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Teaching Library

Der Begriff der "Teaching Library" geht ursprünglich auf eine Bezeichnung der UC Berkeley Library in Kalifornien für ihr Kurs- und Schulungsangebot zurück und wurde in den deutschen bibliothekarischen Sprachgebrauch eingeführt, um damit sämtliche Aktivitäten der Öffentlichen und Wissenschaftlichen Bibliotheken auf dem Gebiet der Förderung von Informations- und Medienkompetenz pointiert zu umschreiben. 

Bibliotheken in Deutschland, die sich am Konzept der "Teaching Library" orientieren, haben ein teilweise modular angelegtes Angebot und sind mit diesem in das Curriculum der kooperierenden Schule oder Hochschule eingebunden. Daneben entstehen Bibliothekscurricula mit einer auf die aktuellen Bedarfe der Lerngruppen angepassten Reihe von Veranstaltungen, zum Teil als Spiralcurriculum, bei dem die gleiche Lerngruppe in einem gewissen Turnus aufeinander aufbauende Veranstaltungen mit sich ergänzenden Inhalten besucht und damit ihre Informationskompetenz entwickelt.

Informationskompetenz wird dabei nicht nur im Bereich der Recherche gesehen, sondern als umfassendere Fähigkeit verstanden, den Informationsbedarf zu erkennen und zu beschreiben, Informationen zu finden, zu beurteilen und zu verarbeiten. Standards der Informationskompetenz oder Schwellenkonzepte definieren und umschreiben die anzustrebenden Lerneffekte (Outcomes) aufgrund von Bibliothekskursen oder anderen Veranstaltungsformaten der Bibliotheken zur Stärkung von Informationskompetenz.

Die Teaching Librarians werden methodisch-didaktisch qualifiziert und fortgebildet. Angesichts der erheblichen Anzahl zu schulender Lernender bedarf es einer ausreichenden räumlich-technischen Infrastruktur für die Teaching Library.

Inhaltsübersicht

Praxis der Teaching Library in Wissenschaftlichen Bibliotheken

Die Teaching Library ist in vielen Wissenschaftlichen Bibliotheken in Deutschland, ferner in Österreich und in der Schweiz Wirklichkeit geworden. Nach der Deutschen Bibliotheksstatistik (DBS) realisieren mittlerweile fast alle Hochschulbibliotheken Kurse und Einführungen zur Informationskompetenz in steigendem Umfang, im Hinblick auf die Anzahl der Kursangebote und auf die Teilnehmenden. Dem Marketing für ihre Angebote der Kompetenzförderung räumen viele Hochschulbibliotheken einen hohen Stellenwert ein. Auf der Homepage treten die Bibliotheksveranstaltungen zunehmend markant in Erscheinung, und auch im Vorlesungsverzeichnis sind sie vermehrt aufgeführt. Auf regionaler und nationaler Ebene haben sich die Bibliotheken auf eine verstärkte Zusammenarbeit verständigt und jeweils regionale Arbeitsgruppen zur Informationskompetenz ins Leben gerufen, die unter dem Dach von www.informationskompetenz.de verbunden sind. Die gemeinsam von dbv und VDB gegründete Kommission Informationskompetenz gibt vielfältige Empfehlungen und Impulse zu allen zentralen Aspekten der Förderung von Informationskompetenz im Rahmen des deutschen Bibliothekswesens.

Nach dem Vorbild der Wissenschaftlichen Bibliotheken in den Vereinigten Staaten, in Australien und Neuseeland sollen die Kursangebote der Teaching Library an Standards der Informationskompetenz ausgerichtet sein, allerdings nicht schematisch oder starr, denn der prozesshafte und zirkulär-rekursive Charakter des Umfangs mit Information und Medien erfordert flexible Ansätze, einschließlich des kritischen Reflektierens über die eigene Informationskompetenz in ihrer Mehrdimensionalität (Metaliteracy). Beschrieben werden in den Standards vor allem die Phasen der Informationsbedarfserkennung, des Zugangs zur Information, der Bewertung, der effizienten Verwendung sowie der Berücksichtigung ökonomischer, rechtlicher und ethischer Aspekte der Information bzw. ihrer Nutzung.

Das Veranstaltungsangebot umfasst auf der grundlegenden Stufe vor allem Bibliothekseinführungen, auf der Vertiefungsstufe Einführungen in die Literaturrecherche mithilfe von Fachdatenbanken, in den Umgang mit E-Journals und E-Books sowie in die Möglichkeiten und Grenzen der Internetsuchmaschinen. Ergänzt wird dieses inhaltliche Spektrum vielfach durch Übungen zum wissenschaftlichen Schreiben, insbesondere zum korrekten Zitieren, zu rechtlichen Rahmenbedingungen der Informationsnutzung, ferner zur Informationsverarbeitung mit Literaturverwaltungssystemen, zum Forschungsdatenmanagement und zum Hervorbringen neuer Information (Schreiben, Publizieren, Kommunizieren).

Unterstützt oder auch partiell ersetzt werden solche Präsenzveranstaltungen der Teaching Library durch Online-Tutorials, durch Lern- oder Erklärvideos oder durch E-Learning-Kurse zur Informationskompetenz, die auf gängigen Lernplattformen (ILIAS, Moodle, OLAT, Stud.IP u.a.) verfügbar sind. Getragen wird das Lehrangebot der Bibliothek von den Fachreferent/inn/en und von den Bibliothekar/inn/en der Informationsabteilungen, in steigendem Ausmaß auch durch neu geschaffene Referate für Informationskompetenz (Teaching Librarians). Die Veranstaltungsformen erstrecken sich auf die Bibliotheksführung, kombiniert mit praktischen Übungen, auf die vorlesungsähnliche Einführung für Großgruppen, auf den Kurs mit Workshop-Charakter, auf die Semester- oder auf die Blockveranstaltung. Vielfach orientieren sich die Lehrveranstaltungen der Teaching Library an den Erkenntnissen der neueren Hochschul- bzw. der Unterrichtsdidaktik, die den aktivierenden Verfahren mit wirksamer Medienunterstützung, einschließlich selbstgesteuerter E-Learning-Lernphasen, den Vorzug vor den ausschließlich inputorientierten Lehrmethoden geben. Eine Bibliotheksdidaktik, die diese Anforderungen auf lerntheoretischer Basis reflektier und in ein differenziertes Rahmenkonzept für die Veranstaltungsplanung einmünden lässt, wurde von Hanke/Sühl-Strohmenger (2015) publiziert. Die räumlich-technische Infrastruktur der Teaching Library hat sich in den wissenschaftlichen Bibliotheken deutlich verbessert, denn heute stehen vermehrt Vortrags-, Schulungsräume bzw. -plätze und auch gut ausgestattete Lern-(Ressourcen)Zentren für das selbstgesteuerte Lernen zur Verfügung.

Neben den bislang erst vereinzelten intercurricularen Modellen existieren jedoch vorwiegend die extracurricularen (fakultativen) und die intracurricularen, also in Proseminare eingebundenen Angebotsformen der Teaching Library. Angesichts der knappen Zeit- und Personalkapazitäten an den meisten Hochschulbibliotheken gewinnt die Form der intracurricularen Einbindung von Angeboten der Teaching Library an Attraktivität, zumal dadurch auch der lernpsychologischen Erkenntnis Rechnung getragen wird, dass Übungen zur Informationskompetenz möglichst themen- und interessennah angesiedelt sein sollten.

Neuerdings bieten Wissenschaftliche Bibliotheken einen nachfrageorientierten Beratungsservice an (Beispiele: Wissensbar der SLUB Dresden, UB Coach der UB Erlangen-Nürnberg oder punktuelle Formate wie „Tricks & Tipps“) oder konzentrieren sich auf das „Kuratieren“ von Lern- oder Wissensräumen (Beispiele: UB Mannheim, KIT-Bibliothek Karlsruhe, UB Tübingen).

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Perspektiven der Teaching Library im deutschsprachigen Raum

Die Teaching Library dürfte aufgrund der durch Bildungsberichte, Lehrplan- und  Studienreformen günstigen Rahmenbedingungen, aber auch wegen der unbestrittenen Bedeutung, die den Schlüsselqualifikationen Informations- und Medienkompetenz für das Lebenslange Lernen zukommt, gute Realisierungschancen [auch] im deutschsprachigen Raum haben.

Allerdings bedarf es, angesichts knapper Personal- und struktureller Ressourcen, des verstärkten Einsatzes von E-Learning-Konzepten sowie der methodisch-didaktischen Fortbildung des Bibliothekspersonals. Zudem sind die nutzerorientieren Serviceangebote zur Unterstützung des eigenständigen Lernens in virtuellen wie physischen Bibliotheks- und Informationsräumen auszubauen.

Hilfreich im Zusammenhang dieser Bestrebungen könnte die Vernetzung der betreffenden Aktivitäten auf regionaler, nationaler und auch internationaler Ebene sein.

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Verfasser Text

Dr. Wilfried Sühl-Strohmenger, Freiburg i. Br., Lehrbeauftragter und freier Dozent, Seminare und Kurse zu den Themen Teaching Library, Informationskompetenz und Bibliotheksdidaktik, zahlreiche Veröffentlichungen. Home: www.informationskompetenz.org.

Text

Dr. Wilfried Sühl-Strohmenger

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