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Bürgerschaftliches Engagement in Bibliotheken

Bürgerschaftliches Engagement gewinnt in unserer Gesellschaft immer mehr an Bedeutung. Auch das Selbstverständnis bürgerschaftlich Engagierter hat sich im letzten Jahrzehnt deutlich gewandelt. In Bibliotheken nimmt ebenfalls der Einsatz bürgerschaftlich Engagierter zu. Vor allem in Öffentlichen Bibliotheken wird der Umgang mit ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern seit vielen Jahrzehnten diskutiert.

Bibliothekspolitische Debatte

Freiwillige Helfer und Helferinnen wurden schon seit langer Zeit in Bibliotheken für die verschiedensten Aufgaben eingesetzt. So konnten und können eine Vielzahl kleiner Bibliotheken (z.B. Gemeindebüchereien in kirchlicher Trägerschaft) allein durch das ehrenamtliche Engagement zahlreicher Freiwilliger existieren.

In der bibliothekspolitischen Debatte standen sich jedoch jahrelang zwei unvereinbare Lager gegenüber, die Michael Reisser so beschreibt:

" Zum einen die Pragmatiker, die gezwungenermaßen oder wohl überlegt auf freiwillige Kräfte zur Bewältigung des bibliothekarischen Geschäfts zurückgreifen (müssen). Auf der anderen Seite die Skeptiker oder erklärten Gegner, die den Einsatz Ehrenamtlicher zu verhindern wussten oder mit entsprechenden Forderungen ihrer Unterhaltsträger noch nicht konfrontiert wurden. Letztgenannte haben immer wieder darauf hingewiesen, dass selbst eine an bestimmte Voraussetzungen geknüpfte Zustimmung der Bibliotheksverbände zum Einsatz freiwilliger Kräfte einem Dammbruch gleichkäme. Die Pragmatiker hingegen mussten sich arrangieren, sie waren vor allem an Handreichungen und Erfahrungsaustausch interessiert; der Verweis auf hehre bibliothekspolitische Forderungen galt aus ihrer Sicht weder als hilfreich noch politisch opportun."
 
(Michael Reisser: "Bibliothek 2007 und die Folgen / Überlegungen zu einer bibliothekspolitischen Neupositionierung in der Ehrenamtsdiskussion",
in: BuB 2/2008, S. 126)

Die bibliothekspolitische Debatte wurde gerade auch vor dem Hintergrund zunehmender veränderter Rahmenbedingungen wie zahlreichen Bibliotheksschließungen, Stellenabbau, Finanznot der Kommunen usw. neu angestoßen. Nicht selten können von Schließung bedrohte kleinere Zweigstellen oder Stadtteilbibliotheken nur durch die Unterstützung  ehrenamtlich Engagierter weitergeführt werden.

Dieses Spannungsfeld zwischen professionell qualifizierten Fachkräften einerseits und die zumindest teilweise Wahrnehmung ihrer Aufgaben durch ehrenamtliche Engagierte andererseits, die in der Regel nicht dafür ausgebildet sind, markiert den Kern der Auseinandersetzung über den Einsatz ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Bibliotheken.

Engagement des Deutschen Bibliotheksverbands

Bürgerschaftliches Engagement in der Bibliothekslandschaft ist vielgestaltig und hat sehr unterschiedliche Ausprägungen je nach Aufgabenstellung, Größe und Auftrag der Bibliothek oder auch je nach Verantwortungsgrad der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, lohnt sich ehrenamtliche Tätigkeit für alle Beteiligten. Bürgerschaftliches Engagement ergänzt, unterstützt oder trägt den Bibliotheksalltag. Eine bewusste Auseinandersetzung mit dem Thema und die Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen sind dazu aber unabdingbare Erfordernisse.  

(Text entnommen von der Themenseite des dbv)

Arbeitsgruppe des dbv

Der Vorstand des Deutschen Bibliotheksverbandes e.V. (dbv) hatte daher im November 2009 beschlossen, eine Arbeitsgruppe einzusetzen, um das Positionspapier des dbv "Freiwillige – (k)eine Chance für Bibliotheken?" von 1999 zu überarbeiten.

Er reagierte damit auf die Weiterentwicklung einer engagementpolitischen Diskussion. Das gemeinsame Positionspapier "Bibliotheken und Bürgerschaftliches Engagement: Eine Standortbestimmung" vom März 2011 ist das Ergebnis eines umfassenden Diskussionsprozesses.  

(Text entnommen von der Themenseite des dbv)

Repräsentative Bibliotheksbefragung als Datengrundlage

Bei der Überarbeitung des Positionspapiers zeigte sich, dass die Datenlage für den speziellen Bereich der Bibliotheken nicht ausreichend war. Der dbv hat daher im Sommer 2010 ergänzend eine repräsentative Bibliotheksbefragung durchgeführt.

Die Studie "Bibliothek und Ehrenamt. Ergebnisse einer bundesweiten Bibliotheksbefragung des Deutschen Bibliotheksverbandes e.V. (dbv)"
von Dr. Rainer Sprengel bereitet die dabei gewonnenen Daten für die bibliothekarische und eine breitere, interessierte Öffentlichkeit auf.  

(Text entnommen von der Themenseite des dbv)

Handbuch

Zusätzlich wurde beschlossen, der hauptamtlichen Bibliotheksleitung und den  Bibliotheksmitarbeiterinnen und -mitarbeitern eine Handreichung für alle Fragen bei der Beschäftigung von ehrenamtlich Tätigen zur Verfügung zu stellen.

Ein vom vbnw in Auftrag gegebenes und mit Unterstützung der Staatskanzlei des Landes NRW, Abteilung Kultur, in einem Projekt an der Stadtbibliothek Bielefeld 2007 von Ruth Zeddies erstelltes Handbuch wurde dazu von der Autorin überarbeitet und so ergänzt, dass es bundesweit relevant und einsetzbar ist: "Bürgerschaftliches Engagement in Bibliotheken. Ein Handbuch für das Ehrenamts-Management."  

Dieses Handbuch wurde ergänzt um Muster und Checklisten in einem Download-Bereich sowie einem Beitrag von Ruth Zeddies zur Situation der ehrenamtlich Tätigen in Bibliotheken kirchlicher Trägerschaft.

(Text entnommen von der Themenseite des dbv)

Weitere Position zum Ehrenamt