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Elektronisches Publizieren in den Wissenschaften

Grundlegender Wandel beim wissenschaftlichen Publizieren

Die Digitalisierung des Publikationsprozesses und das Aufkommen des Internet als Verbreitungs- und Kommunikationsmedium haben einen tiefgreifenden Wandel der traditionellen Publikationskette im Wissenschaftsbereich angestoßen.

Die frühere klare Rollenaufteilung zwischen dem Autor als Produzenten, dem Verlag als Koordinationsstelle für die Qualitätssicherung, Produktions- und Marketingzentrale sowie der Bibliothek als Informationsvermittler und -bewahrer ist einer ungleich komplexeren Publikationsstruktur gewichen.

Abgesehen von der Wissensproduktion und Qualitätsbewertung kann heute prinzipiell jede Partei an jeder beliebigen Stelle im Publikations- und Vermittlungsprozess aktiv werden.

Krise der wissenschaftlichen Literaturversorgung

Die wissenschaftliche Literaturversorgung befindet sich noch immer in der Krise. Die schwindelerregenden jährlichen Preissteigerungen im Bereich der naturwissenschaftlich-medizinischen Zeitschriften zwingen die Bibliotheken angesichts stark sinkender Etats dazu, Online- wie Printabonnements von Zeitschriften abzubestellen und darüber hinaus den Einkauf von Monographien weiter einzuschränken.

Wesentliche Ursachen dieser Entwicklung liegen im Konzentrationsprozess des Verlagswesens und in der Preispolitik von Marktführern wie Elsevier, Wiley, Kluwer oder Springer. Jährliche Preissteigerungsraten von 15 bis 20 % pro Jahr sind hier keine Seltenheit.

Open-Access als Lösungsansatz

Die Zeitschriftenkrise beförderte die verstärkte Diskussion einer nachhaltigen Wissenschaftskommunikation und des Open-Access-Prinzips innerhalb des wissenschaftlichen Publizierens.

Goldene Strategie

Im Rahmen der sog. goldenen Strategie ermöglichen Open-Access-Zeitschriften wie z.B. die Titel von BioMed Central (BMC) oder der Public Library of Science (PLoS) über das Internet weltweit einen kostenfreien Zugang zu ihren Inhalten.

Eine Liste der Open Access Zeitschriften findet sich unter
http://www.doaj.org/

In diesem Modell bezahlt in der Regel der Autor bzw. seine Institution oder Fördereinrichtung die Publikationskosten.

Beiträge dürfen unter Angabe des Urhebers frei heruntergeladen, genutzt, kopiert, gedruckt oder verteilt werden.

Die Qualitätssicherung erfolgt bei diesen Zeitschriften ebenso durch Peer-Review wie bei den Titeln des tradierten kommerziellen Geschäftsmodells auf Abonnementbasis.

Grüne Strategie

Neben diesen sog. "goldenen" Open-Access-Zeitschriften erlauben immer mehr Verlage zusätzlich zur gedruckten Veröffentlichung die Speicherung von Pre- bzw. Postprints in Dokumentenservern (Repositories) an Universitäten oder Forschungseinrichtungen im Rahmen der "grünen" Strategie.

Links

Durch den Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur an Hochschulen oder anderen Einrichtungen wird die Möglichkeit geschaffen, die an der jeweiligen Hochschule oder in einem bestimmten Fachgebiet entstehenden wissenschaftlichen Publikationen weltweit zugänglich zu machen und längerfristig zu sichern.

Dies trägt entscheidend zur Verbreitung des elektronischen Publizierens als neuem Instrument wissenschaftlichen Arbeitens bei.

Der Begriff Dokumentenserver steht dabei synonym für eine Dienstleistung, die nicht nur aus Hard- und Software besteht, sondern auch Menschen, Organisationen und Prozesse notwendigerweise mit einschließt.

Grüne und goldene Strategie ergänzen sich

Grüne und goldene Strategie des Open Access sind als komplementär zu werten. Beide tragen dazu bei, möglichst viele Publikationen frei zugänglich zu machen, um damit eine breitere Basis für Such- und Mehrwertdienste zu schaffen.

Institutioneller Ansatz in der grünen Strategie

Im Rahmen der grünen Strategie kann in der Regel eine bessere Betreuung und Beratung bei den notwendigen Schritten mit einem institutionellen Ansatz erreicht werden. Das bedeutet, dass Dokumentenserver eher von den jeweiligen Universitäten und Forschungseinrichtungen für die Publikationen an eben diesen Einrichtungen aufgesetzt und verwaltet werden.

Es gibt aber auch in zunehmenden Maße fachliche Bestrebungen innerhalb der grünen Strategie (z.B. die fachlichen Dokumentenserver bzw. Disciplinary Repositories der SSG-Bibliotheken wie PsyDok: http://psydok.sulb.uni-saarland.de/ ).

Fachlicher Ansatz in der goldenen Strategie

Eine vollständige Publikationskette einschließlich Qualitätssicherung erreicht man im Rahmen der goldenen Strategie am besten durch einen fachbezogenen Ansatz. Das bedeutet, dass Dokumenten- und Publikationsservices eher fachlich ausgerichtet sind und sich weniger an der Organisationsstruktur von Einrichtungen orientieren.

Die Umsetzung hängt dabei entscheidend von Tradition und Kommunikationsverhalten im jeweiligen Fach ab und führt neben den bereits erwähnten Beispielen PLoS, BMC oder EGU (European Geosciences Union) zu Lösungen wie German Medical Science (GMS; http://www.egms.de/de/index.shtml ) oder Forum Qualitative Sozialforschung (FQS, http://www.qualitative-research.net/fqs/fqs.htm ). Traditionelle Verlage beginnen, dieses Modell zu adaptieren (Springer Open, http://www.springeropen.com/).

Der institutionelle Ansatz (Universitätsverlage) bietet im Rahmen der goldenen Strategie Wissenschaftlern der jeweiligen Hochschule oder Forschungseinrichtung Verlagsdienstleistungen, die im Sinne des Non-Profit-Gedankens moderate Preise von Druckwerken mit der elektronischen Publikation unter Wahrung der Autorenrechte kombinieren. In den meisten Fällen betreuen die Zentralbibliotheken der Universitäten diesen Service für die Wissenschaftler.

Arbeitsgemeinschaft der Universitätsverlage:
http://blog.bibliothek.kit.edu/ag_univerlage/

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