KNB- Kompetenznetzwerk für Bibliotheken

Innen- und Außenansichten von Bibliotheken

Weiterbildung

Weiterbildung nimmt in Bibliotheken einen zunehmend hohen Stellenwert ein. Rasante technologische Entwicklungen und sich verändernde Informationsbedürfnisse der Kunden stellen neue Anforderungen an die Mitarbeiter und die Bibliothek. Weiterbildung sollte systematisch betrieben werden und dabei einen Ausgleich zwischen Mitarbeiterzielen und Betriebszielen schaffen.

 


Inhaltsübersicht

Weiterbildung in Bibliotheken

Weiterbildung umfasst Qualifikationsvermittlung für aktuelle und zukünftige Aufgaben. Sie richtet sich potentiell an alle Mitarbeiter/innen, wobei auch deren persönliche Perspektiven berücksichtigt werden sollten. Es soll ein Ausgleich zwischen den qualifikationsbezogenen Betriebszielen (vor allem Erhaltungsqualifikation, Anpassungsqualifikation und Aufstiegsqualifikation) und den Mitarbeiterzielen (vor allem Karriereplanung, Selbstverwirklichung und individuelle Lebensgestaltung) geschaffen werden.


Wucht des Wandels

Der Wandel, dem Strukturen und Dienstleistungen unterliegen, stellt neue Aufgaben an die Bibliotheksmitarbeiter. Er lässt sich folgendermaßen skizzieren:

  • Im Zuge von Verwaltungsreformen werden derzeit neue Führungs- und Organisationsansätze umgesetzt, welche oft mit Personalabbau verbunden sind.
  • Der Wertewandel lässt Bedürfnisse nach Selbstverwirklichung in den Vordergrund treten. Das Verlangen nach Sinn statt Pflichterfüllung tritt in den Vordergrund.
  • Der technologische Wandel als Motor des Fortschritts hat zu einer extrem wissensabhängigen Gesellschaft geführt, in der die Verbraucher die sofortige Befriedigung ihrer Informationsbedürfnisse erwarten.
  • Das Internet entlokalisiert Bibliotheksangebote und lässt sie in Konkurrenz zueinander und zu kommerziellen Dienstleistungen treten. Verstärkt ist die fachliche Selektion von Ressourcen erforderlich. Kaufmännische Qualifikationen infolge unterschiedlicher Lizenzbedingungen und Abrechnungsverfahren bei Netzpublikationen werden notwendig.

Ziele

  • Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit der Bibliothek
  • Anpassung der Mitarbeiter an neue Anforderungen, besonders Teameignung, Innovationsfähigkeit, Lernfähigkeit
  • Erhöhung der Flexibilität, besonders bezüglich der Mehrfachqualifikation mit Blick auf flexible Verwendung bzw. Einsetzung des Personals
  • Sicherung eines qualifizierten Mitarbeiterstamms, Umqualifikation bei biologischem Personalabbau
  • Sicherung des eigenen Arbeitsplatzes durch Erhöhung der individuellen Qualifikation
  • Individuelle Karriere
  • Chancengleichheit für die Mitarbeiter – oder anders ausgedrückt: Beförderung und Aufstieg

Inhalte

Die folgenden Inhalte für Weiterbildungsmaßnahmen ergeben sich aus den veränderten Arbeitsfeldern.

  • Informationen analysieren und interpretieren
  • Unterstützung und Training von Kunden (Learning Center)
  • Management von Intranet-Inhalten
  • Planung und Marketing von Informationsprodukten
  • Wissensmanagement für die Trägerorganisation

Entsprechende Schlüsselqualifikationen, wie z. B. Kommunikationsfähigkeit, Verantwortungsfähigkeit, Selbstorganisationsfähigkeit, Kreativität, Problemlösungsfähigkeit, Flexibilität, Teamfähigkeit, sind entsprechend zu entwickeln und zu fördern.



Bedarfsermittlung

Der konkrete Bedarf in der einzelnen Bibliothek ist zu ermitteln, um im Ergebnis Maßnahmen planen zu können.Die Qualifikationsanforderungen werden arbeitsplatzbezogen ermittelt, dann nach Abteilungen aggregiert.

  1. Die vorhandenen Qualifikationen werden mitarbeiterbezogen ermittelt. Für jeden Mitarbeiter entsteht ein Eignungsprofil.
  2. Aus der Differenz ergibt sich der Entwicklungsbedarf.

 

Quellen für die Ermittlungen können sein: Stellenbeschreibungen, Beobachtung am Arbeitsplatz, Interview der Mitarbeiter, Interview der Vorgesetzten, Assessment-Center.


Festlegung der Maßnahmen

Folgende Methoden kommen in Frage:

  • Beurteilungs- und Fördergespräche,
  • Mitarbeiterbefragung,
  • Austausch zwischen Mitarbeitern mit vergleichbaren Tätigkeiten,
  • gemeinsame Festlegung von Lernzielen und Prioritäten durch Vorgesetzte und Mitarbeiter.

Für das Planen und Durchführen der Maßnahmen kann eine Stabsstelle bei der Leitung der Bibliothek oder eine abteilungsübergreifende Arbeitsgruppe verantwortlich sein.

Weiterbildungsveranstaltungen können z. B. im Betrieb, während der Aufgabenwahrnehmung stattfinden. Der einzelne Mitarbeiter steht im Vordergrund. Vermittlungsformen können sein: Anleitung, Patenschaft, Job Rotation, Projektarbeit, Wissensbasis im Intranet.
Weitere Maßnahmen stellen Schulungen und Seminare dar, die intern oder extern durchgeführt werden.


Evaluation

Schwierig durchzuführen, aber unverzichtbar ist die Evaluation des Lerntransfers. Durch geeignete Maßnahmen wie Mentorensystem, Erfahrungsaustausch, Multiplikation in der Bibliothek mittels Bericht (ggf. im Intranet) oder Schulungen kann der Lerntransfer gefördert werden.

Die Evaluation von Schulungen kann z.B. mittels eines Teilnehmerfragebogens (Beurteilung des Seminars) oder einer Lernkontrolle in Form von Tests durchgeführt werden.


Literatur

  • Umlauf, Konrad u.a.: Personalentwicklung. In: Erfolgreiches Management von Bibliotheken und Informationseinrichtungen.  Hrsg. von Hans-Christoph Hobohm und Konrad Umlauf.  Loseblattsammlung – Hamburg: Dashöfer, 2002ff, Kap. 4.1

Letzte Änderung: 15.07.2009
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Die Texte wurden im Wintersemester 2006/07 von einem Seminar an der FH Potsdam unter der Leitung von Herrn Prof. Dr. Hobohm erarbeitet.

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