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Wer nutzt Öffentliche Bibliotheken - und wofür? Wer nutzt sie nicht - und warum?

Während Universitäts- und Hochschulbibliotheken in der Regel einen fest umrissenen Nutzerkreis haben - Studierende und HochschulmitarbeiterInnen in Lehre und Forschung - , richten sich Öffentliche Bibliotheken mit ihren Angeboten grundsätzlich an die gesamte Bevölkerung. Wer aber nimmt diese Angebot an? Wie bekannt sind die Bibliotheken und welcher Teil der Bevölkerung nutzt sie?

Drei große Studien beschäftigen sich mit diesen Fragen und liefern Ergebnisse.

2004 führte das Meinungsforschungsinstitut infas im Auftrag der Bertelsmann Stiftung eine repräsentative Studie zur Bibliotheksnutzung durch. Befragt wurden 2.500 Bürgerinnen und Bürger ab 14 Jahren nach der Bekanntheit der Bibliotheken, nach Häufigkeit und Art der Nutzung, sowie nach der Zufriedenheit mit den Angeboten der Bibliothek.

Im Jahr 2008 führte die Stiftung Lesen die repräsentative Studie "Lesen in Deutschland" durch, in der das Leseverhalten mit den Schwerpunkten "Lesen und Migrationshintergrund" und "Lesen am Bildschirm" untersucht wurde.

Die Studie des Deutschen Bibliotheksverbands (dbv) und des  Instituts für Lese- und Medienforschung der Stiftung Lesen unter der Förderung des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien "Ursachen und Gründe für die Nichtnutzung von Bibliotheken in Deutschland" liefert im Jahr 2012 erstmalig detaillierte, empirisch fundierte und flächendeckende Erkenntnisse über die Gruppe der Nichtnutzer und deren Gründe für die Nichtnutzung von Öffentlichen Stadtbibliotheken und Gemeindebüchereien.

"Ursachen und Gründe für die Nichtnutzung von Bibliotheken in Deutschland" 2012

Bibliotheken sind ein wichtiger Teil der außerschulischen Bildung und Lesekultur. Dennoch werden sie von vielen Erwachsenen in Deutschland nicht regelmäßig genutzt. Wo liegen die Ursachen und Gründe hierfür? Und wie können Bibliotheken ihre Rolle als Bildungsakteure aktiv erfüllen und Nicht(mehr)nutzer (wieder) von ihrem Angebot  überzeugen?

Antworten auf diese Fragen bietet die Studie des Deutschen Bibliotheksverbands (dbv) und des  Instituts für Lese- und Medienforschung der Stiftung Lesen unter der Förderung des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags, die am 26. April 2012 in Berlin vorgestellt wurde.

Die Studie "Ursachen und Gründe für die Nichtnutzung von Bibliotheken in Deutschland" liefert erstmalig detaillierte, empirisch fundierte und flächendeckende Erkenntnisse über die Gruppe der Nichtnutzer und deren Gründe für die Nichtnutzung von Öffentlichen Stadtbibliotheken und Gemeindebüchereien.

Sie untersucht Potentiale und bildet die Grundlage für eine erfolgreiche zielgruppenspezifische Ansprache der Nichtnutzer und ehemaligen Nutzer.

Studie: "Ursachen und Gründe für die Nichtnutzung von Bibliotheken in Deutschland"

Lesen in Deutschland 2008

Repräsentative Studie der Stiftung Lesen zum Leseverhalten mit den Schwerpunkten "Lesen und Migrationshintergrund" und "Lesen am Bildschirm"

 

Lust auf Lesen? infas-Studie 2004

Knapp 30% der BundesbürgerInnen sind Bibliotheksnutzer

(Quelle: infas/bix 2004)

Bibliotheken sind im öffentlichen Bewusstsein präsent. Immerhin 80 Prozent der Befragten geben an, die Öffentliche Bibliothek in ihrer oder der nächst größeren Gemeinde zu kennen. Die Kenntnis der Stadtbibliothek allein ist aber natürlich noch keine Garantie dafür, dass diese auch genutzt wird. Knapp 30 Prozent der Bundesbürger zählen zu den aktuellen Bücherei-Kunden, die die Bibliothek in den letzten zwei Jahren besucht haben. Für eine etwa ebenso große Anzahl liegt der Bibliotheksbesuch länger als zwei Jahre zurück. Fast jeder dritte Befragte kennt die Bibliothek zwar, hat die Einrichtung aber noch nie besucht.

Etwa zwei Drittel der aktuellen Nutzer verfügt über einen eigenen Leseausweis - das andere Drittel nutzt die Bibliothek als Lern- und Informationsort ohne etwas auszuleihen oder liest bei einem Familienmitglied mit.

Etwa 50% der Nutzer kommen mindestens einmal monatlich in die Bibliothek: knapp zehn Prozent davon zählen zu den besonders treuen Kunden und besuchen die Einrichtung mindestens wöchentlich. Die anderen knapp 40 Prozent nutzen die Bibliothek angelehnt an die übliche Leihfrist im Monatsrhythmus. Die Hälfte der Bibliotheksnutzer kommt deutlich seltener als monatlich.

Diese Daten ergänzen sich mit den Ergebnissen der Deutschen Bibliotheksstatistik: Im Jahr 2011 wurden in den Öffentlichen Bibliotheken insgesamt 125 Millionen Besuche gezählt und 380 Millionen Medien entliehen. Ca. 7,9 Millionen Menschen besaßen 2011 einen Bibliotheksausweis.

Bibliotheksnutzer: jung, bildungs- und medienorientiert

Die infas-Befragung weist auf ein Altersgefälle bei der Bibliotheksnutzung hin: 56% der unter-20-jährigen, die die Bibliothek kennen, nutzen sie auch, während dies mit zunehmendem Alter abnimmt bis hin zu 23% der über-65-jährigen, die Bibliothekskunden sind. Dieses Ergebnis deckt sich mit zahlreichen anderen Studien zur Bibliotheksnutzung:

In einer repräsentativen Studie der Stiftung Lesen wurde die Zusammensetzung der Bibliothekskundschaft im Jahr 1992 näher analysiert. Das Ergebnis: das Alterssegment unter 30 Jahren ist bei der Nutzung von Bibliotheken besonders stark vertreten. Bibliotheksnutzer sind in der Regel gut ausgebildet - ein großer Teil von ihnen hat Mittlere Reife, Abitur oder Studium. Vor allem zeichnen sie sich dadurch aus, dass sie intensive Mediennutzer sind: nicht nur Bücher, auch audiovisuelle und elektronische Medien sowie Radio nutzen sie mehr als der Durchschnittsbürger - nur beim Fernsehkonsum bleiben sie hinter dem Mittel zurück. Dieses Profil der Bibliotheksnutzer - etwas mehr Frauen als Männer, tendenziell eher jünger und gut gebildet, intensive Nutzung von Medien sowie kulturellen Angeboten aller Art - hat sich seither immer wieder bestätigt. Neben Büchern nutzen vor allem auch jüngere Bibliothekskunden das Internet ganz selbstverständlich.

Aus den Daten einer weiteren Studie der Stiftung Lesen im Jahr 2000 ergibt sich darüber hinaus, dass Bibliothekskundinnen und -kunden auch wesentlich mehr Bücher im Buchhandel kaufen als Menschen, die Bibliotheken nicht nutzen.

Dieses Profil bezieht sich auf erwachsene NutzerInnen - Kinder unter 14 Jahren wurden in beiden Studien nicht befragt. Sie machen jedoch einen beträchtlichen Teil der Bibliotheksnutzer aus: Laut Deutscher Bibliotheksstatistik waren 2008 knapp 25% der aktiven Bibliotheksnutzer, d.h. der Personen, die einen Bibliotheksausweis besitzen, unter 12 Jahre alt.

Sachliteratur ist am meisten gefragt

(Quelle: infas/bix 2004)

Die infas-Befragung von 2004 bestätigt den Trend zu einer intensiven Inanspruchnahme der Sachliteratur in den Bibliotheken. 57 Prozent der Bibliothekskunden entleihen Fachbücher. Alle anderen Mediengruppen werden seltener genannt. An zweiter und dritter Stelle liegen Romane mit 47 und Kinderbücher mit 36 Prozent. Aber auch neue Medien weisen relativ hohe Anteile auf. So werden DVDs bereits von jedem achten Kunden nachgefragt. Nur geringfügig höher liegen Videos und CD-Roms.

Hohe Nutzerzufriedenheit mit Beratung und Atmosphäre

(Quelle: infas/bix 2004)

Bei einer Bewertung unterschiedlicher Aspekte des Angebots geben die Bibliothekskunden ihrer Bücherei unterschiedliche Noten. Gut schneiden die Erreichbarkeit, die Räumlichkeiten und die Kompetenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort ab. Allerdings bewerten weniger als 70% der Befragten die Aktualität des Medienangebots bei Sachliteratur und Schöner Literatur, mit gut oder sehr gut; bei den Öffnungszeiten liegt dieser Anteil sogar unter 50%. Hier besteht also Verbesserungsbedarf.

Eine Besucherbefragung aus Baden-Württemberg bestätigt diese Ergebnisse: die Befragten im "Ländle" beurteilten zu 86% die Beratungskompetenz und die räumliche Atmosphäre ihrer Bibliotheken als "gut" oder "sehr gut". Auch hier äußerten die Befragten den Wunsch nach stets neuen, aktuellen Medien.

Weiterführende Links und Literatur

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