Wissenschaftliche Bibliotheken (WB)
In Deutschland unterscheiden sich die einzelnen Bibliothekstypen nicht nur nach ihren Trägern, d.h. nach den öffentlichen oder privaten Geldgebern, sondern auch nach ihrer historischen Entwicklung, nach dem Umfang und der Zusammensetzung ihrer Bestände und dem Kreis ihrer Benutzer.
Ein deutliches Unterscheidungskriterium sind außerdem die jeweiligen Aufgaben und Funktionen. In einigen Fällen kommt es zu einer gewünschten Doppelfunktion, wenn zwei oder mehr Träger (z.B. Stadt und Bundesland, Universität und Bundesland) zusammen kooperieren und die Bibliotheken dabei mehrere Zielgruppen und Aufgabengebiete abdecken.
Wegen der im Grundgesetz verbrieften Kulturhoheit sind die Länder die wichtigsten Träger wissenschaftlicher Bibliotheken. In die Zuständigkeit der Bundesländer fallen nahezu alle Hochschulen und entsprechend auch die Hochschulbibliotheken, außerdem die Staats-, Landes- und Regionalbibliotheken sowie die Bibliotheken der Länderparlamente und Ministerien.
Darüber hinaus unterhalten der Bund mit der Deutschen Nationalbibliothek sowie den Bibliotheken der Bundesministerien, des Bundestages und der obersten Gerichte sowie die Kirchen, viele große Unternehmen und zahlreiche Stiftungen wissenschaftliche Bibliotheken für ihre oft speziellen Benutzergruppen.
Zu den rund 100 Hochschulbibliotheken, die Wissenschaft, Forschung und Lehre unterstützen, zählen in erster Linie die Universitätsbibliotheken.
An vielen Orten bestehen neben der zentralen Universitätsbibliothek viele weitere Fakultäts- und Institutsbibliotheken. Sie bieten den ca. 2,1 Millionen deutschen Studenten rund 173 Millionen Bücher sowie mehr als eine Million elektronische und gedruckte Zeitschriften an.
Eine Besonderheit der deutschen Bibliothekslandschaft sind die rund 40, oft aus adeligen Büchersammlungen hervorgegangenen Regionalbibliotheken, die häufig Landesbibliothek oder Staatliche Bibliothek heißen. Gemeinsam ist diesen Bibliotheken die regionale Funktion: Sie sammeln als Pflichtexemplarbibliothek die Literatur aus ihrer und über ihre Region, erstellen die Regionalbibliographie (Datenbank), pflegen das überlieferte kulturelle Erbe der Region und betreiben eine intensive Kultur- und Öffentlichkeitsarbeit.
Von zahlreichen wissenschaftlichen Bibliotheken wird ein System der überregionalen Literaturversorgung (Sondersammelgebiets-Plan) kooperativ getragen, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) dauerhaft gefördert wird.
Quellenangabe
Der überarbeiteten Darstellung liegt folgende Publikation als Basis zugrunde:
"Jürgen Seefeldt/Ludger Syré: Portale zu Vergangenheit und Zukunft – Bibliotheken in Deutschland. Hrsg.: BID. - 4. aktualisierte u. überarb. Auflage. - Georg Olms-Verlag 2011."
Autor der Bearbeitung: Jürgen Seefeldt (Stand: Juni 2011)
Jürgen Seefeldt ist Dipl.-Bibliothekar, Standortleiter der Büchereistelle Koblenz im 2004 neu gegründeten Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz, Mitglied des "Berufsverbandes Information Bibliothek e.V." (BIB), geschäftsführendes Vorstandsmitglied im Landesverband Rheinland-Pfalz des Deutschen Bibliotheksverbandes e.V. (DBV), Autor verschiedener Fachliteratur zum Bibliothekswesen, nebenamtlicher Dozent mit bibliotheksbezogenen Lehraufträgen an der Fachhochschule in Köln.
