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"Social inclusion"-Programme Öffentlicher Bibliotheken

"Anstoß - Ein Buch für jeden Schulanfänger" (Stadtbibliothek Nürnberg)

Öffentliche Bibliotheken können in Kooperation mit anderen gesellschaftlich wichtigen Partnern (Krankenhäuser, Bürgerämter, Schulen) über niederschwellige flächendeckende Angebote auch eher bildungsferne Schichten erreichen und damit ihrem Anspruch, vom Neugeborenenalter an erfolgreiche Leseförderungsaktionen zu initiieren, gerecht werden. „Social inclusion“-Programme Öffentlicher Bibliotheken sind etwa „Buchstart“, für den es in Deutschland lokale Initiativen wie bundesland- und bundesweite Initiativen gibt, Lesetüten-Aktionen für Schulanfänger, flächendeckende Vorleseaktionen zum „Tag des Vorlesens“ oder bibliothekarische Spiralcurricula.

"Bookstart" / "Buchstart"

"Buchstart" will mit Hilfe von Lesestart-Sets Eltern und Erzieher/innen ermuntern, Kinder frühzeitig an Bücher und Lesen heranzuführen. Die Initiative, 1992 in Großbritannien begründet, 1995 in den USA aufgegriffen und inzwischen in zahlreichen Staaten, seit 2008 auch in der Schweiz, verbreitet, geht davon aus, dass mit dem Vorlesen und Betrachten von Büchern nicht früh genug angefangen werden kann. Hier werden Grundlagen für lebenslange Lesefreude, vielfältige Lernchancen und kulturelles Interesse gelegt. Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass die "Buchstart"-Kinder bei der Einschulung bessere sprachliche, mathematische und soziale Leistungen bringen.

Buchstart in Deutschland: lokale Initiativen

Stadtbibliothek Brilon als Startpunkt der deutschen "Bookstart"-Projekte mit Briloner Bücherbabys in Kooperation mit der Geburtsstation des Briloner Krankenhauses (Start Januar 2006); alle Mütter, die in Brilon ein Kind zur Welt bringen, erhalten ein Lesestart-Paket mit ersten Informationen zur frühen Sprachförderung, einem ersten Bilderbuch und der Briloner Leselatte. Außer in Krankenhäusern werden Buchstartprogramme in einigen Städten in Kooperation mit den Bürgerämtern/Einwohnermeldeämtern durchgeführt, etwa in Hamm/Westfalen. Mehrere deutschen Bibliotheken bieten - dem britischen Vorbild entsprechend - mehrere aufeinander aufbauende Stufen des "Buchstart"-Programms an (Stadtbibliothek Brilon, Stadtbücherei Wittlich). In mehreren deutschen Bibliotheken sind die Informationsmaterialien für die Eltern mehrsprachig (9 Sprachen in Hamm/Westfalen und 16 Sprachen in Nürnberg abgefasst.

Buchstart in Deutschland: Initiativen der Bundesländer und des Bundes

Mit Anspruch auf Flächendeckung gibt es (Stand September 2008) "Buchstart"-Programme auf der Ebene der Bundesländer in zwei Flächenstaaten (Sachsen als erstes Modellprojekt seit November 2006, Bayern seit Juni 2008) sowie in den beiden Stadtstaaten Hamburg (seit Januar 2007) und Bremen (seit Juni/Juli 2008). Bundesweit startete Ende Mai 2008 die Initiative Lesestart. Die Lese-Initiative für Deutschland, initiiert von der Stiftung Lesen, mit dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (bvkj e.V.), dem Bundeselternrat und der Deutsche Paritätischen Wohlfahrts-Gesamtverband als Sozialpartner.

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Lesetüten-Aktionen für Schulanfänger

Die Stadtbücherei Hamm fungierte als Vorreiter vergleichbarer Programme in Deutschland (seit 2004: "Eine besondere Erfindung Hammer Art ist für mich die ABC-Tüte, die hier alle Erstklässler geschenkt bekommen: eine Tüte gefüllt mit einem Buch und anderen Leseanreizen, finanziert durch Sponsoren."; Laudatio zur Verleihung des Preises "Bibliothek des Jahres 2005" an die Stadtbüchereien Hamm vom Leiter der Staatskanzlei NRW Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff, Hamm, 24.10.2005.)

Die Hammer Initiative hat eine Reihe von Nachfolgern gefunden, besonders in den Reihen der Mittel- und kleineren Großstädte, z.B. in Heilbronn, Ingolstadt oder Sprockhövel. Zumindest teilweise werden Elterninformationen zur Bedeutung des Vorlesens und Lesens den Lesetüten auch in den lokal wichtigen Migrantensprachen zugefügt (z.B. in Hamm russisch und türkisch, in Celle englisch, kurdisch, russisch und türkisch). (Links zu den fremdsprachigen Texten: siehe Sprachenportal). 

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