KNB- Kompetenznetzwerk für Bibliotheken

Innen- und Außenansichten von Bibliotheken

Kunden von Bibliotheken

In vielen Fällen sprechen auch Bibliothekare mittlerweile ohne zu zögern von ihren Kunden, wenn sie Personen meinen, die früher "Leser" oder "Benutzer" hießen. Dies ist gerechtfertigt, wenn man damit ausdrücken will, dass dieser Personenkreis zurecht etwas als Gegenleistung für den betriebenen Aufwand der Nutzung einer Bibliothek bekommen möchte.

Es ist dennoch problematisch, von Kunden zu sprechen, weil vielfach suggeriert wird, dass diese für die Inanspruchnahme der Dienstleistung gezahlt hätten. Die zahlende Instanz - also der eigentliche Kunde - ist im Normalfall der "Unterhaltsträger" von Bibliotheken: der Steuerzahler, die Kommune, die Universität, das Unternehmen - kurz und neudeutsch: die Stakeholder.

 

 


Inhaltsübersicht

Warum sprechen wir nicht mehr von Lesern?

... vor allem deshalb, weil die Funktion von Bibliotheken sich gewandelt hat und nicht mehr nur die Leseförderung und das Buch im Mittelpunkt steht. Informations- und Bildungsdienstleistungen sind nicht nur buchbezogen. Außerdem soll die Verwendung dieses Begriffes deutlich machen, dass Bibliotheken sich als aktive Teilnehmer einer sich zunehmend wirtschaftlich gestaltenden Gesellschaft verstehen. An jeder anderen Stelle in ihrem Alltag können die einzelnen Nutzer von Bibliotheken in der Tat Rechte als Kunde einfordern. Warum nicht auch in öffentlichen oder organisationsinternen Einrichtungen? Die Wirtschaftswissenschaftler sprechen an dieser Stelle davon, dass sich die Gesellschaft von einem "Verkäufermarkt" zu einem "Käufermarkt" gewandelt hat: Es reicht nicht mehr ein gutes Produkt (z.B. ein Buch) auf dem Markt anzubieten, es muss auch jemanden geben, der dies benötigt.

Im Bibliothekswesen wird dieser Wandel beschrieben als der von der Holbibliothek zur Bringbibliothek oder von der "just-in-case-" zur "just-in-time-Bibliothek", die nicht mehr auf den eventuellen Fall einer Nutzung ihrer schönen Bestände wartet, sondern aktiv auf die Kundenbedürfnisse eingeht. Dies ist allerdings in unserer schnelllebigen Zeit nicht immer einfach. Kundenbedürfnisse wandeln sich oft schneller als altehrwürdige Institutionen wie Bibliotheken.


Links

  • Qualitätstechniken für Dienstleistungsangebote (Teil 2 in: König Kunde in der Bibliothek) von Hans-Christoph Hobohm, FH Potsdam 
    http://www.fh-potsdam.de/~hobohm...
  • Kundenbindung in Öffentlichen Bibliotheken von George Kerr. Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, 1999
    http://www.bertelsmann-stiftung....
    (Internationales Netzwerk Öffentlicher Bibliotheken der Bertelsmann Stiftung) 

Literatur

  • Hobohm, Hans Christoph: Vom Leser zum Kunden. Randbedingungen der Nutzerorientierung im Bibliotheksbereich. In: Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie, 44 (1997), 265-280
  • Wilmsmeier, Silke: "... und was haben die Benutzer davon?" – Kundenorientierung im Bibliotheks- und Informationswesen. In: Bibliothek.Forschung und Praxis, 23, 3 (1999), 277-317

Letzte Änderung: 15.07.2009
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Redaktion

Die Texte wurden im Wintersemester 2006/07 von einem Seminar an der FH Potsdam unter der Leitung von Herrn Prof. Dr. Hobohm erarbeitet.

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