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Im Kreis der wissenschaftlichen Bibliotheken bilden in Deutschland die Spezialbibliotheken die größte, aber auch die heterogenste Gruppe.

Ihre Träger können öffentliche Körperschaften sowie kirchliche und private Einrichtungen sein. Allen gemeinsam ist die Beschränkung auf ein bestimmtes Fachgebiet und die Bindung an eine Institution, für deren Informations- und Literaturversorgung sie zuständig sind.

Die Erwerbung neuer Medien ist auf den aktuellen und praktischen Bedarf der Mitarbeiter der betreffenden Institution ausgerichtet und berücksichtigt im hohen Maße die außerhalb des Buchhandels erscheinenden Schriften.

Weitaus wichtiger aber als Monografien sind in den Spezial- und Fachbibliotheken gedruckte wie auch elektronische Zeitschriften. Besonders in den naturwissenschaftlich-technisch ausgerichteten Spezialbibliotheken verdrängt die Vermittlung online verfügbarer Informationen zunehmend die traditionelle Form der Literaturversorgung; manche Firmenbibliotheken greifen schon heute ganz oder überwiegend auf elektronische Informationsressourcen zurück.

Die Erschließung der Bestände geht oft über eine formale und sachliche Katalogisierung hinaus und umfasst eine intensive Dokumentationstätigkeit und das Angebot individueller, auf einzelne Nutzer zugeschnittene Dienste.

Spezialbibliotheken sind im Allgemeinen Präsenzbibliotheken, auch wenn sich viele von ihnen am Deutschen Leihverkehr beteiligen. Da sie in der Regel für eine eng begrenzte Klientel arbeiten, deren Informationsbedürfnisse und Literaturwünsche bekannt sind, ist der Dienstleistungsgedanke in den Spezialbibliotheken besonders ausgeprägt.

Parlaments-, Behörden und Gerichtsbibliotheken

Innerhalb der großen Zahl der Spezialbibliotheken bilden die über 500 Parlaments-, Behörden- und Gerichtsbibliotheken eine recht homogene Gruppierung. Diese meist erst nach 1945 entstandenen Einrichtungen dienen vor der Verwaltung und Rechtsprechung und sind spezialisiert auf den Erwerb juristischer und politischer Literatur, darunter Amtsdruckschriften und ,graues’ Schrifttum.

Sie sind Präsenzbibliotheken und lassen die Öffentlichkeit nur eingeschränkt oder gar nicht zu. Zu nennen sind hier die Bibliothek des Deutschen Bundestages (Berlin), die Bibliotheken der Parlamente und Regierungen der Länder sowie die Bibliotheken der Ministerien und der obersten Bundesbehörden.

Im Einzelfall verfügen sie über größere Medienbestände wie z.B. die Senatsbibliothek in Berlin, die Bibliotheken des Auswärtigen Amtes in Berlin, die Bibliotheken des Deutschen Patentamtes in München und des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden.

Unter den Bibliotheken der Gerichte der Länder und des Bundes ragen diejenigen des Bundesgerichtshofs und des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe heraus. Wie in allen Spezialbibliotheken spielen auch in den Gerichtsbibliotheken neben Büchern und Zeitschriften, Mikroformen und elektronischen Medien, andere Literatur- und Mediengattungen eine wichtige Rolle, z.B. dokumentierte Presseausschnitte.

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Spezialbibliotheken im engeren Sinne für Forschungszwecke

Zu den Spezialbibliotheken im engeren Sinn gehören sowohl die Bibliotheken der Forschungsinstitute des Bundes und der Länder, der wissenschaftlichen Gesellschaften, der Archive, Museen und Kliniken als auch der kirchlichen Körperschaften und Einrichtungen einschließlich der Klöster sowie der Firmen, Verbände, Vereine und Gesellschaften.

Der Umfang der Sammlungen differiert sehr stark und reicht von weit über einer Mio. Bände bis zu wenigen Tausend Titeln. Ebenso stark variiert die Zahl der Mitarbeiter; nicht wenige Spezialbibliotheken lassen sich als One Person Libraries (OPL) bezeichnen.

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Spezialbibliotheken mit naturwissenschaftlich-technischem Schwerpunkt

 

Aus dem breiten, alle Disziplinen umfassenden Spektrum der Spezialbibliotheken können nur wenige Beispiele angeführt werden.

Zahlreich vertreten sind die Spezialbibliotheken auf dem Gebiet der reinen und angewandten Naturwissenschaften und der Technik, so etwa die Bibliothek des Deutschen Museums in München, Spezialbibliothek für Naturwissenschaften und Technik und deren Geschichte (1 Mio. Medieneinheiten), die Kekulè-Bibliothek der Bayer AG in Leverkusen (680.000 Bände), die  Zentralbibliothek des Forschungszentrums Jülich GmbH  (675.000 Medieneinheiten, 500.000 Reports) und die Bibliothek der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina in Halle (273.000 Medieneinheiten).

Für das Gebiet der Medizin sind die Zentralbibliothek des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg (97.000 Medieneinheiten) und die Ärztliche Zentralbibliothek des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (326.000 Medieneinheiten) von Bedeutung.

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Spezialbibliotheken mit geisteswissenschaftlichem Schwerpunkt

In den besonders auf Literatur angewiesenen Geisteswissenschaften spielen die Spezialbibliotheken eine wichtige forschungsunterstützende Rolle.

Hier sind zu nennen: die Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn, als parteinahe Einrichtung spezialisiert auf die Geschichte der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands und der Arbeiterbewegung (901.000 Medieneinheiten), die Bibliothek des Ibero-Amerikanischen Instituts in Berlin (1,2 Mio. Bände), die Bibliothek des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg, deren Sammelgebiet die Kunst- und Kulturgeschichte abdeckt (650.000 Bände), die Bibliothek des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes in Potsdam (250.000 Bände). Erwähnenswert ist das Deutsche Literaturarchiv in Marbach am Neckar, das als Sammelstelle für die Überlieferung der deutschsprachigen Literatur von der Aufklärung bis zur Gegenwart gleichermaßen Archiv und Bibliothek ist (1,4 Mio. Medieneinheiten).

Auf dem Gebiet der Religion und Theologie dominieren die Spezialbibliotheken in kirchlicher Trägerschaft. Sie dienen der wissenschaftlichen Forschung, der kirchlichen Verwaltung und der Theologenausbildung. Dazu zählen auf katholischer Seite etwa Klosterbibliotheken (Benediktinerabtei Beuron, 405.000 Bände) und Diözesanbibliotheken (Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek in Köln, 695.000 Bände), auf evangelischer Seite die Bibliotheken der Landeskirchen (Nordelbische Kirchenbibliothek in Hamburg, 155.000 Bände). Von einer kirchlichen Stiftung bürgerlichen Rechts wird die Johannes a Lasco Bibliothek in Emden (98.000 Bände) getragen, eine Spezialbibliothek für den reformierten Protestantismus und die Konfessionsgeschichte der Frühen Neuzeit.

In den Staats-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften haben die Parlaments-, Behörden- und Gerichtsbibliotheken eine große Bedeutung. Daneben spielen die verschiedenen Max-Planck-Institute, die auf einzelne Zweige des Rechts spezialisiert sind und entsprechende Fachbibliotheken unterhalten, eine Rolle; sie sitzen in Freiburg (450.000 Bände), Frankfurt am Main (450.000 Medieneinheiten), Hamburg (530.000 Bände), Heidelberg (670.000 Medieneinheiten) und mit zwei Institutionen in München (284.000 und 110.000 Bände).

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Deutsche Spezialbibliotheken im Ausland

Einige Spezialbibliotheken haben ihren Sitz im Ausland.

Zu ihnen zählen die Bibliotheken des Deutschen Archäologischen Instituts in Athen, Bagdad, Istanbul, Kairo, Lissabon, Madrid, Rom und Teheran, außerdem die Bibliothek des Kunsthistorischen Instituts in Florenz (264.000 Bände, 580.000 Fotos) und die Bibliotheca Hertziana in Rom (800.000 Bände) sowie die Bibliotheken des Deutschen Historischen Instituts in London, Paris, Rom, Warschau und Washington. Sie pflegen vor allem die Gebiete Archäologie, Geschichte, Kunstgeschichte und Orientalistik und leisten über ihren Sammelauftrag hinaus einen Beitrag zum geistigen Austausch mit dem Gastland.

Die Goethe-Institute unterhalten Spezialbibliotheken und Lesesäle mit Literatur und Medien über Deutschland und wenden sich an die breite Öffentlichkeit ihres Gastlandes. Sie wirken eng mit der Sprach- und Programmarbeit der Institute zusammen. Da sie aktuelle Informationen bieten sollen, findet ein kontinuierlicher Bestandsaustausch statt; eine Archivfunktion besteht nicht. Alle Goethe-Bibliotheken zusammen verfügen über einen Gesamtbestand von rund zwei Mio. Büchern und anderen Medien.

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Quellenangabe

Autor der Bearbeitung: Jürgen Seefeldt (Stand: Juni 2011)
Die statistischen Zahlen zu Bibliotheken in Deutschland werden jährlich von der Redaktion mit den Zahlen der Deutschen Bibliotheksstatisktik abgeglichen.

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