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Allgemeine Informationen zum Programm

EU-Forschungsförderung: Horizon2020

Das neue EU-Forschungsprogramm wird „Horizon2020“ heißen und das Forschungsrahmenprogramm (7. FRP), die forschungsrelevanten Teile des Rahmenprogramms für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation (CIP, inklusive des CIP-ICT-PSP, über das bisher Projekte in Zusammenhang mit Europeana gefördert wurden) und das Europäische Technologieinstitut beinhalten. Alle bisherigen Forschungs- & Innovations-Programme werden somit in einem Programm mit vereinfachter Struktur zusammengeführt.

Allgemeines Ziel von Horizon 2020 ist die integrierte Förderung der gesamten Innovationswertschöpfung, von der Grundlagenforschung über die angewandte Forschung bis zur Markteinführung. Wissenschaftseinrichtungen und die Wirtschaft sollen enger zusammenarbeiten, um die Lücke zwischen Wissen und Markt zu schließen.

Der Paradigmenwechsel zum Vorgängerprogramm liegt außerdem darin, dass es sich nicht mehr um rein themenbezogene Forschung handelt. Vielmehr soll das Programm durch sektorübergreifende und interdisziplinäre Zusammenarbeit zur Lösung der großen gesellschaftlichen Herausforderungen beitragen.

Größeres Budget als bisher

Mit einem Gesamtbudget von knapp 80 Milliarden Euro für 2014-2020 ist "Horizon2020" das bislang größte Forschungsprogramm der EU und eines der größten mit öffentlichen Mitteln finanzierten Programme weltweit. Es gehört zu den wenigen Programmen des kommenden EU-Haushaltsplans, deren Mittel deutlich aufgestockt wurden: Gegenüber dem derzeitigen Siebten Rahmenprogramm ist das Budget für Forschung und Innovation um 25% gestiegen.

Die drei Förderschwerpunkte von Horizon2020 sind:

  1. "Excellent Science" (Grundlagenforschung, für Bibliotheken relevant)
  2. "Industrial Leadership" (für Bibliotheken nicht relevant)
  3. "Societal Challenges" (Verbundforschung, für Bibliotheken relevant)

Darüber hinaus wird es programmübergreifende Querschnittsthemen, insbesondere im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT), geben. Im Querschnittsbereich IKT wird es wiederum sechs übergeordnete Förderbereiche geben, in denen der Bereich „Inhaltstechnologien und Informationsmanagement: IKT für digitale Inhalte und Kreativität“ für Bibliotheken möglicherweise von Interesse sein wird. 

Bessere Abstimmung von EU- und nationaler Förderung

Ziel der künftigen EU-Forschungsförderung soll eine bessere Koordinierung der Fördermaßnahmen von EU und Mitgliedsstaaten (z.B. BMBF, DFG und den EU-Strukturfonds ESF, EFRE) sein. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sollen stärker beteiligt und frühzeitig in Forschungsprojekte eingebunden werden, um gemeinsam mit den Hochschulen Strategien zur Vermarktung der Forschungsergebnisse zu entwickeln.

Erste Ausschreibungen am 11.12.2013 veröffentlicht:

Auf dem „Participant Portal“ im Bereich „Funding Opportunities“ können Sie die Ausschreibungstexte und das aktuelle Arbeitsprogramm (2014/2015) einsehen.

Bibliotheksrelevant ist die 1. Säule "Excellent Science" mit dem Bereich "e-Infrastructures" sowie die 3. Säule "Societal Challenges" mit der 6. gesellschaftlichen Herausforderung „Europe in a changing world - inclusive, innovative and reflective societies“.

Die für Bibliotheken relevanten Ausschreibungen finden Sie in den nachfolgenden Rubriken "Excellent Science" und "Societal Challenges" sowie unter "Antragsfristen".

Weitere Informationen:

Fördermaßnahme "Excellent Science" (Grundlagenforschung)

„Excellent Science“: Grundlagenforschung (für Bibliotheken relevant)

Ziel dieser Fördermaßnahme ist es, eine Wissenschaft von Weltrang als Grundlage für die Technologien, Arbeitsplätze und Lebensqualität von morgen zu schaffen.

Hier werden alle themenoffenen, wissenschaftsgeleiteten Förderaktivitäten gebündelt:

  • Europäischer Forschungsrat
    Individuelle Grants für exzellente Nachwuchsforschende (nach PhD) und etablierte Wissenschaftler/innen
  • Marie-Sklodowska-Curie-Maßnahmen
    Mobilitätsförderung und Netzwerkbildung von Nachwuchswissenschaftler/innen; etablierten Forschenden und Personal aus Technik und Management
  • Forschungsinfrastrukturen
    vernetzt vorhandene Forschungsinfrastrukturen, ermöglicht Nutzung der Einrichtung durch Forschende aus verschiedenen Ländern, treibt den Bau von Forschungseinrichtungen und -Anlagen voran (hierüber auch Förderung von neuen und bestehenden Forschungsinfrastruktur-Projekten wie DARIAH, CLARIN, ESS, SHARE, CESSDA)

Budgetplanung

Das Budget teilt sich auf wie folgt:

Gesamtbudget Excellent Science: 31,73%

  • European Research Council (ERC): 17%
    Pionierforschung durch die besten Einzelteams
  • Marie Curie actions: 8%
    Chancen für Fortbildung und Laufbahnentwicklung von Wissenschaftler/innen
  • Research infrastructures: 3,23%
    (einschließlich e-Infrastrukturen)
    Gewährleistung des Zugangs zu Einrichtungen von Weltrang

Ausschreibungen Forschungsinfrastrukturen 

Das finale Arbeitsprogramm 2016/2017 ist noch nicht veröffentlicht, die Europäische Kommission hat aber ein vorläufiges Arbeitsprogramm veröffentlicht, welches hier zu finden ist.

Kontakt und Beratung

Nationale Kontaktstelle für Forschungsinfrastrukturen
Projektträger im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (PT-DLR)
Nadine Heller-Genath
Heinrich-Konen-Str. 1
53227 Bonn
Tel.: 0228 / 3821-1635
Email: nadine.heller@dlr.de
www.eubuero.de/infra.htm

Fördermaßnahme "Societal Challenges" (Verbundforschung)

„Societal Challenges“: Verbundforschung (für Bibliotheken relevant)

Ziel dieser Fördermaßnahme ist es, durch multidisziplinäre Zusammenarbeit - auch mit den Sozial- und Geisteswissenschaften - bahnbrechende Lösungen für die großen gesellschaftlichen Herausforderungen zu finden, da die Anliegen von Bürgern und Gesellschaft/EU-Politik ohne Innovationen nicht verwirklicht werden können.

Gefördert wird hochschulrelevante Verbundforschung in Bereichen der gesellschaftlichen Herausforderungen, wie u.a. Klimawandel, demographische Entwicklung, Energieversorgung oder Auswirkungen der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) auf die Gesellschaft.

Die Geistes- und Sozialwissenschaften sollen hier verstärkt in interdisziplinäre, innovative Projekte (in Verbindung mit Maßnahmen zur Markteinführung) miteingebunden werden. Dies kann Themen betreffen wie intelligentes und nachhaltiges Wachstum; soziale Veränderungen; soziale Innovation und Kreativität; Europa als globaler Akteur oder die soziale Dimension von Sicherheitspolitik.

Budgetplanung

Das Budget teilt sich auf wie folgt:

Gesamtbudget Societal Challenges: 38,53%

  1. Health, demographic change and wellbeing: 9,7%
  2. Food quality and marine research: 5%
  3. Energy: 7,7%
  4. Transport: 8,23%
  5. Climate action, resources and raw materials: 4%
  6. Europe in a changing world: Inclusive, innovative and reflective societies: 1,7% (für Bibliotheken relevant)
  7. Secure societies: 2,2%

Die 6. gesellschaftliche Herausforderung: "Europe in a changing world: Inclusive, innovative and reflective societies"

Sozial- und geisteswissenschaftliche Forschung sowie bibliotheksrelevante Projekte werden in der 6. Challenge „Europe in a changing world – inclusive, innovative and reflective Societies“ gefördert. Soziale Inklusion und Krisenbewältigung, Chancen für die Jugend, Forschung zu europäischem Erbe bzw. Identität inklusive Digitalisierung, zur globalen Rolle Europas sowie Innovation inklusive IKT werden thematisiert.

Der Teilbereich "Reflektierende Gesellschaften" befasst sich mit der Diversität Europäischer Identitäten inklusive historischer Zugänge, Innovation und Kreativität unter Berücksichtigung digitaler Technologien und Informations- und Kommunikationstechnologien. Relevant dafür ist folgender Auszug aus dem Arbeitsprogramm:

„6.3 Reflective societies“
Ziel dieser Säule ist ein Beitrag zum Verständnis der geistigen Grundlagen Europas, seiner Geschichte und der vielen europäischen und außereuropäischen Einflüsse als Quelle der Inspiration. Die Vielfalt der Völker in Europa (einschließlich der Minderheiten und indigenen Völker), ihre Traditionen sowie regionalen und nationalen Identitäten und das unterschiedliche Ausmaß an wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Entwicklung soll berücksichtigt werden. Bislang unerschlossenes Material in europäischen Sammlungen, Bibliotheken, Archiven, Museen, Galerien und anderen öffentlichen Institutionen soll auch mit Hilfe neuer Technologien Forschern und Bürgern zugänglich gemacht werden, damit durch die archivierte Vergangenheit ein Blick in die Zukunft ermöglicht wird.

Aktuelle Ausschreibungen "Societal Challenges"

Die Europäische Kommission hat am 13. Oktober 2015 das neue Horizont 2020 Arbeitsprogramm 2016/17 der 6. Gesellschaftlichen Herausforderung „Europe in a changing world – inclusive, innovative and reflective Societies“ verabschiedet. 

Der für Bibliotheken besonders relevante Call nennt sich "Understanding Europe: Promoting the European Public and Cultural Space" und hat insgesamt 11 verschiedene Topics. Für diesen Call standen in 2016 19,5 Mio. Euro zur Verfügung, das Budget 2017 beläuft sich auf 47, 5 Mio. Euro. Die nächsten Deadlines für diesen Call sind für den 2. Februar 2017 vorgesehen:

Die einzelnen Topics

Alle Ausschreibungen des Calls finden sich auch aufgelistet im Participant Portal

 

Kontakt und Beratung

Nationale Kontaktstelle Sozial-, Wirtschafts- und Geisteswissenschaften
Projektträger im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V.
Heinrich-Konen-Str. 1
53227 Bonn
Tel: 0228 3821-1644
E-Mail: nks-swg@dlr.de
www.nks-swg.de

H2020 – Beteiligungsregeln: Kurzüberblick

Wer kann an Horizon2020 teilnehmen?

Am europäischen Rahmenprogramm für Forschung und Innovation – Horizont 2020 - können sich Rechtspersonen beteiligen, wenn sie in einem EU-Mitgliedstaat, einem assoziierten Staat oder einem Drittland angesiedelt sind.

Grundsätzlich müssen an einem Forschungsprojekt mindestens drei voneinander unabhängige Einrichtungen aus drei unterschiedlichen EU-Mitglied- oder assoziierten Staaten beteiligt sein. In den meisten Fällen liegt die Anzahl der Partnereinrichtungen an erfolgreichen Projektanträgen jedoch (zum Teil weit) über dieser Mindestanforderung.

Vertragspartner der Europäischen Kommission bei Vorhaben in Horizon2020 ist immer die entsprechende Einrichtung (z. B. Universität, Hochschule, Forschungsinstitut oder Unternehmen). Dies gilt auch für sogenannte Einzelmaßnahmen <nobr>(s. u.), </nobr>wie <nobr>z. B.</nobr> Individualstipendien – hier reichen die Antragstellenden den Antrag dann gemeinsam mit der Gasteinrichtung ein.

Ist eine Beteiligung an Horizont 2020 auch außerhalb von Kooperationsprojekten möglich?

Es gibt Bereiche in Horizont 2020, bei denen die Möglichkeit besteht, als Einzelpartner einen Antrag auf Förderung zu stellen. Dies ist der Fall bei der Beantragung von

  • Pionierforschungsvorhaben im Rahmen von Ausschreibungen des Europäischen Forschungsrats (ERC);
  • im Bereich der Koordinierungs- und Unterstützungsmaßnahmen (Coordination and Support Activities, CSA-Maßnahmen);
  • im Rahmen des Instruments zur Förderung kleiner und mittelständischer Unternehmen (KMU), sofern der europäische Mehrwert gegeben ist;
  • bei Maßnahmen der Kofinanzierung von Programmen;
  • und in weiteren, im jeweiligen Arbeitsprogramm festgelegten und begründeten Fällen. 

Förderquoten

In Horizont 2020 ist eine einheitliche Förderquote pro Projekt vorgesehen. Eine Unterscheidung nach verschiedenen Aktivitäten innerhalb eines Projekts oder nach Art der Einrichtung, wie sie im 7. Forschungsrahmenprogramm existierte, würde danach entfallen.

In der Regel soll diese Förderquote bei <nobr>100 %</nobr> für die direkten erstattungsfähigen Kosten pro Projekt für alle Teilnehmenden und alle Aktivitäten liegen.

Die indirekten Kosten sollen für alle Einrichtungen pauschal mit 25 % der direkten Kosten erstattet werden.

Erstattungsfähige Kosten

Erstattungsfähige Kosten unterteilt man in direkte und indirekte Kosten.

Direkt und erstattungsfähig sind Kosten dann, wenn sie in unmittelbarem Zusammenhang mit der Erarbeitung der Projektergebnisse angefallen sind und dem EU-Projekt direkt zugerechnet werden können (z.B. Personalkosten, Reisekosten, Verbrauchsmittel).

Indirekte Kosten (auch Gemeinkosten oder overheads genannt), können dem jeweiligen Projekt nicht unmittelbar zugerechnet werden. Darunter fallen z.B. Miet- oder Reinigungskosten. Da sie jedoch in unmittelbarem Zusammenhang mit den für die Projektergebnisse relevanten direkten Kosten entstehen, können sie gegenüber der EU-Kommission im Rahmen der Projektabrechnung geltend gemacht werden.

Für alle Einrichtungen wird eine einheitliche Pauschale für indirekte Kosten in Höhe von <nobr>25 %</nobr> auf die erstattungsfähigen direkten Kosten angestrebt. Damit entfällt die Möglichkeit der Abrechnung tatsächlicher indirekter Kosten, die im 7. FRP existierte.

Die EU-Kommission erarbeitet derzeit noch einen Leitfaden, nach dem Einrichtungen mit hohen Forschungsinfrastrukturkosten bestimmte Overheadkosten als direkte Kosten abrechnen können.

Prüfbescheinigungen

Eine Prüfbescheinigung (Audit) eines externen Wirtschaftsprüfers oder der Innenrevision zu den eingereichten Kosten im Rahmen des Finanzberichts soll´nur noch einmalig am Ende des Projektes erforderlich sein. Dies auch nur dann, wenn der Gesamtbetrag der von der EU gezahlten Fördersumme bei mind. 325.000 Euro liegt. Fördergelder, die in Form von Pauschalen, wie lump sums oder flat rates, gezahlt werden, sollen bei der Berechnung des Gesamtförderbetrages nicht berücksichtigt werden.

Geistiges Eigentum

Die Beteiligungsregeln zu Horizont 2020 legen einen Schwerpunkt auf die Verbreitung der Forschungsergebnisse. Ergebnisse in Form von Publikationen sollen im Wege des Open Access durch frei zugängliche Veröffentlichungen verbreitet werden. In den Arbeitsprogrammen können zusätzliche Anforderungen wie z.B. Open Access für Forschungsdaten gestellt werden. Eine Verpflichtung zur Veröffentlichung besteht dadurch nicht, Forscher/innen können weiterhin entscheiden, ob bzw. wann sie publizieren möchten.

Außerdem soll der Kommission sowie den Mitgliedstaaten unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls Zugang zu den Forschungsergebnissen gewährt werden.

Eine weitere Vereinfachung besteht darin, dass ein kürzerer Bewilligungszeitraum (8 Monate zwischen Ende der Ausschreibung und der Vertragsunterzeichnung; 6 Monate für fast track-Projekte) geplant ist.

Weitere Informationen unter:

Bewilligungskriterien

Prinzip der Exellenz, Impact, Projektmanagement
Wie in der bisherigen Förderperiode auch erfolgt die Zuweisung von Mitteln auf der Grundlage wettbewerbsorientierter Aufforderungen und durch die alleinige Auswahl der besten und innovativsten Projekte.

Daneben sind der Projekt-Impact und das Projektmanagement sowie die nachhaltige Sicherung und Verwertung der Projektergebnisse wichtige Bewilligungskriterien.

Internationale Zusammenarbeit

Das Programm Horizon2020 ist offen für die Assoziierung von Beitrittsländern, Kandidatenländern und potentiellen Kandidaten sowie ausgewählten internationalen Partnerländern, die die einschlägigen Kriterien erfüllen (Kapazitäten, relevante Erfahrungen, enge wirtschaftliche und geografische Verbindungen mit der Union usw.).

Kontakt und Beratung

  • Nationale Kontaktstelle für Sozial-, Wirtschafts- und Geisteswissenschaften
    Projektträger im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (PT-DLR)
    Heinrich-Konen-Strasse 1
    53227 Bonn
    Tel.: +49 (0)228 3821 1644 (Sekretariat)
    Email: nks-swg@dlr.de
    www.nks-swg.de
  • Nationale Kontaktstelle für Forschungsinfrastrukturen
    Projektträger im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (PT-DLR)
    Nadine Heller-Genath
    Heinrich-Konen-Str. 1
    53227 Bonn
    Tel.: 0228 / 3821-1635
    Email: nadine.heller@dlr.de
    www.eubuero.de/infra.htm

Redaktion und Kontakt

N.N.
Tel: (030) 644 98 99 - 19
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