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Digitale Dienstleistungen von Bibliotheken

Bibliotheken gehören heute zu den wichtigsten öffentlichen Einrichtungen, die sich der Versorgung mit digitalen Informationen und der Überwindung des digitalen Grabens widmen. Dieser Graben öffnet sich immer dort, wo Menschen in der Wissensgesellschaft vom wichtigen Rohstoff 'Information' abgeschnitten sind. Dabei ist Information aber keine Ware, die man besitzt oder nicht besitzt, sondern eine Ressource, deren Zugang man sich erst erschließen muss, auch wenn man den Anschluss an das Internet schon längst hat. Bereits seit den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts bieten Bibliotheken in Deutschland in diesem Sinne digitale Ressourcen und Dienstleistungen an. Konzentrierte man sich zunächst auf Kataloge und Bibliographien, so wird heute die gesamte Fülle digital verfügbarer Informationen angeboten. Deshalb spricht man heute auch oft von der Digitalen Bibliothek, wenn man nicht nur gedruckte Bücher, sondern auch die vielfältigen digitalen und multimedialen Angebote von Bibliotheken im Blick hat.

Digitale Dienstleistungen im Überblick

Anschluss und Zugang zum Internet

Internet-Anschluss

Das Basisangebot der Digitalen Bibliothek ist natürlich der Anschluss an das Internet, der heute in fast allen Bibliotheken zur Verfügung steht. Als angemeldeter Benutzer kann man meist unproblematisch einen entsprechenden Rechner finden. Zusätzlich verbreiten sich in immer mehr Bibliotheken auch drahtlose Netzwerke, die einen Internetzugang mit dem Laptop erlauben. Waren die Computerarbeitsplätze früherer Jahre meist sehr nüchtern und technisch ausgestattet, so existieren heute ansprechende Räume wie Internetcafés und Laptop-Arbeitsbereiche. Auch gemeinsames Arbeiten und Surfen im Netz ist vielerorts möglich.

Hilfestellung bei der Suche nach Informationen

Für ungeübte Benutzer werden zunehmend altersgerechte Kurse angeboten, in denen man Grundlagen der Navigation im Internet und den Umgang mit den wesentlichen Anwendungen kennen lernen kann. Die für die eigenen Bedürfnisse richtigen Informationen zu finden ist in der Masse der zur Verfügung stehenden Daten nicht immer einfach. Hilfestellung bei der Suche nach Informationen war schon immer eine der wichtigsten Tätigkeiten für Bibliothekarinnen und Bibliothekare und ist es im Informationszeitalter verstärkt. Neben dem Anschluss an das Netz sind die Bibliotheken mehr denn je bemüht, auch wirklichen Zugang zu vermitteln. Dabei geht es darum, möglichst alle verfügbaren Informationen möglichst allen Bürgerinnen und Bürgern frei zugänglich zu machen. Leider gelingt dies aber nicht immer kostenfrei.

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Elektronische Kataloge

OPACs

Die originär bibliothekarischen Informationen, die heute digital angeboten werden, sind Kataloge, auch Online-Kataloge oder OPACS genannt. Seit Beginn der elektronischen Erfassung und Bereitstellung von Daten zu den gedruckten und auch digitalen Beständen der Bibliotheken wurden quantitativ und qualitativ große Fortschritte gemacht. Der größere Teil der Bestände in deutschen Bibliotheken ist heute digital erfasst und weltweit abrufbar.

Unterstützung bei umfangreichen Recherchen

Die Suchfunktionen sind im Laufe der Zeit immer komfortabler geworden. Einfache, benutzerfreundliche Suchoberflächen, deren Bedienung sich ähnlich erschließt wie die bekannter Suchmaschinen sind heute der Standard. Trotzdem gilt auch weiterhin, dass immer noch nicht alle Bestände elektronisch erschlossen sind und dass eine Veröffentlichung, die man in elektronischen Katalogen nicht findet, nicht unbedingt unauffindbar sein muss. Nicht nur aus diesem Grund stehen Bibliothekarinnen und Bibliothekare bei Rechercheanfragen mit Rat und Tat zur Verfügung. Beinahe jede Bibliothek bietet in Schulungen zudem einen erweiterten Einstieg in die Benutzung dieser Informationsressourcen an, der auch wenige geübten Anwendern eine umfassende und tiefgehende Recherche ermöglicht.

Katalog-Anreicherung

Der Fortschritt der elektronischen Kataloge liegt zur Zeit unter anderem in der Anreicherung mit weiterem Datenmaterial und in der Kooperation mit Suchmaschinen. So finden sich in Zukunft verstärkt Informationen wie Inhaltsverzeichnisse, Abstracts oder auch Rankings der Leser und Empfehlungen inhaltlich verwandter Veröffentlichungen in den Trefferanzeigen. Andererseits werden in großen Suchmaschinen immer mehr Bibliotheksressourcen angezeigt.

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Verbünde und Metakataloge

Bibliotheks-Verbünde

Ein Meilenstein auf dem Weg zu umfassenden und komfortablen elektronischen Nachweisen war die sukzessive Schaffung von Verbünden für öffentliche und wissenschaftliche Bibliotheken. Gemeinsame Katalogisierung, die Übernahme von Katalogdaten aus anderen Verbünden und die Bereitstellung kooperativer Suchoberflächen für ganze Regionen bildeten hier die Basis für das breite und serviceorientierte Dienstleistungsangebot heutiger Tage. Die Kooperation im Verbund wie zum Beispiel dem Gemeinsamen Bibliotheksverbund (GBV) ermöglicht es auch kleinen Bibliotheken mit ihren vorhandenen Kapazitäten solche Angebote zu machen. Benutzer finden heute insgesamt relativ einheitliche Suchmasken und Ergebnisanzeigen, so dass sie auch in ihnen unbekannten Katalogen einfach navigieren können

Weitere große Kataloge

Mit dem Karlsruher Virtuellen Katalog (KVK) steht schon seit 1996 ein immer weiter ausgebauter Metakatalog zur Verfügung, der nicht nur die elektronisch erfassten Bestände nationaler Verbünde und Bibliotheken auffindbar macht, sondern auch Zugriff auf zur Zeit 33 internationale Kataloge und 6 Buchhandelsverzeichnisse bietet.

Ein weiterer wichtiger Katalog, der Bestände aus ganz Deutschland und darüber hinaus erfasst, ist die Zeitschriftendatenbank (ZDB). Ungefähr 1,2 Millionen Titel gedruckter und elektronischer Zeitschriften und Zeitungen seit dem Jahr 1500 sind in der ZDB erfasst. Sie greift dabei auf die Bestände von über 4.300 Bibliotheken zurück.

Elektronische Zeitschriften erfasst auch die Elektronische Zeitschriftenbibliothek (EZB). Sie bietet den Benutzern Informationen über die Bestände von 385 Bibliotheken an.

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Datenbanken

Bibliographische Datenbanken

Ein weiterer Bereich, in dem Bibliotheken schon sehr früh 'online' waren, ist der der Datenbankrecherche. Für die meisten Bibliotheken und ihre Kunden sind anfangs vor allem so genannte bibliographische Datenbanken sehr wichtig gewesen. Hier findet man Nachweise zu Veröffentlichungen über den Bestand der Bibliotheken hinaus und vor allem auch zu einzelnen Aufsätzen in Zeitschriften und Sammelbänden, die über die meisten elektronischen Kataloge nicht oder nur unvollständig recherchierbar sind. Viele bibliographische Datenbanken bieten nicht nur Informationen wie Schlagwörter und Abstracts an, sondern verfügen über ein System, mit dem man über einen entsprechenden Link auf den Volltext eines elektronischen Artikels zugreifen kann, wenn die entsprechende Zeitschrift in der Bibliothek lizensiert ist.

Ausbau des Datenbank-Angebots

Mittlerweile sind neben den bibliographischen alle möglichen Datenbankinhalte recherchierbar. Für den Benutzer sind diese Angebote immer komfortabler und kostengünstiger geworden. Gerade wissenschaftliche Bibliotheken wenden heute erhebliche finanzielle Mittel auf, um ihre Kunden mit entsprechenden Angeboten versorgen zu können. Welche Datenbanken zu welchen Konditionen zur Verfügung stehen, ist vom Profil und dem Budget der jeweiligen Bibliothek abhängig. Einige Angebote können von den angemeldeten Benutzern der Bibliothek vom heimischen Rechner aus genutzt werden, andere sind nur an den Computerarbeitsplätzen oder im Netz der jeweiligen Bibliothek nutzbar. Viele Bibliotheken bieten zur Erleichterung der Datenbankrecherche ein breites Beratungsprogramm von der intensiven Schulung bis zu Einzelberatung an.

Datenbank-Infosystem

Auch in diesem Bereich arbeiten Bibliotheken auf der Ebene der Verbünde und überregional zusammen, um den Service für ihre Kunden zu verbessern. So kann man über das Datenbank-Infosystem (DBIS) beinahe 8.000 Datenbanken in mehr als 200 Bibliotheken finden. Wie bei der EZB zeigt ein einfaches Ampelsystem dem Benutzer direkt an, ob die Datenbank zu den bald 2.888 frei verfügbaren gehört, in der Bibliothek vor Ort benutzbar oder nur in einer anderen Bibliothek lizensiert ist.

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Digitale Bibliotheken und Portale

Immer mehr Bibliotheken fassen ihre digitalen Serviceangebote in so genannten Digitalen Bibliotheken zusammen. Hierbei handelt es sich um Suchoberflächen, mit deren Hilfe man alle verfügbaren Ressourcen durchsuchen und sich Treffer in Listen mit Links zu Volltexten anzeigen lassen kann. Zusätzlich werden auch noch digitale Informationen zu einzelnen Fächern und Disziplinen angeboten. Dies reicht bis zu Online-Schulungsprogrammen wie zum Beispiel LOTSE, die Studierenden sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern umfassende Hilfestellung und Anleitung zur wissenschaftlichen Informationsrecherche geben.

Aufgrund der Fülle der Informationen und der Breite der Angebote sind Bibliotheken in den letzten Jahren immer mehr dazu übergegangen, Portale zu entwickeln, die Informationsressourcen nach regionalen oder inhaltlichen Gesichtspunkten zusammenfassen. So ist es in immer mehr Städten und Regionen möglich, die Bestände aller vor Ort vorhandenen Bibliotheken über eine Oberfläche zu durchsuchen, um einfach und schnell die lokale Bibliothek zu finden, die die gewünschte Information zur Verfügung stellen kann

Wissenschaftliche Fachportale

Inhaltliche Portale sind vor allem die wissenschaftlichen Fachportale, die meist von den Sondersammelgebieten angeboten werden. Mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) haben sich einige wissenschaftliche Bibliotheken im Bestandsaufbau bestimmter wissenschaftlicher Disziplinen auf die möglichst vollständige Sammlung der erscheinenden Literatur konzentriert. Da zu den wesentlichen Fachinformationen heute in allen Wissenschaften die elektronischen Ressourcen zählen, haben sich aus diesen Sammlungen Fachportale, so genannte Virtuelle Fachbibliotheken (ViFa) entwickelt. Je nach Profil und Angebotsbreite der virtuellen Fachbibliothek findet man hier neben den sorgfältig aufbereiteten und inhaltlich erschlossenen fachlichen Informationsressourcen noch weitere Angebote. In der Virtuellen Fachbibliothek Ethnologie (EVIFA) zum Beispiel eine Online-Schulung zur Informationsrecherche und aktuelle Termine und Stellenangebote aus der Wissenschaft.

Alle regionalen und fachlichen Sammelschwerpunkte sind in der Datenbank webis zusammengefasst.

Neuer Service: eBooks on Demand EOD

EOD ist ein Dokumentlieferdienst, mit dem man über das Internet vollständige elektronische Kopien von urheberrechtsfreien Büchern bestellen kann. 13 Bibliotheken aus acht europäischen Ländern haben diesen Service gemeinsam aufgebaut.

Seit Juni 2007 können die Nutzer der Staatsbibliothek in München Digitalisierungsaufträge erteilen – für jeden Band, der im Katalog des Bibliotheksverbundes Bayern mit einem EOD-Symbol gekennzeichnet ist.

www.books2ebooks.eu

eBooks on Demand: Die digitale Bibliothek wird real

E-Books und E-Journals in Bibliotheken

E-Books und E-Journals machen mittlerweile einen beträchtlichen Anteil der Bibliotheksbestände aus. So werden heute bereits 30% der gesamten Erwerbungsmittel wissenschaftlicher Bibliotheken für e-Medien ausgegeben (Quelle: dbs Datenposter 2009).

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Linksammlungen und vernetzter Auskunftsservice

Virtueller Auskunftsservice

Ein Service ist die elektronische Auskunft per E-Mail-Formular. Viele Bibliotheken bieten schon seit längerem die Möglichkeit, Auskunftsanfragen auch per E-Mail zu stellen. Die Kooperation bietet den Vorteil, dass die Beantwortung der Fragen schneller geht und die Anfragen direkt bei den entsprechenden Spezialisten landen, wenn man das Interessengebiet angibt.

Einen vernetzten Auskunftsservice mit kurzen Reaktionszeiten und direkten Expertenanfragen bieten immer mehr Bibliotheken und Verbünde an. Mittlerweile steht mit QuestionPoint sogar ein mehrsprachiges Angebot zur Verfügung, das den Benutzern die Möglichkeit bietet, Muttersprachler an 15 ausländischen Bibliotheken zu kontaktieren.

Link zu QuestionPoint der ZLB Berlin
 

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Die Zukunft der Digitalen Bibliothek

Global, regional und lokal stellen Bibliotheken schon heute eine Fülle von digitalen Serviceangeboten zur Verfügung, die den Kunden die Recherche von und den Zugang zu Informationen erleichtern sollen. Damit kommen sie ihrer zentralen gesellschaftlichen Aufgabe nach. Ergänzt werden diese Dienstleistungen zunehmend durch interaktive Angebote. Immer mehr Bibliotheken bieten zum Beispiel Weblogs an, die den Kunden die Möglichkeit geben, zu bestimmten Themen direkt Rückmeldungen zu geben. In der Interaktion von Bibliothekarinnen und Bibliothekaren mit ihren Kunden können produktive Netzwerke entstehen, die für alle Beteiligten einen geistigen und sozialen Raum innerhalb der unübersichtlichen virtuellen Welt schaffen.

Natürlich findet digitale Bibliothek heute nicht nur im Internet statt. Bibliotheken sind reale Orte der Begegnung und des Austauschs zwischen Individuen, die in der globalisierten Wissensgesellschaft zunehmend an Bedeutung gewinnen. In ihren Räumen bieten sie neben den klassischen Medien und der ganzen Fülle der beschriebenen digitalen Angebote auch Bereiche zum Lernen, zum Arbeiten, zur Kommunikation und zur Entspannung an. Diese einfach zugänglichen, lokal bezogenen Räume sind gerade im Zeitalter der Digitalisierung für Menschen mindestens so wichtig, wie der freie Zugang zur weltweiten Information.

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Text

Olaf Eigenbrodt