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Mentoren und Mentees

Mentoren und Mentees. Foto: Daniel Görbing

Lesen - die wichtigste und grundlegendste Kulturkompetenz schlechthin - bleibt ca. jedem fünften Kind in Deutschland im wahrsten Sinne des Wortes ein Buch mit 7 Siegeln. Die PISA-Untersuchungen haben ans Licht gebracht, was eigentlich schon lange bekannt war: Etwa 20% unserer Bevölkerung werden künftig von Bildung und Kultur nahezu ausgeschlossen sein, weil sie nicht fähig sind, Texte in ihrem Sinngehalt zu erschließen.

Das Projekt Lesementoring wurde als ein Beitrag für Lesemotivation und gegen diese fatale Tendenz bereits 2003 in der Stadtteilkulturarbeit der Landeshauptstadt Hannover entwickelt.

Aber das Projekt fördert nicht nur die Lesekompetenz von Grundschulkindern. Gleichzeitig bietet dieses Projekt Jugendlichen die Chance, ihre Fähigkeiten einzubringen, ihre Schlüsselkompetenzen - Verantwortungsbewusstsein, Teamfähigkeit und Kreativität - zu stärken und dies in einem individuellen Zertifikat bescheinigt zu bekommen. Darüber hinaus profitieren die Schulen, Bibliotheken und Kultureinrichtungen von der Vernetzung, die über das Projekt nachhaltig hergestellt wird. Ein Win-Win-Spiel für alle Beteiligten.  

Mentoring-Tools

Tools für das Lesementoring

Foto: Ulrike Knoch-Ehlers

Fächermappe mit vielen Lesespielen, Armbänder "LesementoRing“, ein 6 m langes Springseil und eine coole Tasche, in der man auch Leihbücher verstauen kann. Alles dürfen die MentorInnen behalten.

Die Projektidee

Der Kern der Idee ist, dass Jugendliche, die selbst gerne lesen und Spaß daran haben, mit Kindern umzugehen, Grundschüler mit ihrer eigenen Lesefreude „anzustecken“ und sie spielerisch in Gruppenstunden zum Lesen zu motivieren. Durch dieses Engagement und eine qualifizierte Ausbildung profitieren die Jugendlichen ebenfalls – sie stärken ihre Sozialkompetenzen und werden in ihrer Persönlichkeitsentwicklung gefördert.

Die Umsetzung

Das Projekt wird zwar zentral geleitet und koordiniert, findet aber dezentral - in den Stadtteilen, an den Grundschulen statt. Jeweils eine Fachkraft aus einer Bibliothek und einer Kultureinrichtung des Stadtteils werden für die Durchführung des Projektes speziell qualifiziert und nehmen dann Kontakt zu einer Grundschule und einer weiterführenden Schule in einem Stadtteil auf.

Die weiterführende Schule (Realschule, IGS oder Gymnasium) wirbt Schüler/innen aus den 9./10. Jahrgängen für dieses – freiwillige- Projekt (MentorInnen). Die Grundschule benennt Kinder aus den Jahrgängen 2 - 4, die am Lesementoring teilnehmen möchten.
Die MentorInnen werden von den städtischen Kultur-/Bibliotheks-Fachkräften auf ihre Aufgabe in einem 2-tägigen Seminar vorbereitet. Dafür werden sie von der Schule freigestellt.
Anschließend übernehmen jeweils 2 MentorInnen eine Gruppe von 6 Kindern für ein halbes Jahr.Sie zeigen ihnen interessante Kinderbücher, lesen und spielen mit ihnen, gehen mit ihnen in die Bibliothek und veranstalten mit ihnen Lesenächte. Die Lesementoring-Stunden werden nach einem erprobten und bewährten Rhythmus spielerisch von den Jugendlichen gestaltet. Sie bringen hier viel Know-How, Kreativität und auch die nötige Portion Coolness ein, die das Lesen für die Kinder ebenfalls zu einer „coolen“ Angelegenheit macht.

Während des halben Jahres werden die Jugendlichen mit ihrer Aufgabe nicht alleine gelassen. Einmal wöchentlich bieten die betreuenden Fachkräfte einen Erfahrungsaustausch an, man lernt auch neue Spiele und neue Bücher kennen, und bespricht eventuell Probleme oder plant gemeinsame Aktionen.

Außerdem werden die Lesementoring-Gruppen auch von den – außerschulischen -  Fachkräften  besucht und es finden anschließend Reflexionsgespräche statt. Beraten – nicht bewerten, ist hier das entscheidende Stichwort. Die Jugendlichen bekommen von ihnen am Ende des halben Jahres ein Zertifikat, das ihre Stärken und ihre individuellen Schlüsselkompetenzen bescheinigt, den "Kompetenznachweis Kultur". Dieses Zertifikat hat sich als ein wichtiger Baustein für die Persönlichkeitsentwicklung erwiesen  und kann außerdem bei Bewerbungen aller Art sehr hilfreich sein.

Link zum Kompetenznachweis Kultur

Aktueller Stand

Das Projekt läuft zur Zeit in 5 Stadtteilen in Hannover und in einem Schulzentrum im Großraum Hannover. Jährlich nehmen so ca. 150 Jugendliche und ca. 500 Kinder mit viel Spaß an diesem Projekt teil. Da aus mehreren niedersächsischen Städten  Interesse bekundet wurde, dieses Projekt ebenfalls etablieren zu wollen, bietet nun die Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung Fortbildungskurse an, in denen das erforderliche Know-How vermittelt wird.

Näheres zur Fortbildung finden Sie hier.

(Referentin: Ulrike Knoch-Ehlers, Projektleitung Lesementoring Hannover) 

Autorin

Ulrike Knoch-Ehlers / Projektleitung
Projektbüro Lesementoring
Landeshauptstadt Hannover
www.lesementoring.de 

 

Weitere Projektinfos

www.opus-bayern.de/.../