibliothek und mehreren Zweigstellen in den Stadtteilen.

Dazu können spezielle räumlich eigenständige oder integrierte Einrichtungen kommen, wie z.B. eine Kinder- und/oder Jugendbibliothek, kombinierte Schulbibliotheken als Zweigstellen, eine Musikbibliothek, eine Artothek und ggf. eine Fahrbibliothek. In einigen wenigen Orten kann auch eine Patientenbibliothek in einem Krankenhaus oder eine Gefängnisbibliothek in einer Justizvollzugsanstalt zum System gehören.

Fahrbibliotheken, d.h. Bücherbusse, die auf regelmäßigen Touren zwischen 3.000 und 6.000 Medien mitführen, werden nicht nur in den Randbezirken der Großstädte, sondern auch in den dünn besiedelten ländlichen Regionen eingesetzt.

In Deutschland sind 2015 insgesamt noch 108 Fahrzeuge im Einsatz. Sie dienen meist als Ersatz oder zur Ergänzung ortsfester Bibliotheken. Ihre Benutzungszahlen sind seit Jahren auf hohem Niveau konstant geblieben, während die Anzahl an Fahrzeugen kontinuierlich gesunken ist (1995: 150 Busse).

Ebenso wie in den standortfesten Bibliotheken werden auch Fahrbibliotheken zur Leseförderung aktiv genutzt, indem in ihnen Bibliothekseinführungen, unterrichtsbegleitende Lesestunden und themenbezogene Projekte für Kindergartengruppen und Schulklassen angeboten werden. Im Bus, der zum vereinbarten Termin vor der Schule oder dem Kindergarten hält, wird gelernt, vor allem aber vorgelesen und gespielt, erzählt und gemalt, um die Kinder und Jugendlichen für Literatur und Lesen, für Beschaffung von Information und die Nutzung von Bibliotheken zu begeistern.

Weitere Informationen zu Fahrbibliotheken

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Öffnungszeiten, Personal und Mittelaufwendungen kommunaler Öffentlicher Bibliotheken

Die wöchentlichen Öffnungszeiten sind, je nach Größe und Leistungsfähigkeit der Gemeinde, von Bibliothek zu Bibliothek sehr unterschiedlich: Während die meisten ehren- und nebenamtlich geleitete Büchereien in Gemeinden (häufig anzutreffen in Orten zwischen 1.000 und 3.000 Einwohnern) oft nur vier bis sechs Stunden, verteilt auf zwei Tage, geöffnet haben, bieten hauptamtlich geleitete Klein- und Mittelstadtbibliotheken zwischen 10.000 und 50.000 Einwohnern bereits Öffnungszeiten zwischen 10 und 25 Stunden an, in der Regel verteilt auf drei bis vier Tage.

Die meisten Großstadtbibliotheken haben täglich von Montag bis Samstag geöffnet und erreichen im Durchschnitt mehr als 40 Öffnungsstunden pro Woche. Bis auf zahlreiche Bibliotheken in kirchlicher Trägerschaft sind kommunale Öffentliche Bibliotheken an Sonntagen geschlossen.

Den (gemeldeten) 3.200 hauptamtlich geleiteten kommunalen Stadt- und Gemeindebibliotheken (einschließlich Zweigstellen) stehen 5.900 ehren- oder nebenamtlich geleitete Öffentliche Büchereien gegenüber, von denen ca. 1.900 in kommunaler und ca. 4.000 Büchereien in kirchlicher Trägerschaft sind.

Nach Angaben der DBS waren 2015 insgesamt 49.255 Personen in den kommunal und kirchlich getragenen Bibliotheken ehrenamtlich tätig, während 11.358 hauptamtliche Personalstellen (in Vollzeitäquivalenten) nachgewiesen sind. Von den rund 119 Mio. Medieneinheiten Gesamtbestand sind etwas mehr als 80% (= 98 Mio.) in hauptamtlichen Bibliotheken verfügbar.

Insgesamt wandten 2015 alle Träger Öffentlicher Bibliotheken rund 921 Mio. Euro an Sach- und Personalausgaben auf, davon 588 Mio. Euro für Personalkosten.

(Quelle: DBS 2015, Variable Auswertung)

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Quellenangabe

Autor der Bearbeitung: Jürgen Seefeldt (Stand: Juni 2011)
Die statistischen Zahlen zu Bibliotheken in Deutschland werden jährlich von der Redaktion mit den Zahlen der Deutschen Bibliotheksstatisktik abgeglichen.

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