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Jugendbibliotheken

Zielgruppe

Die Zielgruppe ist für Bibliotheken schwer zu greifen, ihre Bedürfnisse sind inhomogen. Jugendliche suchen Informationen für die Schule, z.B. für Referate und Hausarbeiten. Sie sind aber auch Angehörige verschiedener Jugendszenen und -Stile mit schnell wechselnden Vorlieben. Sie suchen 

  • Medien für Schule und Freizeit
  • Medien, die aktuell und "trendy" sind
  • einen öffentlichen Raum, um sich mit anderen zu treffen

Beispiele der Gestaltung von Jugendbibliotheksarbeit

In neueren Konzepten ist die Jugendbibliothek konsequent von der Kinderbibliothek getrennt und befindet sich in der Nähe zum Erwachsenenbestand oder als räumlich eigenständige Bibliothek.
Der Bestand orientiert sich an den Interessen der Jugendlichen und hat einen hohen Anteil an Non-Printmedien. In der Jugendbibliothek der Städtischen Bibliotheken Dresden (medien@age) setzt sich der Bestand aus 50% Print- und 50% Nonprint-Medien zusammen. Eine moderne Internet- und Multimedia-Ausstattung gehört ebenso zum Standard.

Inzwischen üblich sind Jugendbereiche wie die "Jump-Bereiche" in Stuttgarts Zweigstellen. Eigene Jugendbibliotheken entstanden z.B. in Dresden und Hamburg:

Die ekz bietet "freestyle" an - eine Jugendbibliothek "von der Stange". Sie ist das Resultat eines Projektes mit den Stadtbibliotheken Düsseldorf und Mönchengladbach.

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Veranstaltungsangebote

Voraussetzungen: 
  • freiwillige und selbstbestimmte Teilnahme ermöglichen
  • Berücksichtigung der Freizeitinteressen und der Eventkultur
  • Ideen und Vorstellungen Jugendlicher aufgreifen und sie beteiligen (Teenage Councils, Fokusgruppen, Medieneinkaufsgruppen)
  • Veranstaltungsarbeit im Netzwerk der örtlichen Jugendeinrichtungen

In erster Linie soll durch die Programmarbeit eine Identifikation der Jugendlichen mit der Bibliothek und deren Angeboten erreicht werden.

Angebote für Schüler:
  • Schulung von Recherche- und Informationskompetenz
  • Ausbildung von Tutoren, Mediatoren (buddy system, information scouts) 
  • Hausaufgabenhilfe, Homework-Center
  • Autoren (Filmemacher, Journalisten) im Gespräch
Angebote für Lehrer:
  • Klassenführungen, z.B. nach den Modellen "Bibliotheksgalaxis" und "Thema, Stoff und Recherche"
  • Unterstützung bei fächerübergreifenden, medienpädagogischen Projekte (Projekttage)
Angebote für Freizeit und Hobby:
  • Basisbedürfnisse: eigener Raum, Musik, Essen und Trinken (!)
  • Festivals (Medientage, Comicwochen, Talenteshows ...) 
  • Lese- und Mediennächte 
  • Medienproduktion: Internet-Reporter, Schreibwerkstätten
  • Discos und Parties (auch themenbezogen), Poetry-Slam
  • Computer-Spiele: Online oder im Netzwerk, z.B. LAN-Parties
Angebote für die Berufsfindung und Lebensorientierung:
  • Infotheken, Infoveranstaltungen über berufliche Orientierung 
  • Foren zu jugendspezifischen Themen 
  • Messen zu Berufsbildern, Workshops zu Strategien für den Erfolg in der Schule

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Modellprojekte der dbv-Kommission mit finanzieller Unterstützung des Bundespräsidenten a.D.

Im Herbst 2009 konnten zwei Bibliotheksprojekte für Jugendliche finanziell gefördert werden. Der Bundespräsident a.D. Horst Köhler spendete die Hälfte der Erlöse aus dem Benefizkonzert in Hamburg 2009 dem Deutschen Bibliotheksverband für zwei Projekte, mit denen sich der Verband beworben hatte.

Das erste geförderte Projekt sind die »Medienboxen für Jugendliche«, die im Rahmen von »Deutschland liest. Treffpunkt Bibliothek« vom 6. bis 13. November 2009 an 30 Bibliotheken übergebenwurden. Die dbv-Kommission Kinder- und Jugendbibliotheken erarbeitete aus diesem Anlass eine umfangreiche Empfehlungsliste aktueller Titel für Jugendliche im Alter von 12 bis 16 Jahren.

Das zweite Projekt, das vom Erlös des Benefizkonzertes des Bundespräsidenten a.D. profitiert, ist die deutschlandweite Ausbreitung des Sommerleseclubs.

Weitere Informationen (pdf)

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Studie zum Image von Bibliotheken bei Jugendlichen

Im November 2012 ist die Studie „Das Image von Bibliotheken bei Jugendlichen – Empirische Befunde und Konsequenzen für Bibliotheken“ von Professor Kerstin Keller-Loibl (HTWK Leipzig) erschienen. Die Publikation ist das Ergebnis eines Forschungsprojektes der Jahre 2010 bis 2012, in dem eine groß angelegte Befragung im sozialen Netzwerk SchülerVZ mit 1440 befragten Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren sowie ca. 30 qualitative Gruppeninterviews mit insgesamt mehr als 100 Jugendlichen in Schulen und Freizeitzentren durchgeführt wurden. Ziel der Untersuchungen war, das aktuelle Image von Bibliotheken bei Jugendlichen zu erheben, um auf dieser Grundlage Handlungsempfehlungen geben zu können.

„Die Medienlandschaft und das Mediennutzungsverhalten verändern sich, Bücher sind nur noch ein Medium unter vielen. Bibliotheken dürfen angesichts dieser Entwicklung nicht stehenbleiben“, so Professor Kerstin Keller-Loibl, die an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK Leipzig) im Bereich Bibliotheks- und Informationswissenschaft lehrt und forscht. Ein Ergebnis der Studie ist, dass Bibliotheken nur bedingt den Anforderungen und Wünschen der heranwachsenden Generation entsprechen: „Viele Jugendliche finden dort ihre medialen Gewohnheiten und Freizeitinteressen nicht oder nur zum Teil wieder. Für sie sind die Selbstinszenierung und die Meinung von Freunden sehr wichtig. Wird die Bibliothek als ein Ort wahrgenommen, an dem man sich wohlfühlt und der zum Selbstimage passt, dann wird sie auch genutzt. Daher ist die Aufenthaltsqualität einer der entscheidenden Faktoren für das Bibliotheksimage“, erklärt Keller-Loibl. Jugendliche wollen sich länger in der Bibliothek aufhalten, gemeinsam mit Freunden die Medien vor Ort nutzen, lesen und spielen. Die Einrichtung sollte modern sein und sich an den Einrichtungsvorlieben Jugendlicher orientieren: „Deshalb sollten Bibliotheken nicht nur ihren modernen Medienbestand besser kommunizieren, sondern auch mit dem Ort „Bibliothek“ als modernem Freizeit-, Lern- und Erlebnisort jugendliche Nutzer gewinnen.“

Über die Bedeutung von Bibliotheken sind sich die Jugendlichen einig: Die Mehrheit hält Bibliotheken auch in Zeiten des Internets für notwendig. „Vor allem die bisherigen Bibliotheksnutzer empfinden Angebot und Ausstattung als gut. Sie sind eher skeptisch bei Angeboten, die nicht mit dem Lesen und der Begegnung mit Literatur verknüpft sind“, so Keller-Loibl. „Negativ-Images sind eher bei jugendlichen Nichtnutzern festzustellen, insbesondere der jüngeren Altersgruppe.“ Der sogenannte „Leseknick“, also der Bedeutungsverlust der Freizeitbeschäftigung „Lesen“ im Alter von ca. 13 bis 14 Jahren, wirkt sich auch auf die Bibliotheksnutzung aus: „In diesem Alter gehen Bibliotheken viele Leser verloren, die sie später nur schwer wiedergewinnen. Hier müssen wir ansetzen und neue Nutzungsanreize schaffen“, so Professor Keller-Loibl. „Das war der Auslöser, sich gerade mit dieser Altersgruppe zu beschäftigen.“

Titelangabe:

Keller-Loibl, Kerstin: Das Image von Bibliotheken bei Jugendlichen. Empirische Befunde und Konsequenzen für Bibliotheken. Bad Honnef: BOCK+HERCHEN 2012, 252 S, ISBN: 978-3-88347-292-8

 

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Literatur

Cover Handbuch

Handbuch zur Kinder- und Jugendbibliotheksarbeit

Erstmals liegt ein umfassendes Nachschlagewerk zur Bibliotheksarbeit mit Kindern und Jugendlichen vor. Anhand zahlreicher Beispiele aus der Praxis werden Entwicklung, Stand und Zukunftsperspektiven einer erfolgreichen Kinder- und Jugendbibliotheksarbeit in Deutschland aufgezeigt sowie Standards und künftige Aufgabenfelder definiert. Die Publikation stellt darüber hinaus 16 Best-Practice-Beispiele aus deutschen Bibliotheken vor, die zur Nachahmung anregen sollen. Ein umfangreicher Anhang mit weiterführenden Informationsmitteln, Adressen und Ansprechpartnern sowie zahlreiche, teils farbige Fotos bereichern dieses Werk.

Herausgegeben von Kerstin Keller-Loibl im Auftrag der Expertengruppe Kinder- und Jugendbibliotheken des Deutschen Bibliotheksverbandes e.V.

Vollständige Titelangabe:

Keller-Loibl, Kerstin: Handbuch Kinder- und Jugendbibliotheksarbeit / Kerstin Keller-Loibl. Im Auftr. der Expertengruppe Kinder- und Jugendbibliotheken des Deutschen Bibliotheksverbandes e.V. hrsg. - Bad Honnef : BOCK + HERCHEN, 2009. - 326 S. : Ill.
ISBN 978-3-883-47268-3

Inhaltsverzeichnis


Keller-Loibl, K. : Kinder- und Jugendbibliotheken in Deutschland.
Ist-Stand und Zukunftsperspektiven. In: Ein neuer Blick auf Bibliotheken. Deutscher Bibliothekartag in Erfurt 2009. Hrsg. v. U.
Hohoff und C. Schmiedeknecht. Hildesheim, Zürich, New York: Georg Olms Verlag, 2010, S. 213–224


Keller-Loibl, K. : Bibliotheksarbeit mit Jugendlichen. Neue Herausforderungen und Chancen im 21. Jahrhundert. In: Büchereiperspektiven. For  you(th)! Bibliotheken für Jugendliche. – Wien,  2/2011, S. 2-7.
Auch als Online-Ressource verfügbar:
http://www.bvoe.at/~publikationen/perspektiven/bp2_11/2_7.pdf


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Weiterführende Informationen

  • Bibliotheksarbeit für Jugendliche. Entwicklung und Erprobung neuer Konzepte.
    Bd.3: Konzepte, Erfahrungen und Nebenwirkungen eines Projektes. Bearb. v. Ilona Glashoff und Rita Schmitt. Berlin 1997. DBI-Materialien 162
     
  • Büchereiperspektiven. For you(th)! Bibliotheken für Jugendliche, 2/11, Wien 2011

    http://bvoe.at/Serviceangebote/Buechereiperspektiven/

  • Palmer-Horn, Ute: Angebote für Jugendliche. In: Lesen fördern in der Welt von morgen. Gütersloh Verlag Bertelsmann-Stiftung 2000
  • Jugendbibliothek. Alter Gedanke - Neue Ideen. Broschüre, ekz 2003

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