KNB- Kompetenznetzwerk für Bibliotheken

Innen- und Außenansichten von Bibliotheken

Öffentliche Bibliotheken

Die Öffentliche Bibliothek (ÖB) ist der am häufigsten vertretene Bibliothekstyp in Deutschland: In der Deutschen Bibliotheksstatistik (DBS) des HBZ sind für das Berichtsjahr 2008 rund 8.500 Öffentliche Bibliotheken aller Träger registriert, die insgesamt über 10.200 Bibliotheksstandorte (inkl. Zweigstellen) verfügen.

Die Zahl der tatsächlich vorhandenen Öffentlichen Bibliotheken dürfte noch um 6-8% höher liegen.

Von den 8.500 Öffentlichen Bibliotheken unterhalten die Städte, Gemeinden und Kreise in ca. 4.200 Orten insgesamt rund 5.500 Öffentliche Bibliotheksstandorte (inkl. Zweigstellen) und sind außerdem als Träger für zahlreiche schuleigene Schulbibliotheken/Mediotheken verantwortlich. In einigen Bundesländern haben die Landkreise Kreis- bzw. Kreis- und Stadtbibliotheken eingerichtet (ca. 40 Bibliotheken).

Auf der Ebene der Pfarreien und Kirchengemeinden unterhalten die Katholische und die Evangelische Kirche Öffentliche Büchereien, zusammen ca. 4.400. Addiert man alle in der DBS erfassten Bibliothekseinrichtungen in öffentlicher, kirchlicher und privater Hand zusammen – einschließlich der Fahr-, Musik-, Krankenhaus-, Schul-, Blinden-, Werk- und Gefängnisbibliotheken sowie Artotheken inkl. Zweigstellen – so ergibt sich eine Gesamtzahl von rund 11.000 registrierten Bibliotheksstandorten mit haupt- und ehrenamtlicher Leitung, die in Deutschland zur Sparte der Öffentlichen Bibliothek zu zählen sind. Zusammen verfügen die Öffentlichen Bibliotheken über einen Bestand von mehr als 125 Mio. Medieneinheiten, mit denen im Jahr 2008 rund 369 Mio. Entleihungen erzielt wurden.

zum Seitenanfang


Kommunale Öffentliche Bibliotheken

Die Öffentlichen Bibliotheken – in jedweder Trägerschaft – leisten für alle Schichten der Bevölkerung einen wichtigen Beitrag zur Einlösung des allen Bürgern verfassungsrechtlich verbrieften Grundrechts, "sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten" (Grundgesetz Artikel 5, Absatz 1).

Sie öffnen damit dem Bürger innerhalb der modernen Informationsgesellschaft einen Weg zur Teilnahme am kulturellen und sozialen Leben. Sie versteht sich als "Gebrauchsbibliothek" für alle Benutzerschichten. Mit ihren Dienstleistungen und Medienangeboten erfüllt sie einen zentralen Auftrag im Kultur- und Bildungswesen unserer Zeit.

Zugleich trägt die Öffentliche Bibliothek zur Verwirklichung der Chancengleichheit und zum lebenslangen Lernen jedes Einzelnen bei. Neben der Information und Allgemeinbildung dienen die Öffentlichen Bibliotheken der beruflichen Aus-, Fort- und Weiterbildung sowie der sinnvollen Gestaltung der Freizeit sowie im besonderen Maße der Leseförderung und wichtigen Vermittlung von Medien- und Informationskompetenz. Seit langem ist die Öffentliche Bibliothek auch ein Ort der Kommunikation, der sich zunehmend zu einem multimedialen und multikulturellen Treffpunkt mit Veranstaltungen aller Art entwickelt hat.

Wenn von den 12.446 Gemeinden der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 2007 rund 4.200 Gemeinden über eine Öffentliche Bibliothek verfügten – das sind rund 35 % aller Gemeinden – dann lässt sich das kommunal getragene Bibliotheksnetz nicht unbedingt als engmaschig bezeichnen.

In städtischen Ballungsgebieten ist die Struktur deutlich besser, in ländlichen Regionen eher schlechter entwickelt.

Hinzu kommen noch rund 4.450 kirchliche getragene, meist ehrenamtlich geführte Öffentliche Büchereien, die besonders in den ländlichen Gebieten die grobmaschige Netzstruktur verbessern helfen. Diese rund 3.300 hauptamtlich geleiteten und rund 2.300 ehren- und nebenamtlich geleiteten Bibliotheksstandorte (einschließlich Zweigstellen) in kommunaler Trägerschaft übernehmen die Grundversorgung aller Schichten der Bevölkerung mit Literatur und anderen Medien. Sie nennen sich an vielen Orten "Stadtbücherei" oder "Gemeindebücherei", in den letzten Jahren zumeist "Stadtbibliothek".

Da die Unterhaltung einer öffentlichen Bibliothek nach von den Kommunen als "freiwillige Aufgabe" gesehen wird, wird verständlich, dass weniger als die Hälfte der Gemeinden eine kommunal getragene Bibliothek besitzt. Staatliche Zuschüsse zur Einrichtung und Unterhaltung einer Stadt- oder Gemeindebibliothek oder zum Ausbau ihres Buch- und Medienbestandes vergeben nur einige wenige Bundesländer, in den meisten Ländern ist die Finanzierung ausschließlich Sache der Kommune.

 

Nähere Ausführungen zu den Leistungen Kommunaler Öffentlicher Bibliotheken für ihre Gemeinden finden Sie in der Broschüre "An der Zukunft von Stadt und Land bauen. Kommunale Öffentliche Bibliotheken in Baden-Württemberg", herausgegeben im Jahr 2007 vom Landesverband Baden-Württemberg des dbv:
http://www.bibliotheksverband.de...

 

zum Seitenanfang


Die Buch- und Medienbestände kommunaler Öffentlicher Bibliotheken

In ihrem Bestand führen die Öffentlichen Bibliotheken Sachbücher, zum Teil auch wissenschaftliche Werke aus allen Bereichen des Wissens, Fachbücher für die berufliche Bildung, Nachschlagewerke aller Art, Zeitschriften und Zeitungen, belletristische und der Unterhaltung dienende Literatur, Kinder- und Jugendbücher sowie auf besondere Benutzergruppen zielende Bestände, wie etwa fremdsprachige Bücher.

Das Medienangebot ist laufend erweitert worden, zunächst um audiovisuelle Medien (Videos, Sprach- und Musikkassetten) und Spiele, später um elektronische und digitale Medien (Compact Discs, CD-ROMs, DVDs), seit zehn Jahren um PCs mit öffentlichen Internetzugängen. In nicht wenigen Fällen halten Groß- und Mittelstadtbibliotheken auch Werke der Bildenden Kunst (Artothek, Grafothek) sowie Noten und andere Musikalien (Musikbibliothek) vor.

Die Bestandsgröße ist sehr unterschiedlich und reicht von 2.000 Medien in kleinen, meist ehrenamtlich geleiteten Gemeindebüchereien bis zu ein bis drei Mio. Medien in einzelnen großstädtischen Bibliothekssystemen (Berlin, Bremen, Duisburg, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Köln, Lübeck, München u.a.).

Die meisten Bibliotheken in den Großstädten (Orte mit über 100.000 Einwohnern) können ihren Benutzern zwischen 150.000 und einer Mio. Medien anbieten. Die in den Bibliotheksplänen empfohlene Richtgröße von zwei Medieneinheiten je Einwohner wird jedoch nur von einem geringen Teil der Bibliotheken erreicht. Pro Kopf der Bevölkerung gaben die Träger Öffentlicher Bibliotheken im Jahr 2006 durchschnittlich 1,08 Euro (2001 noch durchschnittlich 1,20 Euro) für die Anschaffung neuer Bücher und Medien aus.

Die Darbietung der Buch- und Medienbestände geschieht in Öffentlichen Bibliotheken in einer Mischung aus zielgruppenorientierter und systematischer Freihandaufstellung. Der konsequente Ausbau zielgruppenspezifischer Angebote, insbesondere zu Informationszwecken, hat an Bedeutung gewonnen. Die meisten Bibliotheken orientieren sich bei der Erwerbungsauswahl an der aktuellen Nachfrage und sondern nicht mehr benutzte Titel, insbesondere Mehrfachexemplare, wieder aus. Nur einige Großstadtbibliotheken sowie Wissenschaftliche Stadtbibliotheken besitzen für Alt- und Sonderbestände eine Archivfunktion und verfügen über größere Magazine.

zum Seitenanfang


Bibliothekssysteme mit Zentralbibliothek, Zweigstellen und Bücherbussen

Modell eines großstädtischen Bibliothekssystems

Modell eines großstädtischen Bibliothekssystems (aus: Seefeldt/Syré: Portale zu Vergangenheit und Zukunft – Bibliotheken in Deutschland)

Die Öffentlichen Bibliotheken großer Städte bilden heute meist ein Bibliothekssystem mit einer Zentralbibliothek und mehreren Zweigstellen in den Stadtteilen. Dazu können spezielle räumlich eigenständige oder integrierte Einrichtungen kommen, wie z.B. eine Kinder- und/oder Jugendbibliothek, kombinierte Schulbibliotheken als Zweigstellen, eine Musikbibliothek, eine Artothek und ggf. eine Fahrbibliothek. In einigen wenigen Orten kann auch eine Patientenbibliothek in einem Krankenhaus oder eine Gefängnisbibliothek in einer Justizvollzugsanstalt zum System gehören.

Fahrbibliotheken, d.h. Bücherbusse, die auf regelmäßigen Touren zwischen 3.000 und 6.000 Medien mitführen, werden nicht nur in den Randbezirken der Großstädte, sondern auch in den dünn besiedelten ländlichen Regionen eingesetzt. In Deutschland sind 2007 insgesamt noch 88 mobile Bibliotheken mit rund 100 Fahrzeugen im Einsatz. Sie dienen meist als Ersatz oder zur Ergänzung ortsfester Bibliotheken. Ihre Benutzungszahlen sind seit Jahren auf hohem Niveau konstant geblieben, während die Anzahl an Fahrzeugen kontinuierlich gesunken ist (1995: 150 Busse). Ebenso wie in den standortfesten Bibliotheken werden auch Fahrbibliotheken zur Leseförderung aktiv genutzt, indem in ihnen Bibliothekseinführungen, unterrichtsbegleitende Lesestunden und themenbezogene Projekte für Kindergartengruppen und Schulklassen angeboten werden. Im Bus, der zum vereinbarten Termin vor der Schule oder dem Kindergarten hält, wird gelernt, vor allem aber vorgelesen und gespielt, erzählt und gemalt, um die Kinder und Jugendlichen für Literatur und Lesen, für Beschaffung von Information und die Nutzung von Bibliotheken zu begeistern.

zum Seitenanfang


Öffnungszeiten, Personal und Mittelaufwendungen kommunaler Öffentlicher Bibliotheken

Die wöchentlichen Öffnungszeiten sind, je nach Größe und Leistungsfähigkeit der Gemeinde, von Bibliothek zu Bibliothek sehr unterschiedlich: Während die meisten ehren- und nebenamtlich geleitete Büchereien in Gemeinden (häufig anzutreffen in Orten zwischen 1.000 und 3.000 Einwohnern) oft nur vier bis sechs Stunden, verteilt auf zwei Tage, geöffnet haben, bieten hauptamtlich geleitete Klein- und Mittelstadtbibliotheken zwischen 10.000 und 50.000 Einwohnern bereits Öffnungszeiten zwischen 10 und 25 Stunden an, in der Regel verteilt auf drei bis vier Tage. Die meisten Großstadtbibliotheken haben täglich von Montag bis Samstag geöffnet und erreichen im Durchschnitt mehr als 40 Öffnungsstunden pro Woche. Bis auf zahlreiche Bibliotheken in kirchlicher Trägerschaft sind kommunale Öffentliche Bibliotheken an Sonntagen geschlossen.

Nach Schätzungen der Bibliotheksverbände sind in den 5.600 kommunal getragenen Öffentlichen Bibliotheksstandorten fast 11.000 hauptamtliche Personalstellen nachgewiesen. Hinzu kommen ca. 8.600 ehren- oder nebenamtlich tätige Personen, die in den kleineren Gemeindebüchereien im Einsatz sind.

Von den rund 127 Mio. Medieneinheiten Bestand fallen ca. 78% auf die hauptamtlich geleiteten Bibliotheken, auf die bundesweit mit ca. 326 Mio. rund 90% der rund 363 Mio. Entleihungen im Jahr entfallen. Im Jahr 2007 wurden laut DBS rund 95 Mio. Euro für Buch- und Medienerwerb ausgegeben, davon 14% in den ehrenamtlich geleiteten Büchereien. Insgesamt wandten 2007 die kommunalen Träger Öffentlicher Bibliotheken rund 719 Mio. Euro an Sach- und Personalausgaben auf, davon ca. 468 Mio. Euro für Personalkosten. Pro Einwohner der Bundesrepublik Deutschland stehen in den kommunalen Öffentlichen Bibliotheken 1,53 Medieneinheiten zur Verfügung, der Gesamtbestand von 127 Mio. Medieneinheiten wird knapp 3-mal umgeschlagen. Die Gesamtausleihen von 363 Mio. Medieneinheiten bedeuten, dass 2007 jeder Einwohner im Durchschnitt 4,4 Medieneinheiten aus einer kommunalen Bibliothek entliehen hat.

zum Seitenanfang


Letzte Änderung: 11.02.2010
Das Bibliotheksportal

ein Angebot des

Deutschen Bibliothekverbandes

Deutschen Bibliotheksverbands

im Rahmen des

Kompetenznetzwerk für Bibliotheken

Kompetenznetzwerks für Bibliotheken

als Modul des

Wissenschaftsportal b2i

Wissenschafts-
portals b2i

gefördert über die

Kultusministerkonferenz

Kultusminister-
konferenz

und die

Deutsche Forschungsgemeinschaft

Deutsche Forschungs- gemeinschaft


Quelle und Verfasser:

"Jürgen Seefeldt/Ludger Syré: Portale zu Vergangenheit und Zukunft – Bibliotheken in Deutschland. Hrsg.: BID. - 2. überarb. Auflage. - Georg Olms-Verlag, 2007."

Autor der Bearbeitung: Jürgen Seefeldt (Stand: Juli 2007)

 


Öffentliche Bibliotheken international

Sektion Öffentliche Bibliotheken der IFLA
http://www.ifla.org/en/public-li...


Bibliotheken im Porträt

Porträts ausgewählter Bibliotheken aus ganz Deutschland:
http://www.goethe.de/wis/bib/dos...

 


 

(Redaktion: ao)