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Zeutschel GmbH | 14.1.2013

Digitalisierungssoftware Goobi wird nachhaltig ausgebaut

Das Segment der Massendigitalisierung gewinnt im Bibliotheksumfeld weiter an Dynamik. Nicht zuletzt die zunehmende Einrichtung virtueller Bibliotheken wie der Europeana oder der Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB), setzt Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen als Zulieferer digitaler Inhalte unter Zugzwang. Als zentrales Werkzeug für die Umsetzung von Digitalisierungsprojekten hat sich in den letzten Jahren die Open Source-Lösung Goobi etabliert. Mit dem verstärkten Engagement externer Dienstleister sowie organisatorischen und funktionalen Erweiterungen soll die Attraktivität der Software gesteigert und ihre langfristige Entwicklung gestärkt werden.

Der modulare, webbasierte Aufbau, die Vielfalt der Anwendungsszenarien, aber auch die geringeren Kosten im Vergleich zu kommerziellen Lösungen hat die Zahl der Goobi-Anwender in den vergangenen Jahren stetig ansteigen lassen.
In Deutschland gibt es mittlerweile rund 25 Bibliotheken jeder Größe und Ausrichtung, die Goobi-Projekte erfolgreich umgesetzt haben (siehe Infokästen). Doch auch bei Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen in Österreich, den Niederlanden, Frankreich, Großbritannien, Südafrika, Schweden und Malaysia stößt das Konzept einer kooperativen Weiterentwicklung leistungsstarker Digitalisierungswerkzeuge auf wachsende Resonanz Knapp 150 Personen sind laut Dr. Achim Bonte, Stellvertreter des Generaldirektors der SLUB Dresden und Sprecher des Goobi Community Board, in der Mailingliste der GoobiCommunity angemeldet.

Einer funktionierenden Entwickler- und Anwendergemeinschaft wird große Bedeutung zugemessen. Zur professionellen Organisation der Softwareentwicklung haben die vier großen Staatsbibliotheken in Berlin, Dresden, Göttingen und Hamburg 2009 das Goobi Community Board gegründet. Das Goobi Release Management sorgt für die nötige Transparenz und eine stabile Code-Basis und kümmert sich um die Definition von Standards und Schnittstellen. „Mit dieser Organisationsstruktur haben wir die Grundlagen für eine nachhaltige Weiterentwicklung von Goobi geschaffen“, betont Achim Bonte.

Unterstützung nach Maß
Mit der gezielten Integration kommerzieller Dienstleister, wie des Tübinger Lösungs-Anbieters Zeutschel und des Göttinger Systemhauses Intranda, in die Goobi Open Source Community, wurde Neuland betreten. Ein Experiment, das sich ausgezahlt hat.

Beide Dienstleister wirken im Goobi Community Board und damit maßgeblich an der Fortentwicklung der Software-Lösung mit. Und der größte Teil der Programmieranstrengungen von Zeutschel und Intranda kommt der Goobi Community zugute, indem Software-Funktionalitäten quellcodeoffen zur Verfügung gestellt werden. „Die Einbindung der beiden Dienstleister in die Community hat eine hohe stabilisierende Funktion und der Gemeinschaft ein stärkeres Rückgrat gegeben“, bestätigt Bonte.

Für weitere Unterstützung sorgt ein umfassendes Angebotsportfolio, das sich in die Bereiche Services und Erweiterungen gliedert. Die Dienstleistungen reichen von der kompletten System-Implementierung inklusive Anpassungsprogrammierungen über Wartungs- und Support-Arbeiten bis hin zum „Rundum-sorglos“-Paket mit zuverlässiger Bereitstellung der digitalisierten Inhalte.
Auch wenn es um Funktionalitäten geht, die von der aktuellen Goobi Edition nicht oder bislang nur rudimentär abgedeckt werden, können Auftraggeber auf kostenpflichtige Zusatzkomponenten der Dienstleister zurückgreifen. Zeutschel beispielsweise bietet eine Z39.50-Schnittstelle an, über der sich von Goobi aus bibliographische Daten aus den unterschiedlichsten Katalogsystemen abfragen lassen. Für die Präsentation der Daten gibt es von Intranda einen eigenen Viewer sowie einen OCR-Service für die Volltextsuche.

Nach Angaben von Michael Luetgen, Vertriebsleiter Software-Lösungen bei Zeutschel, werden Anwender in Zukunft von weiteren Kooperationen mit anderen Lösungsanbietern im Bibliotheksumfeld proftieren: „Zum Beispiel sollen mit Goobi durchgeführte Digitalisierungen auch mit elektronischen Lesesälen wie beispielsweise den MyBib eL von Imageware kompatibel sein. Außerdem orientiert Zeutschel seine Goobi Aktivitäten stark in Richtung Web 3.0, Stichwort: Crowd Sourcing", erläutert Michael Luetgen die ambitionierten Pläne seines Unternehmens.
Die Angebote und Konzepte der Dienstleister kommen insbesondere den Ansprüchen kleiner Bibliotheken entgegen und ermöglichen auch ihnen den Einstieg in innovative Digitalisierungsprojekte. "Der Goobi anhaftende Ruf, dass es sich bei der Open Source-Software um eine Lösung ausschließlich für große Institutionen mit umfangreichen Programmierkenntnissen handelt, ist in den vergangenen Jahren vielfach und eindrucksvoll widerlegt worden", erklärt Achim Bonte. Als Beispiel nennt er das Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung in Braunschweig, die Universitätsbibliothek der Bauhaus-Universität Weimar oder die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek in Hannover, wo mit Hilfe der Dienstleister attraktive Digitalisierungsprojekte realisiert wurden.

Die Zukunft verantwortungsvoll gestalten
Bonte berichtet von konkreten Zukunftsplänen, mit der die Entwicklung von Goobi weiter vorangetrieben werden soll. Eine weitere Professionalisierung der Goobi Organisationsstrukturen gewährleistet die Gründung des Vereins GOOBI.
Ein derartiger Verein wird als juristische Person nicht nur als Inhaber der Namensrechte, Betreiber der Domain goobi.org und Urheberrechteinhaber des Goobi Quellcodes fungieren, er könnte die bestehenden Instanzen Community Board und Release Management auf vielfältige Weise entlasten. Aufgaben im Bereich der Mitgliederbetreuung könnten ebenso von der Vereinsgeschäftsstelle verantwortet werden wie die Öffentlichkeitsarbeit.

Funktional sehen die Pläne vor, ein Modul zur Texterkennung in den Routineprozess zu integrieren. Weitere große Projekte beschäftigen sich mit der Anpassung von Goobi an die Workflow-Anforderungen in der Zeitungsdigitalisierung, wofür Programmerweiterungen in der Produktions- und Präsentationsebene erforderlich sind, sowie mit der Langzeitverfügbarkeit der digitalen Objekte. „Goobi selbst ist kein Langzeitarchivierungssystem, wird aber mit entsprechenden Werkzeugen, zum Beispiel dem System ‚Rosetta’ kompatibel sein“, erläutert Achim Bonte.
Insgesamt sieht er Goobi hervorragend für die Zukunft gerüstet: "Bibliotheken und andere Kultureinrichtungen benötigen nachhaltig tragfähige und zugleich finanzierbare Digitalisierungslösungen. Um angesichts der beispiellosen Dynamik der Veränderungsprozesse im digitalen Informationsmarkt bestehen zu können, gilt es, planmäßig die hauseigene Entscheidungs- und Entwicklungskompetenz auszubauen und den traditionell engen Kreis der kommerziellen Softwareanbieter zu öffnen. Eine internationale Entwicklergemeinschaft auf der Basis quelloffener Software ist hier eindeutig im Vorteil und bietet Anwendern auch noch Unterstützung, wenn kommerzielle Software-Lösungen von ihren Herstellern nicht mehr weiterentwickelt werden".