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Interkulturelle Bibliotheksarbeit

Eine hohe gesellschaftliche Diversität und interkulturelle Vielfalt gehören zum  Alltag unserer Gesellschaft: Längst hat Deutschland sich zu einem Einwanderungsland entwickelt. Diese Wirklichkeit spiegelt sich auch im Selbstverständnis von Bibliotheken, ihren Aufgaben und Funktionen wider. Als Informations-, Kultur- und Bildungseinrichtung leisten Bibliotheken einen zentralen Beitrag, damit sich unsere Gesellschaft auf die Chancen und Herausforderungen einstellen kann, die durch eine von Vielfalt geprägte gesellschaftliche Realität entstehen. Im Sinne des interkulturellen Aspekts von Bibliotheksarbeit lassen sich vier grundsätzliche Punkte festhalten:

  • Bibliotheken ermöglichen Zugang zu Informationen: Newcomer unserer Gesellschaft müssen sich in ihrer neuen Umwelt orientieren und zurechtfinden. Dafür benötigen sie vielfältigste Informationen: Wo finde ich aktuelle Informationen zum Wohnungs- und Arbeitsmarkt? Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen, um hier zu studieren? Wo kann ich tägliche Nachrichten über Politik, Land und Leute (auch in meiner Muttersprache) finden? Der Informationsbedarf von Neuankömmlingen ist hoch und divers.
    Interkulturelle Bibliotheksarbeit richtet sich jedoch nicht nur an Menschen mit Migrations- oder Fluchterfahrung, sondern an Alle, auch die Alteingesessenen: Welche Sprache spricht man in den Herkunftsländern der Newcomer? Wo erfahre ich mehr (idealer Weise in deutscher oder zumindest englischer Sprache) über die Politik, Land und Leute in den Herkunftsländern? Ob analog oder digital: Bibliotheken und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehören zu den ersten Anlaufstellen und sind fachlich kompetente Ansprechpartner diese Informationen zu finden und bereitzustellen.

  • Bibliotheken bilden für Alle die Brücke zwischen den Kulturen: Bibliotheken zählen zu den wenigen öffentlichen Orten, in denen sich sämtliche gesellschaftliche Milieus unabhängig von ihren diversen Hintergründen willkommen fühlen: Eine wesentliche Voraussetzung, um Begegnungen zu ermöglichen und einen Dialog über die unterschiedlichen kulturellen Errungenschaften, Wertevorstellungen und Lebensweisen zu beginnen, die in unserer Gesellschaft aufeinandertreffen.
    Ob über die schöne Literatur, Kochbücher, Filme oder Musik: Bibliotheken sind sowohl analog als auch digital der zentrale Ort, möchte man mehr über die Kultur des jeweils anderen in Erfahrung bringen. Bibliotheken sind damit auch bedeutend, um Fremdenhass vorzubeugen und Vorurteile abzubauen.
    Durch ihre Bestände und durch ein vielfältiges kulturelles Veranstaltungsprogramm bieten Bibliotheken immer wieder die Möglichkeit, sich zu begegnen und von der Kultur des Anderen zu lernen – nicht zuletzt auch, um die Erwartungen, Ängste und Sorgen der jeweils anderen zu verstehen. 

  • Bibliotheken ermöglichen individuelle Bildung und Kompetenzstärkung: Für das Gelingen einer funktionierenden Einwanderungsgesellschaft werden vielfältigste Kompetenzen benötigt, für deren Bildung Bibliotheken unerlässlich sind. Bibliotheken unterstützen etwa auf vielfältige Weise sowohl Newcomer als auch Alteingesessene jeden Alters bei der Bildung von Sprachkompetenzen – die wesentliche Grundvoraussetzung für jeglichen Dialog zwischen den Kulturen.
    Es gehört ferner zur klassischen Aufgabe einer Bibliothek, jene Kompetenzen zu stärken und zu fördern, die zur Findung und kritischen Beurteilung von Informationen aller Art benötigt werden. In diesem Sinne können Bibliotheken z.B. fremdsprachige Führungen in ihren Häusern anbieten oder mehrsprachige bzw. mehrschriftlich codierte OPACs, die beispielsweise auch eine Recherche in kyrillischer oder arabischer Schrift ermöglichen.
    Bibliotheken leisten aber auch Hilfestellung, um die Logik der in Deutschland gängigen bibliothekarischen Systematiken zu verstehen – denn jegliche Ordnungsvorstellung ist immer auch kulturell vorbedingt und erschließt sich einem nicht automatisch.

  • Diversity-Kompetenzen erweitern: Zu einer von Vielfalt geprägten sozialen Realität gehört auch der Umstand, dass sie sich in einem ständigen Wandel befindet. Das Personal von Bibliotheken muss sich folglich immer wieder anpassen. In diesem Sinne nehmen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an interkulturellen Trainings teil und stärken selbst ihre Mehrsprachlichkeit, sowohl durch gezielte Fortbildungen und Workshops als auch durch Webinare.