Suche auf bibliotheksportal.de
Die RSS-Feeds des Bibliotheksportals
 

Bildungsveranstaltungen

Eintauchen in neue Welten

Öffentliche, aber auch wissenschaftliche Bibliotheken bieten nicht nur Medien zur Nutzung vor Ort oder in der Ausleihe an, sondern bieten durch ihre Veranstaltungsarbeit auch niedrigschwellige Einstiege in literarische und aktuelle gesellschaftliche Themen und bringen die Besucherinnen und Besucher in Kontakt mit den Menschen "hinter den Medien". Damit ist auch die Veranstaltungsarbeit der Bibliotheken - mit den "Klassikern" Lesungen und Ausstellungen - wichtiger Teil ihres Bildungsauftrags.

 "Die Veranstaltungen in der Bibliothek ermöglichen Begegnungen und Gespräche. Sie stärken Kreativität und Phantasie, tragen bei zu einem Diskurs über Themen, die Gesellschaft und Bürger bewegen, und dienen der aktiven Literatur- und Kunstförderung sowie der kulturellen Bildung."
(aus: "An der Zukunft von Stadt und Land bauen", herausgegeben vom Landesverband Baden-Württemberg im Deutschen Bibliotheksverband)


Nach oben

Literatur vermitteln, Diskussionen eröffnen

Tom Buhrow und Sabine Stamer am 18.12.2006 im Lesesaal. Foto: Anne Geppert

Die Hochschulbibliothek als Brücke zwischen Hochschule und Gesellschaft

Die Bibliothek und die Hochschule mehr in der Öffentlichkeit zu präsentieren und damit einen Beitrag zum vielfältigen kulturellen Geschehen der Stadt Ludwigsburg zu leisten, ist ein zentrales Anliegen der Bibliothek der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg und ihrer Leiterin Frau Dr. Christiane Spary.

Mit der örtlichen Buchhandlung Aigner konnte ein kompetenter und erfahrener Partner für die zentrale Veranstaltungsreihe "Aigner und PH-Bibliothek präsentieren..." gewonnen werden. Mit interessanten Autoren zu unterschiedlichen Themen werden so an zwei Terminen im Jahr nicht nur Studierende und Hochschulangehörige angesprochen, sondern es gelingt auch der Brückenschlag von der Hochschule in die Stadt und zu zahlreichen hochschulexternen (Stamm-) Gästen. Der Einsteinbiograph Jürgen Neffe, der Soziologe und Jurist Meinhard Miegel, der Psychologieprofessor Gerd Gigerenzer und der ehemalige USA-Korrespondent der ARD und aktuelle Tagesthemenmoderator Tom Buhrow waren so schon zu Gast im schön gestalteten Lesesaal der Bibliothek.

Darüber hinaus organisiert die Bibliothek auch immer wieder Veranstaltungen und Lesungen in Zusammenarbeit mit Instituten und anderen Einrichtungen der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg und präsentiert unter dem Motto "Bücher, Kerzen, Rotwein" einmal jährlich ausgewählte, neu erschienene Literatur im "Literatur-Café" der Pädagogischen Hochschule.

Nach oben

"Ein Fremder ist ein Freund, den du noch nicht kennst"

Living Library in der Stadtbibliothek Göppingen

Die "Lebenden Bücher" der Stadtbibliothek Göppingen. Bild: Stadtbibliothek Göppingen

Living Library in der Stadtbibliothek Göppingen

Das Konzept der "Living Library" stammt aus Dänemark. Zum ersten Mal wurde sie im Jahr 2000 beim Roskilde-Musikfestival in die Praxis umgesetzt. Living Library ist auch Teil des Programmes „Youth Promoting human rights and social cohesion – Jugend unterstützt Menschenrechte und sozialen Zusammenhalt“ des Europäischen Rats. Es soll Menschen dazu motivieren, sich persönlich und politisch zu engagieren, zum Beispiel im Kampf gegen Rassismus und soziale Ausgrenzung.

In einer Living Library können lebendige Bücher für ein Gespräch ausgeliehen werden. Die Lebendige Bibliothek funktioniert wie eine öffentliche Bibliothek. Die Bücher sind jedoch Menschen, die für ein 15 - 30minütiges Gespräch in einer gemütlichen Kaffeehausatmosphäre "ausgeliehen" werden können. Die „Bücher“ sind mit Respekt zu behandeln, die Leihfrist kann im beiderseitigen Einverständnis verlängert werden, es sei denn, das betreffende Buch ist bereits „vorgemerkt“.Die "Bücher" geben sich selbst einen Namen und eine Inhaltsangabe in Stichworten über ihre Themen sowie über die Sprachen, die das "Buch" spricht.

2005 stellte ich die Idee im Forum Integration in Göppingen vor und stieß auf Interesse und die Bereitschaft der Mitglieder, sich als lebendiges Buch zur Verfügung zu stellen. Der Jugendgemeinderat, den ich als nächstes ansprach, winkte leider ab, weil er sich nicht vorstellen konnte, dass potentielle "Leser/innen" Vorurteile zugeben oder Menschen sich als "Buch" zur Verfügung stellen würden.

In der Folge stellte ich das Projekt anders vor: Ich suchte jetzt nach Menschen, die "besonders" sind oder etwas Besonderes geleistet haben. Der agile Arbeitskreis Foggia im Rahmen einer lange bestehenden Städtepartnerschaft biss als erster an. Wie in einem Schneeballsystem trudelten danach die Anmeldungen der „Bücher“ ein. Die Volkshochschule half tatkräftig mit, Laufzettel und Flyer in verschiedene Sprachen zu übersetzen. Der Verein "Eine Welt" half mit als Träger. Eine junge Referendarin, selbst Migrantin, meldete sich an mit ihrer Schulklasse. Die Schüler überlegten sich im Vorfeld Fragen an die lebendigen Bücher und suchten sich welche im "Katalog" aus.

Wir führten unsere Living Library während des laufenden Betriebs an einem Samstagvormittag durch. Nach anfänglicher Skepsis seitens unserer Leser wurden alle "Bücher" ausgeliehen, und in den vier Stockwerken des Hauses verbreiteten sich in allen Ecken und Nischen kleine Grüppchen, die bei einer Tasse Kaffee oder Glas Sprudel entspannt miteinander plauderten. Viele Migrantinnen, die schon lange in Göppingen leben, begegneten als "Bücher" zum ersten Mal andere Menschen aus anderen Kulturkreisen. Sie bedauerten, dass sie während der Aktion nicht dazu kamen einander "auszuleihen".

Aus der Premiere, die ein voller Erfolg wurde und viel Beachtung bei den Medien fand, lernte ich einiges: Living Library sollte lieber nicht neben normalen Bibliotheksbetrieb laufen. Die "Bücher" brauchen nicht nur eine gute Vorbereitung, sie müssen auch Gelegenheit haben, ihre Erlebnisse hinterher auszutauschen und ihre Empfindungen loszuwerden. Living Library ist inzwischen ein fester Bestandteil unserer interkulturellen Bibliotheksarbeit und ich wünsche mir dass viele Bibliotheken sich von dieser spielerischen Idee anstecken lassen.

Wir planen ausserdem "Fernleihe" an Schulen und an andere Institutionen. Diese können aus unserem Katalog einzelne lebendige Bücher für ihre Veranstaltungen, Projekte usw "ausleihen". Wir vermitteln die Bücher und beraten bei der Auswahl.

Die Idee stammt von einem lebendigen Buch von uns. Die nächste Living Library in Göppingen findet im Oktober 2010 statt. Viele Interessierte haben mir in den vergangenen Monaten geschrieben und sich als "lebendiges Buch" angeboten. In der geschützten Atmosphäre der Bibliothek mit den spielerischen, aber klaren Ausleihmodalitäten können Menschen, die sich im Alltag kaum in dieser Intensität begegnen würden, austauschen und Überraschungen erleben nach dem Motto: "Don't judge - read!"

Kontakt

Armi Bernstein, Stadtbibliothek Göppingen
abernstein@goeppingen.de  


 

Nach oben

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Text

Michael Maier, Bibliothek der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Text

Armi Bernstein, Stadtbibliothek Göppingen