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Digitalisierung

Das Weltwissen - digital?

Nachdem sich Bibliotheken bis Anfang der 1990er Jahre darauf konzentrierten, ihre Kataloge, d.h. die Verzeichnisse ihrer Bestände, in elektronischer Form anzubieten, ermöglichen technische Entwicklungen mittlerweile die Digitalisierung der Objekte – Bücher, Zeitschriften, Bilder, Karten, Handschriften etc. – in signifikanten Größenordnungen.

Auch wenn wir heute von der Vision der vollständigen Digitalisierung allen Kulturguts und aller Wissenschaftsinformationen noch ein gutes Stück entfernt sind – bisher liegen erst ca. 1 % der Gesamtmenge in digitalen Repräsentationen vor – ist die Schaffung einer "kritischen Masse" digitalisierter Objekte in greifbare Nähe gerückt. Die rasante Entwicklung von Speicherkapazitäten, Scan-Technologien und entsprechender Software, z.B. automatische Schrifterkennung (OCR – Optical Character Recognition), erlaubt heute die Integration von Digitalisierungsaktivitäten in die üblichen Geschäftsgänge der Institutionen.

Gleichzeitig ist es  absehbar, dass nicht digitalisierte Materialien zunehmend aus der Wahrnehmung der Benutzer ausgeblendet werden, die verständlicherweise die ubiquitäre Verfügbarkeit und die bessere Verarbeitungsfähigkeit digitaler Versionen analoger Objekte im Internet schätzen.

Wozu digitalisieren?

Die Digitalisierung bibliothekarischer Ressourcen ist lohnenswert, denn

  • Forschung und Wissenschaft sollen möglichst viele Ressourcen zeit- und ortsunabhängig nutzen und digital weiterverarbeiten können
  • allen Bürgern soll der Zugang zu Kultur- und Wissenschaftsinformation offen stehen: in digitaler Form können Objekte von Millionen Menschen genutzt werden, denen die Originale nur schwer oder gar nicht zugänglich sind
  • perspektivisch wird Material, das nicht digital über das Internet zugänglich ist, immer weniger Aufmerksamkeit erfahren
  • wertvolle und gefährdete Originale werden geschont, wenn die Nutzung eines digitalen Abbilds möglich ist.

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Spartenübergreifendes Handeln

Im angelsächsischen Sprachgebrauch bezeichnet der Begriff "Digital Library" nicht ausschließlich die konkrete Dienstleistungseinrichtung Bibliothek, sondern die Ansammlung aller digitalen Inhalte der Bereiche Kulturgut- und Wissenschaftsinformation unabhängig vom jeweiligen Aufbewahrungsort.

Durch die Möglichkeiten des Internet öffnen sich gänzlich neue Wege der spartenübergreifenden Präsentation von Digitalisaten. Folgerichtig beziehen sich auf der EU-Ebene alle und auf der nationalen Bund/Länder-Ebene viele Digitalisierungsinitiativen auf die Sparten Bibliothek, Museum, Archiv und ggf. den Denkmals- und Filmbereich.

Um den EU-Bürgern digitale Sammlungen und Projekte spartenübergreifend zugänglich zu machen, wurde das Portal Michael geschaffen, das digitale Sammlungen nachweist und nach verschiedenen Kriterien (z.B. Zielgruppen, Region, Epochen, Themen) zugänglich macht. Seit 2008 sind hier (durch das Erweiterungsprojekt Michael-Plus) auch deutsche Sammlungen enthalten, bislang sind es solche aus England, Italien und Frankreich. Michael weist Projekte nach, aber nicht einzelne digitale Objekte.

MICHAEL (Multilingual Inventory of Cultural Heritage in Europe) ist ein Beispiel dafür, wie der Zugang zum europäischen Kulturerbe in digitaler Form für eine Vielzahl von Zielgruppen - von Kindern bis Forschern - gestaltet werden kann.

Der wichtigste spartenübergreifende Zugangspunkt in Deutschland ist das BAM-Portal, das eine gemeinsame Suche in den Katalogen der teilnehmenden Museen, Archive und Bibliotheken ermöglicht. Zum Thema "Schreibmaschinen" lassen sich über das Portal z.B. Bücher, amtliche Anweisungen und Fotografien aus Museumsbeständen finden.

Das Online-Portal OPAL-Niedersachsen führt niedersächsische Bestände aus Bibliotheken, Museen, Archiven und Denkmalpflege virtuell zusammen und präsentiert sie in interaktiver Form im Internet. Es bietet bisher schon mehr als 20.000 verschiedene Objekte mit insgesamt 30.000 Bildern, die mit Hilfe von über 1/2 Millionen strukturierten Metadaten beschrieben sind. Opal-Niedersachsen hat unterschiedliche Suchmöglichkeiten und viele weitere Funktionen.

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Private Initiativen: Google & Co

"Google's mission is to organize the world’s information!" Mit diesen Worten kündigte Larry Page, Mitbegründer des Suchmaschinenriesen Google, am 14.12.2004 ein Vorhaben an, das die Welt der Wissenschaft und Bibliotheken in Aufregung versetzte: in einer groß angelegten Scan-Aktion sollen zunächst 15 Millionen Bücher digitalisiert und im Internet bereitgestellt werden.

Im sogenannten "Library Project" arbeitet Google mit den Bibliotheken der US-Universitäten Stanford, Harvard und Michigan, der New York Public Library und der Bibliothek der britischen Oxford University zusammen, deren Bestände teilweise digitalisiert und, sofern dem keine rechtlichen Hinderungsgründe entgegen stehen, über das Internet verfügbar gemacht werden..

Das Echo auf die Ankündigung Googles war geteilt. Die einen waren begeistert, andere sahen das Vorhaben kritischer.

So äußerte der damalige Direktor der französischen Bibliothèque Nationale, Jean-Noël Jeanneney, in einem Artikel in Le Monde die Befürchtung, dass sich durch ein solches Unternehmen die Dominanz der englischsprachigen Literatur exorbitant steigern werde. (Jean-Noël Jeanneney: Quand Google défie l’Europe, in: Le Monde, 24.1.2005)

Als Gegenmaßnahme empfahl er konzertierte europäische Aktionen, bevor es zu spät sei. Aufsehen erregte im April 2005 ein Brief von sechs europäischen Regierungschefs an den Präsidenten der Europäischen Kommission, in dem sie ähnliche Sorge äußerten und die Kommission zu Maßnahmen aufforderten.

Die Kooperation zwischen Google und Bibliotheken wurde inzwischen auf mehrere europäische Institutionen ausgeweitet.

Neben der Bodleian Bibliothek Oxford, der Universität Complutense Madrid, der Bibliothek von Katalonien und der Kantons- und Universitätsbibliothek von Lausanne kooperiert seit März 2007 auch die Bayerische Staatsbibliothek München, aus deren Beständen ca. 1,1 Millionen urheberrechtsfreie Bände digitalisiert werden sollen, mit Google:

Seit Sommer 2009 verhandelt zudem auch die Bibliothèque Nationale de France mit Google.

Inzwischen ist in den USA ein Konsortium von 12 Universitäten eine Kooperation mit Google eingegangen, durch die weitere 10 Millionen Bände in Google Print zur Verfügung stehen werden.

Es gibt weitere ähnliche Kooperationen der Wirtschaft mit Bibliotheken, z.B. zwischen Microsoft und der British Library; auch Yahoo ist im Rahmen einer "Open Content Alliance" mit etlichen Kooperationspartnern in der Digitalisierung tätig geworden. Aus Sicht der Bibliotheken sind diese Projekte nicht unattraktiv; es müssen aber einige Fragen gelöst werden:

  • Werden die Regelungen des Urheberrechts beachtet?
  • Sind Texte, die in gedruckter Form kostenfrei zugänglich waren, auch als digitale Versionen kostenfrei nutzbar?
  • Wie gut ist die Qualität des Digitalisats? Sind die digitalen Abbildungen ausreichend expandierbar? Wurde OCR in ausreichend guter Qualität durchgeführt?
  • Hat die Bibliothek unbeschränkten Zugriff auf die Digitalisate? Werden sie genauso über den Katalog recherchierbar, wie die übrigen Bestände?

Unter kulturpolitischen, bildungspolitischen und wirtschaftlichen Aspekten ist es auf jeden Fall unerlässlich, dass öffentliche Einrichtungen für die Digitalisierung der reichhaltigen Bestände in ihrem Besitz eigene Konzepte entwickeln.

Link zur BSB München

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Die Antwort der EU: Strategien...

Für die Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen Europas stellen die Digitalisierungsaktivitäten von Google letztlich einen enorm wichtigen Anstoß dar. Auf der Ebene der EU werden Rahmenbedingungen festgelegt, nach denen die Mitgliedsstaaten bei ihren eigenen Aktivitäten vorgehen sollten.

Innerhalb der Initiative "i2010: Eine europäische Informationsgesellschaft für Wachstum und Beschäftigung" setzt die EU einen Schwerpunkt auf die "Schaffung von digitalen Bibliotheken zur Förderung der kulturellen Vielfalt".

Umfangreiche Mittel für den Bereich Digitalisierung werden zur Verfügung gestellt (z.B. im Programm eContentplus), mit denen allerdings ausschließlich Projekte, die eine Infrastruktur für digitale Angebote entwickeln oder die Zugänglichkeit und Nutzbarkeit bestehender Digitalisate erleichtern gefördert werden. Die Herstellung digitaler Inhalte dagegen wird von der EU nicht gefördert, sondern in die Verantwortung der Mitgliedsstaaten verwiesen.

Weitere relevante Dokumente sind die Empfehlung der EU-Kommission zur Digitalisierung vom 24. August 2006 sowie die darauf aufbauenden Schlussfolgerungen des Europäischen Rates, in denen sich die Mitgliedsstaaten verpflichten, nationale Strategien und Zielsetzungen auszuarbeiten, nationale Koordinierungsmechanismen einzurichten sowie quantitative und qualitative Ziele ihrer Beiträge zur "European Digital Library" zu entwickeln. Ein Zeitplan mit empfehlendem Charakter ist ebenfalls Teil dieses Beschlusses:

In einer Mitteilung vom 11. August 2008 bewertet die EU-Kommission die Fortschritte und Herausforderungen bei der Digitalisierung in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten und betonte, dass von Seiten der einzelnen Länder noch erhebliche Anstrengungen unternommen werden müssen. In den Bibliotheken Europas lagern mehr als 2,5 Mrd. Bücher. Allerdings liegt nur etwa ein Prozent des archivierten Materials in digitaler Form vor, ist in der Mitteilung zu lesen. Die EU-Kommission wird 2009-2010 selbst etwa 120 Mio. Euro zur Verbesserung des Online-Zugangs zum europäischen Kulturerbe bereitstellen.

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...Projekte...

Das Hauptprojekt auf EU-Ebene ist der Aufbau einer "European Digital Library" (Europeana) mit dem Ziel, das Kultur- und Wissenschaftserbe aller Mitgliedstaaten über einen multilingualen Zugangspunkt im Internet allgemein zugänglich zu machen. 

Die Idee der Europeana baut auf der Initiative "The European Library" (TEL) auf, in der die europäischen Nationalbibliotheken seit einigen Jahren kooperieren.

TEL wurde 2004 von der Konferenz der Europäischen Nationalbibliothekare (CENL) ins Leben gerufen und erlaubt über eine einzelne Suchanfrage derzeit die Recherche in den Beständen von 48 Nationalbibliotheken.

Im Rahmen des Projektes "EDLproject" wurden zwischen September 2006 und Februar 2008 die digitalen Sammlungen und bibliografischen Beschreibungen von Beständen neun europäischer Nationalbibliotheken in "The European Library" eingebunden, Fragen der Multilingualität geklärt und erste Schritte zur Einrichtung eines europäischen Metadaten-Registers unternommen.

In zwei weiteren durch die EU kofinanzierten Projekten (TELnet, EDLplus) wurden ab 2007 die Vernetzung mit den Sammlungen von Archiven und Museen sowie die Lösung von Interoperabilitätsproblemen in Angriff genommen.

Der Schwerpunkt der "European Digital Library" (Europeana) liegt darin, eine Infrastruktur zu entwickeln, innerhalb der die Digitalisate gemeinsam präsentiert werden können. Eine erste Version der Europeana ist seit Ende 2008 verfügbar - mit einer "kritischen Masse" von zwei Millionen Digitalisaten. Bis 2010 sollen, so das ehrgeizige Ziel, dann mindestens sechs Millionen Multimedia-Objekte über die Europeana allgemein zugänglich sein.

Die den Aufbau der Europeana unterstützenden Projekte werden aus dem Förderprogramm eContentPlus finanziert, das mit einer Budgetierung von 149 Millionen Euro für die Jahre 2005-2008 die Erleichterung des Zugangs zu digitalen Inhalten sowie ihrer Nutzung und Verwertung auf europäischer Ebene in den Bereichen Kultur, Bildung und Wissenschaft fördern soll.

Ältere Initiativen auf EU-Ebene wurden unter anderem im Projekt Minerva und dem Folgeprojekt Minerva Plus gebündelt. Bei Minerva ging es vor allem darum, die Zusammenarbeit und Normierung zwischen den Mitgliedstaaten auf technischer Ebene voranzutreiben. Im Projekt wurden z.B. Empfehlungen für den Aufbau von Portalen und Websites erarbeitet.

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...und Gremien

Auf EU-Ebene beraten die Mitgliedsländer im Rahmen einer "National Representatives Group" (NRG) über Fragen der Digitalisierung

Außerdem wurde für die "Digital Libraries Initiative" eine hochrangige Expertengruppe (High-Level-Expert-Group) mit Vertretern aus Kulturinstitutionen, Verlagen, der Wissenschaft und der Wirtschaft berufen, die die Kommission berät. Bibliotheken werden darin u.a. von der Generaldirektorin der Deutschen Nationalbibliothek vertreten, die gleichzeitig Vorsitzenden der Konferenz der Europäischen Nationalbibliotheken ist.

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Was tut sich in Deutschland?

Bund, Länder und Kommunen: Auf dem Weg zur Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB)

Eines der Gremien, in denen intensiv über Digitalisierung verhandelt wurde, war EUBAM. Die interministerielle Bund-Länder-Arbeitsgruppe (EUropäische Angelegenheiten für Bibliotheken, Archive und Museen) ist ein Zusammenschluss von Vertretern der Kultusministerkonferenz (KMK), verschiedener Bundes- und Länderministerien, der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie von Experten der Sparten Bibliothek, Archiv, Museum und Denkmalpflege. Derzeit (2013) ruht die Arbeit.

Im Zuge der Digitalisierungsdebatte ist der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) aktiv geworden. In seinem Auftrag wurde eine Studie erstellt, die den Stand der Dinge in Sachen Digitalisierung in Deutschland erhebt, den Handlungsbedarf ermittelt und organisatorische und technische Aspekte des Digitalisierens analysiert. Daneben werden in der BKM-Studie Verwertungsfragen erörtert und konkrete Handlungsempfehlungen gegeben. Die Erstellung der Inhalte, also der Vorgang des Digitalisierens als solcher, ist nicht Gegenstand der Studie und wird in die Verantwortung der besitzenden Institutionen verlagert.

Eine wichtige Rolle bei der Planung der Deutschen Digitalen Bibliothek spielte die ad-hoc-Arbeitsgruppe "Digitalisierung von Kulturgut", die im November 2006 gegründet wurde. Bestehend aus Vertretern des Kulturausschusses der Kultusministerkonferenz (KMK), des Bundes und der Kommunen, hatte sie den Auftrag, die finanziellen, rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen einschließlich der Verwertungsfragen für den deutschen Beitrag zur Europeana zu klären. 

Die Deutsche Digitale Bibliothek (DDB) soll als nationales Zugangsportal in die Europeana eingebunden werden. In der DDB sollen die Datenbanken von über 30.000 Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen in Deutschland vernetzt und durch spezielle Suchwerkzeuge erschlossen werden. Einzelheiten des Projekts sind in "Gemeinsamen Eckpunkten von Bund, Ländern und Kommunen zur Errichtung der DDB" festgehalten. Die Eckpunkte berücksichtigen auch die Studie "Auf dem Weg zur DDB", die von der Fraunhofer Gesellschaft im Auftrag des BKM erarbeitet wurde. Diese beschreibt, welche praktischen Schritte erforderlich sind und welche Investitionen mit dem Aufbau und Betrieb der DDB voraussichtlich verbunden sein werden.

Am 02.12.2009 haben sich Bund und Länder auf die Errichtung der Deutschen Digitalen Bibliothek geeinigt. Der Aufbau der DDB wird aus Mitteln des Konjunkturpakets II der Bundesregierung finanziert. Im November 2012 ist die Deutsche Digitale Bibliothek in der Beta-Version online gegangen.

Das"Kompetenznetzwerk DDB" hat die Koordination des Projektes seit 2011 übernommen. Für den laufenden Betrieb der DDB stellen Bund und Länder ab 2011 zusammen 2,6 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung. 

Deutsche Forschungsgemeinschaft

Die DFG stellt in den nächsten Jahren beträchtliche Mittel für Digitalisierungsvorhaben bereit. Im Rahmen der Programme "Kulturelle Überlieferung", "Elektronisches Publizieren" und "Überregionale Literaturversorgung" können z.B. Anträge für einzelne Digitalisierungsvorhaben gestellt werden. Ziel ist die möglichst vollständige Digitalisierung aller deutschen Drucke des 16. und 17. Jahrhunderts, die über die Projekte "VD 16" und "VD 17" nachgewiesen werden. Künftig sollen auch die deutschen Drucke des 18. Jahrhunderts in der Datenbank "VD 18" verzeichnet werden.  Außerdem wird die Digitalisierung der fach- bzw. regionalspezifischen Literatur angestrebt, die innerhalb der von zahlreichen Universitäts- und Staatsbibliotheken getragenen Sondersammelgebiete der DFG erworben werden. 

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Was ist bereits vorhanden?...

Zahlreiche Digitalisierungsprojekte

Seit Mitte der 1990er Jahre wurden mit öffentlicher Förderung weit über 100 Digitalisierungsprojekte an zahlreichen deutschen Bibliotheken durchgeführt. Sie reichen von ägyptischen Papyrussammlungen über historische Karten bis hin zu Feldzeitungen des 1. Weltkriegs. Das "Zentrale Verzeichnis Digitalisierter Drucke" (zvdd) führt als Portal direkt zu vielen dieser Projekte und macht teilweise die Titel der digitalisierten Werke über eine gemeinsame Suche recherchierbar. Es wird - ebenfalls mit DFG-Mitteln seit 2006 aufgebaut. Es bleibt aber festzuhalten, dass gegenwärtig kein vollständiges, flächendeckendes Nachweisinstrument aller verfügbaren Digitalisate existiert.

Digitalisierungszentren

Für den Bibliotheksbereich existieren in Deutschland zwei Digitalisierungszentren, die seit Mitte der 1990er Jahre ebenfalls mit DFG-Mitteln aufgebaut wurden: das Göttinger Digitalisierungszentrum an der SUB Göttingen und das Münchner Digitalisierungszentrum an der Bayerischen Staatsbibliothek München.

Diese Zentren versammeln umfangreiche Erfahrung im Bereich der qualitativ hochwertigen und für wissenschaftliche Zwecke geeigneten Digitalisierung: Arbeitsabläufe, technische Standards, Verarbeitung der Digitalisate z.B. mit OCR, Planung von Digitalisierungsprojekten usw. Außerdem haben sie eigene sogenannte "Digitalisierungsstraßen" aufgebaut und stehen damit als Dienstleister für die effiziente Durchführung von Digitalisierungsprojekten zur Verfügung. Bei der Koordination nationaler Initiativen im Bibliotheksbereich kann auf die Digitalisierungszentren zurückgegriffen werden.

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...und was fehlt noch?

Nach einer Schätzung des Kompetenznetzwerks für Bibliotheken (knb) kann bei den Buchbeständen in Bibliotheken, deren Erfassung urheberrechtlich unbedenklich ist, von ca. drei Millionen Bänden ausgegangen werden. Bei durchschnittlich 250 Seiten pro Band bedeutet dies insgesamt 750 Millionen Seiten. Setzt man Kosten von 0,20 Euro pro Seite an, so würde dies Kosten in Höhe von 150 Mio. Euro bedeuten.

Für Optical Character Recognition (OCR-Erschließung) in breiterem Umfang müssen zusätzliche Kosten veranschlagt werden. Hinzu kommen Kosten für die Organisation des Gesamtprojekts. Insgesamt beläuft sich die Schätzung auf ca. 180 Millionen Euro. Handschriften und Autographen sowie andere Sonderbestände der Bibliotheken und Kosten für die technische Infrastruktur sind in dieser Kostenschätzung nicht berücksichtigt.

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Die offenen Fragen: Urheberrecht, Persönlichkeitsrecht, Verwertungsrecht

Für Bibliotheken steht bei der Digitalisierung das Anliegen im Vordergrund, die digitalisierte Literatur möglichst kostenfrei der Wissenschaft und der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, d.h. in der digitalen Welt die Nutzung nicht schwieriger zu machen als in der analogen Welt, in der das Material in der Bibliothek entweder kostenlos oder gegen Entrichtung einer Benutzungsgebühr genutzt werden kann.

Problemlos bereitgestellt werden können jedoch nur Werke, die nicht dem Urheberrecht unterliegen. Dies sind im Prinzip alle Werke, deren Autor seit mehr als 70 Jahren tot ist. Bei neueren Werken muss der Rechteinhaber der Überführung in die digitale Form zustimmen bzw. es muss das Recht dazu erworben werden. Hier ist daher unter anderem das Problem der "verwaisten Werke" zu lösen, d.h. der Werke, deren Autor/in oder Urheber/in nicht ermittelt werden kann, und für die somit auch kein Einverständnis mit der Digitalisierung eingeholt werden kann.

  • Linksammlung zum Urheberrecht im Bereich "Recht" des Bibliotheksportals
    Urheberrecht

In praktischer Hinsicht werden die dem geistigen Urheber zustehenden Nutzungsrechte an der Verwertung eines Werks häufig Verlagen übertragen. In diesen Fällen müssen mit solchen Verlagen Lizenzen und Nutzungsmodalitäten ausgehandelt werden. In diesem Zusammenhang ist der Erwerb von Nationallizenzen (d.h. eine Lizenz, die wissenschaftlichen Nutzern in Deutschland den für sie kostenfreien Zugang zu digitalen Ressourcen, in der Regel digitale Zeitschriften oder Datenbanken, ermöglicht) durch die DFG zu erwähnen.

Im Projekt Digizeitschriften stehen elektronische Zeitschriften im Volltext solchen Bibliotheken zur Verfügung, die das kostenpflichtige Angebot subskribieren. Es gibt dort auch einen Open Access-Bereich, in dem die Volltexte kostenfrei genutzt werden können.

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... Langzeitarchivierung...

Information in digitaler Form ist momentan keineswegs "haltbarer" als in analoger Form. Im Gegenteil: Datenformate, Speichermedien (von Magnetbändern über 51/4-Zoll Floppy-Disk zur DVD) und Lesegeräte (Großrechner bis PDA), Software-Programme und Computergenerationen entwickeln sich sehr schnell, so dass digitale Information eine sehr geringe "Halbwertszeit" hat.

Da ein signifikanter Teil der veröffentlichten Information heute in digitaler Form entsteht und analoge Information mit beträchtlichem Aufwand digitalisiert wird, muss sichergestellt werden, dass diese Datenmengen auf lange Sicht hin lesbar und nutzbar bleiben. Das Thema "Langzeitarchivierung" ist daher drängend und wird gegenwärtig insbesondere von zwei Initiativen in Deutschland behandelt:

  • nestor: Ziel des vom bmbf geförderten Projekts ist der Aufbau eines Kompetenznetzwerks zur Langzeitarchivierung und Langzeitverfügbarkeit digitaler Quellen für Deutschland in einer dauerhaften Organisationsform sowie die Abstimmung über die Übernahme von Daueraufgaben.
  • kopal: der kooperative Aufbau eines Langzeitarchivs für digitale Information ist das Ziel dieses Projekts, in dem auch nachnutzbare Tools für die Langzeitarchivierung entwickelt werden.

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