KNB- Kompetenznetzwerk für Bibliotheken

Weltgipfel zur Informationsgesellschaft

Auf dem "Weltgipfel zur Informationsgesellschaft (WSIS)", einer von den Vereinten Nationen ausgerufenen Konferenz in zwei Teilen, wurden erstmalig Themen wie Information und Kommunikation und die globale Informationsgesellschaft international diskutiert. Der erste Teil fand vom 10.-12. Dezember 2003 in Genf statt und der zweite vom 16.-18. November 2005 in Tunis. Für Bibliotheken war es entscheidend, ihre herausragende Rolle in der modernen Informationsgesellschaft einer breiten und globalen Zielgruppe deutlich zu machen.

1. Konferenzteil in Genf 2003

Auf dem ersten Teil des Weltgipfels 2003 in Genf verabschiedeten Staats- und Regierungschefs aus aller Welt eine Abschlusserklärung und einen Aktionsplan. Dieser enthält auch Projektvorschläge, die Bibliotheken betreffen, wie die Unterstützung von Bibliotheken durch die Überarbeitung von nationalen Strategien und Rechtsvorschriften über das Bibliothekswesen oder die Entwicklung von Informations- und Kommunikationstechnologien zur Bewahrung des kulturellen Erbes, vor allem von digitalen Informationen. Auch die Unterstützung von Bibliotheken als Gedächtnis der Menschheit oder die Förderung der weltweiten Zusammenarbeit zwischen Bibliotheken werden aufgeführt.

2. Konferenzteil in Tunis 2005

Auf dem zweiten Teil der Gipfelkonferenz 2005 in Tunis lag der Schwerpunkt der Diskussion auf Themen wie der Regulierung des Internet, Finanzierungsmechanismen und die weitere Umsetzung und Evaluierung des Genfer Aktionsplans. Die Teilnehmer verabredeten, die digitale Kluft zwischen den armen und reichen Nationen, aber auch innerhalb der Länder, abzubauen. Eine finanzielle Beteiligung am UN-Solidaritätsfond bleibt allerdings freiwillig. Die IFLA, der internationale Bibliotheksverband, hatte im Vorfeld der Konferenz zum Thema "Internet Governance" ein Positionspapier erarbeitet. Das Ergebnis des Weltgipfels wurde in einer Abschlusserklärung festgehalten. Ebenso wurde die Tunis Agenda für die Informationsgesellschaft vereinbart, in der ebenfalls die Rolle der Bibliotheken als Orte des Zugangs zu Informationen und zu Wissen in diesem Prozess hervorgehoben wird.
Die Vorbereitungen zum Weltgipfel wurden von scharfer Kritik am Gipfelgastgeberland Tunesien wegen seiner Einschränkungen der Versammlungs- und Meinungsfreiheit begleitet. Diese betreffen auch Bibliotheken, wie aus einem Bericht der IFLA/FAIFE hervorgeht.

Lobbyarbeit der IFLA

Die IFLA war in allen Phasen intensiv an dem Konferenzgeschehen beteiligt. So ist es der IFLA und ihren Verbündeten dank intensiver Lobbyarbeit gelungen, viele Entscheidungsträger vom hohem Stellenwert der Bibliotheken zu überzeugen. Dies spiegelt sich in den endgültigen Fassungen der Konferenztexte wider.
Kurz vor dem 2. WSIS-Konferenzteil 2005 fand vom 10.-11. November 2005 ein Vorbereitungstreffen der IFLA in Alexandria unter dem Motto "Libraries - The Information Society in Action" statt. Mit diesem Treffen versuchte die IFLA insbesondere Regierungsvertreter und Bibliothekare für sich zu gewinnen. Berichte aus verschiedenen Ländern machten deutlich, dass Bibliotheken als Vermittler zum weltweit vernetzten Wissen einen wichtigen Beitrag zur Informationsversorgung der Menschen leisten. Die IFLA präsentierte verschiedene positive Beispiele, die den hohen Stellenwert der Bibliotheken in der Informationsgesellschaft deutlich machten. Festgehalten wurden diese "Success Stories" in einer Datenbank, die zu dem damaligen Zeitpunkt 62 europäische Projekte verzeichnete, davon 44 aus deutschen Bibliotheken. Bis heute ist die Datenbank auf mehr als 100 Success Stories angewachsen.
Am Ende dieser internationalen Fachkonferenz wurde das Alexandria-Manifest verabschiedet. Es betont die Rolle der Bibliotheken, die Bedeutung von freiem Zugang zur Information und den hohen Stellenwert der Informationskompetenz. Die wesentlichen Ideen des Alexandria Manifests stellte der damalige IFLA-Präsident Alex Byrne in seiner Rede auf dem Gipfeltreffen in Tunis vor. Darin wies er auf das Grundrecht der Meinungsfreiheit hin, das nicht nur die ungehinderte Äusserung der persönlichen Meinung erlaube, sondern auch den freien, uneingeschränkten und alle Medien umfassenden Zugang zu Informationen einschließe. Er endete seine Rede mit dem Aufruf, dass eine faire globale Informationsgesellschaft durch die Stärkung eines globalen Netzwerkes gestützt werden kann.

Nach dem Weltinformationsgipfel

Auch nach dem Weltinformationsgipfel sind die Aktivitäten zum Thema der weltweiten Informationsgesellschaft vielfältig: Am 31. März 2006 wurde ein neues Webportal mit "ICT Success Stories" freigegeben, das dem Austausch neuer Ideen und Erfahrungen auf dem Gebiet des Einsatzes neuer Technologien dienen soll. Im Mai 2006 organisierte die UNESCO in Genf die "World Information Society Week" mit zahlreichen Veranstaltungen und Konferenzen zum Thema. Der 17. Mai wurde von der Vollversammlung der Vereinten Nationen zum "World Information Society Day" proklamiert. Der Jahrestag soll die Möglichkeiten, welche die Informations- und Kommunikationstechnologien der Gesellschaft und Wirtschaft bringen können, ins Bewusstsein der Menschen rücken und zugleich zur Überwindung der digitalen Kluft in der Welt beitragen. So finden regelmäßig zahlreiche Veranstaltungen und Diskussionen rund um den Welttag der Informationsgesellschaft statt, an denen sich auch IFLA-Vertreter aktiv beteiligen, indem sie immer wieder die Interessen und Standpunkte der Bibliotheken zu Gehör bringen.
Als Folge der beiden Gipfeltreffen wurden verschiedene Arbeitsgebiete definiert, die weiter diskutiert und bearbeitet werden müssen, darunter das "Internet Governance Forum", das die Steuerung des Internet thematisiert sowie elf sogenannte "action lines", Aktionsfelder, die im Genfer Aktionsplan vom Weltinformationsgipfel 2003 definiert wurden. Nach ersten Treffen in Athen, Rio de Janeiro und Hyderabad wird das 4. Treffen des Internet Governance Forum vom 15.-18. November 2009 in Aharm el Sheikh in Ägypten stattfinden. Auch in diesem Jahr wird der internationale Bibliotheksverband IFLA sich für die Belange der Bibliotheken einsetzen und die Bedeutung von Bibliotheken in der Wissens- und Informationsgesellschaft herausstellen.

IFLA-Aktivitäten nach dem Weltinformationsgipfel

Die IFLA hat die Entwicklungen nach dem Weltinformationsgipfel kontinuierlich verfolgt und aktiv Einfluss genommen, wo es um die Sache der Bibliotheken ging. So fanden vom 14.-25. Mai 2007 verschiedene Treffen in Genf statt, an denen die IFLA die Interessen der Bibliotheken vertrat. In dem Plan "Libraries and the WSIS Action Lines" wurde festgehalten, welche Aktionsfelder neben dem "Internet Governance Forum" weiterhin betreut werden sollten. Dabei war und ist das Aktionsfeld C3 "Zugang zu Information und Wissen" für die IFLA von besonderem Interesse. So wurde sie zum Moderator der Arbeitsgruppe "Bibliotheken und Archive" innerhalb dieses Aktionsfeldes. Auch bei den Diskussionen um "Kulturelle Vielfalt" des Aktionsfeldes C8 ist sie in der Arbeitsgruppe "Kulturelles Erbe" aktiv beteiligt.

Lobbyarbeit weiter verstärken

Auf dem WSIS Forum, das am 21. Mai 2009 in Fortsetzung der Diskussionen zu globalen Informationsgesellschaft in Genf stattfand, haben die Bibliotheken im Namen von IFLA erneut aktiv Lobbyarbeit betrieben. Ellen Tise, die derzeitige IFLA-Präsidentin und Nachfolgerin der deutschen IFLA-Präsidentin 2007-2009, Professor Dr. Claudia Lux, hatte im Vorfeld des Forums auf einer Sitzung zum Thema "Bibliotheken fördern den Zugang zum Wissen" vorgestellt, welche Rolle Bibliotheken bei der Entwicklung der weltweiten Wissensgesellschaft übernehmen können und Bibliotheken als kompetente Partner in diesem Prozess präsentiert.
So führt die Südafrikanerin Ellen Tise die erfolgreiche Lobbyarbeit ihrer Vorgängerin Claudia Lux weiter und bringt sich ein, wenn es um neue Entwicklungen in der globalen Wissensgesellschaft geht. Dies liegt nahe, war sie doch Mitglied der IFLA-Arbeitsgruppe, die die Vertretung der Bibliotheken beim Weltgipfel zur Informationsgesellschaft der Vereinten Nationen in Genf und Tunis organisiert hat.


Letzte Änderung: 24.11.2009
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