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Die "Internationale Bibliothek" in Frankfurt am Main
Die Stadtbücherei Frankfurt am Main besteht als großstädtisches Bibliothekssystem aus der Zentralen Erwachsenenbibliothek mit Musikbibliothek, der Zentralen Kinder und Jugendbibliothek, 4 Bibliothekszentren, 13 Stadtteilbibliotheken und der Fahrbibliothek. Darüber hinaus versorgt die Schulbibliothekarische Arbeitsstelle ein gutes Drittel der Frankfurter Schulen. Mit gut 1,2 Millionen Besuchen pro Jahr ist die Stadtbücherei die am besten besuchte städtische Einrichtung in Frankfurt. Vor allem bei Veranstaltungen stehen Kinder bzw. Schülerinnen und Schüler als Hauptzielgruppe deutlich im Mittelpunkt. Weitere Schwerpunkte der Stadtbücherei bilden traditionell Veranstaltungen sowie interkulturelle Angebote.
Als Kooperationspartner sind hier vor allem das Frankfurter Amt für Multikulturelle Angelegenheiten (AmkA), die VHS, das Netzwerk LUQ und zahlreiche Institutionen, Kulturvereine etc. zu nennen.
Der Aufbau der "Interkulturellen Bibliothek" seit 2002
Im Rahmen der Profilierung der Stadtteilbibliotheken der Stadtbücherei Frankfurt am Main wurden seit 2002 die Dienstleistungen für ausländische Bürgerinnen und Bürger weiter ausgebaut:
- Am 23.4.2002
wurde in der Stadtteilbibliothek Gallus im Rahmen des Internationalen Bibliotheksstipendiums die "Internationale Bibliothek" eingerichtet und seither kontinuierlich weiterentwickelt. Dazu gehören:- Medienbestand zum Thema "Deutsch lehren - Deutsch lernen" (DaF-Sprachkurse, Wörterbücher, leichte Lesestoffe, Übungsbücher) und Selbstlernplätze
- Modellhafte Bibliothekseinführung für Migranten mit dem "Zauberwürfel", entwickelt in Zusammenarbeit mit dem AmkA; Integration der Einführungen in den Lehrplan der Orientierungskurse des AmkA für ausländische Neufrankfurter
- Seit 2002
finden Kurse unserer Partner in der StB Gallus statt.
- Seit 2003
In Zusammenarbeit mit der VHS wurde die Zielgruppe auf lesenlernende Migranten erweitert: seit 2003 finden in der Bibliothek VHS-Alphabetisierungskurse für Einwanderer statt; Aufbau eines kleinen Alphabetisierungsbestandes; Modifikation der Bibliothekseinführung
- Seit September 2003
bietet auch das Bibliothekszentrum Höchst die in der Stadtteilbibliothek Gallus entwickelten Services für Migranten an.
- Mitarbeiterseminare zur Vermittlung von interkulturellen Kompetenzen
- Fachvorträge im In- und Ausland fördern den innerdeutschen und internationalen Austausch; Beiträge in Fachzeitschriften (z. B. BuB, Handbuch KulturManagement) machen die Angebote in Fachkreisen bekannt; ein bibliothekarischer Fachaustausch zwischen der Stadtbücherei Frankfurt und Bibliotheken in Genua bzw. Bozen fand 2004 statt.
- 2004:
USable-Ideenpreis der Körber-Stiftung für das Projekt "Bibliotheksservices für die Alphabetisierung von Migranten"
- 15.6.2005:
Eröffnung des PC-Lernstudios zur Alphabetisierung in der Stadtteilbibliothek Gallus: Es bietet 6 Computer mit Software zur Alphabetisierung, zum Deutsch Lernen sowie mit Schreibprogrammen; zudem auch einen multimedialen Medienbestand zur Alphabetisierung, z. B. Bildwörterbücher, Lernspiele, Lehr- und Lernmaterialien (ca. 200 ME).
- 2005-2006:
Teilnahme am internationalen Projekt "Libraries as Gateways to the integration of immigrants", Teil des EU-Programms: INTI (Integration of third country nationals), Koordinator: Multicultural Center Prague, Partner: SKIP_R (Tschechische Republik), DNLA - Danish National Library Authority (Dänemark), Stadt Frankfurt am Main - Stadtbuecherei Frankfurt am Main, Villa Decius Association (Polen), Gemeentebibliotheek Utrecht (Niederlande), Swedish School of LIS/Boras-Gothenburg (Schweden).
- 2006:
Birgit Lotz Mitglied in der neugegründeten dbv-Expertengruppe "Interkulturelle Bibliotheksarbeit"
Ziele der Internationalen Bibliothek bzw. des PC-Lernstudios
- Ermöglichung und Förderung der aktiven Teilhabe und Teilnahme an der Gesellschaft über den Erwerb der deutschen Sprache bzw. der Schreib- und Lesefähigkeit, insbesondere für die Gruppe der Analphabeten unter den Migranten
- Verknüpfung des Deutsch- bzw. Lesenlernens mit der Vermittlung von Medienkompetenz
- Übung der selbständigen Mediennutzung anhand eines auf die Bedürfnisse der Zielgruppe zugeschnittenen Bestandes
- Bekämpfung des Digital Divide, des sog. "Onliner-Offliner-Gap", durch die Verbindung von Deutsch- bzw. Lesenlernen mit der Computernutzung
- Abbau von Schwellenängsten zur Bibliotheksbenutzung
- Die Bibliothek als Lern- und Kommunikationsort, der auch nach dem Ende eines lehrergestützten Kurses weiter genutzt werden kann (lebenslanges Lernen)
- Durch Vernetzung der Bildungsarbeit unterschiedlicher Institutionen und Kooperationspartner erhalten die Lernenden Zugang zu den unterschiedlichsten Lernmöglichkeiten, die sie je nach individuellen Bedürfnissen nützen können
Ausgewählte Literatur
- Birgit Lotz (2002): Die internationale Bibliothek. Von New York nach Frankfurt, Gütersloh, Bertelsmann Stiftung 2002
- Birgit Lotz und Silke Schumann (2003, 15. Oktober): Die internationale Bibliothek - Implementation im Rahmen des Internationalen Bibliotheksstipendiums der Bertelsmann Stiftung und BI International
- Birgit Lotz und Silke Schumann (2004): Neue Ideen aus Queens für Mainhattan, Von New York nach Frankfurt am Main: Die "Internationale Bibliothek" kommt bei Migranten gut an.
In: BuB, Forum für Bibliothek und Information, 56 (2004),1. S. 30 - 35.
- Birgit Lotz und Silke Schumann (2004): Multikulturelle Bibliotheksarbeit: Die "Internationale Bibliothek" in der Stadtteilbibliothek Gallus der Stadtbücherei Frankfurt am Main.
In: Handbuch KulturManagement, B 4.15, S. 1 - 29
- Birgit Lotz (2007): Die Bibliothek als Lernort für Migrantinnen und Migranten - das PC-Lernstudio zur Alphabetisierung im Rahmen der Internationalen Bibliothek.
Vortrag beim 3. Leipziger Kongress für Information und Bildung.
http://www.opus-bayern.de/bib-info/volltexte/2007/361/
