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Bibliotheken, Archive und Museen als "Gedächtnis der Menschheit" müssen auch für zukünftige Generationen die Überlieferung des Kulturguts, unseres kulturellen und wissenschaftlichen "Bestands", sicherstellen.

Seit geraumer Zeit ist dieser Bestand aus unterschiedlichen Gründen mitunter massiven Schädigungen ausgesetzt - um den Bestand dauerhaft erhalten zu können, kümmern sich Bibliotheken, Archive und Museen verstärkt um die Pflege, Erhaltung und Langzeitarchivierung ihrer Medien.

In den letzten Jahren hat die Bestandserhaltung im Aufgabenspektrum dieser Einrichtungen immer stärker an Bedeutung gewonnen. Ging es früher im Schwerpunkt um die Bewahrung wertvoller Altbestände, so stellt sich heute als eine zusätzliche Herausforderung die Notwendigkeit der Entwicklung von Strategien zur Langzeitarchivierung digitaler Ressourcen.

Schäden nicht nur bei wertvollen Altbeständen

Handschriften, Archivalien, Bücher, Karten, Noten weisen vielfältige Schäden auf: Diese reichen vom Tintenfraß, Papierzerfall durch säurehaltiges Papier, Schädigung durch Schimmelpilze bis hin zu exogenen Schäden.

Eine Dokumentation diverser Schädigungen zeigt die Website der Unesco.

Schlechte Lagerbedingungen, eine stark gestiegene Benutzung der Bestände in der Gegenwart und unzureichende Pflegemaßnahmen haben in den letzten Jahrzehnten mit zu den gravierenden Schäden beigetragen.

Große Katastrophen wie der Brand der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar 2004 oder die Jahrhundertflut im Jahre 2002, verleihen dem Thema zusätzlich eine große Brisanz in der Öffentlichkeit.

Aber nicht nur sind wertvolle Handschriften und Bücher vom Zerfall bedroht - Information in digitaler Form ist momentan keineswegs "haltbarer". Datenformate, Speichermedien und Lesegeräte, Software-Programme und Computergenerationen entwickeln sich sehr schnell, so dass digitale Information eine sehr geringe "Halbwertszeit" hat.

Da ein signifikanter Teil der veröffentlichten Information heute in digitaler Form entsteht und analoge Information mit beträchtlichem Aufwand digitalisiert wird, muss sichergestellt werden, dass diese Datenmengen auf lange Sicht hin lesbar und nutzbar bleiben.

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Strategien für die Bestandserhaltung

Gegen Ende der 80er Jahre wurden die Bemühungen um den Erhalt historischen Kulturguts in Bibliotheken und Archiven intensiviert.

Die Empfehlungen der Kultusministerkonferenz 1993 regen an, dass die Bundesländer ein bis drei Prozent des Erwerbungsetats ihren Bibliotheken zusätzlich für die Bestandserhaltung zuteilen sollten, was aber in der Praxis kaum umgesetzt wurde.

Anders als z.B. Grossbritannien, die Niederlande oder die Schweiz, hat Deutschland auf Grund der Kulturhoheit der Länder keine einheitliche nationale Strategie zu Bestandserhaltung. Statt dessen gibt es zahlreiche Konzeptionen und Aktivitäten auf Länderebene.

Im März 2001 konstituierte sich unter Federführung der Bayerischen Staatsbibliothek und der Staatsbibliothek zu Berlin die "Allianz zur Erhaltung des schriftlichen Kulturguts". Sie bemüht sich seitdem um gemeinsame Aktivitäten der wichtigsten Archive und Bibliotheken, um die Information der Öffentlichkeit und um die Bereitstellung geeigneter Mittel für die Aufgaben der Bestandserhaltung.

Auf Anregung der Allianz entstand die Studie "Strategie Bestandserhaltung" (2006; PDF).

Diese Studie wurde von der Allianz zu einer nationalen Strategie weiterentwickelt und als Denkschrift ZUKUNFT BEWAHREN am 28. April 2009 an Bundespräsident Horst Köhler übergeben.

Die Enquetekommission "Kultur in Deutschland" des Deutschen Bundestags empfahl Bund und Ländern in ihrem Schlussbericht Ende 2007, "gemeinsam eine nationale Bestandserhaltungskonzeption für gefährdetes schriftliches Kulturgut zu erarbeiten".

Deutscher Bundestag (Hrsg.): Kultur in Deutschland. Schlussbericht der Enquete-Kommission "Kultur in Deutschland". Drucksache 16/7000 vom 11.12.2007. - S. 132. PDF.

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Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts

Im August 2011 hat die Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts ihre Arbeit aufgenommen. Auf nationaler Ebene behandelt sie Fragen zur Sicherung schriftlich überlieferter Bestände in Archiven und Bibliotheken.

Die Koordinierungsstelle wurde auf Initiative von Kulturstaatsminister Bernd Neumann von Bund und Ländern eingerichtet und ist bei der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz angesiedelt.

Zu den Aufgaben der Koordinierungsstelle gehören die Koordination von
Bestandserhaltungsmaßnahmen, die Evaluation bereits vorliegender
Forschungsergebnisse und erfolgversprechender Techniken und die Erarbeitung eines nationalen Bestandserhaltungskonzepts. Über die
Förderung von Modellprojekten soll die Koordinierungsstelle die Entwicklung
innovativer Verfahren zur Bestandserhaltung unterstützen. Schließlich
soll sie bestehende Netzwerke und Kompetenzstellen auf nationaler
und regionaler Ebene verknüpfen und die Öffentlichkeit für die Gefährdungen
des schriftlichen kulturellen Erbes sensibilisieren.

Für die Aufgaben der Koordinierungsstelle sind im Haushalt des Kulturstaatsministers jährlich 500 000 Euro vorgesehen. Über die Kulturstiftung der Länder beteiligen sich die Länder mit weiteren 100 000 Euro.

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Experten

Forum Bestandserhaltung

Link
Zentrale Website zu allen Aspekten der Bestandserhaltung (Preservation and conservation)
Betreiber und Initiator: Reinhard Feldmann, Universitäts- und Landesbibliothek Münster

Allianz zur Erhaltung des schriftlichen Kulturguts

Link

Koordinierungsstelle zur Erhaltung des schriftlichen Kulturguts

Link (PDF)

Kommission Bestandserhaltung des dbv

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"Forum Bestandserhaltung" - zentrale Website zum Thema

Forum Bestandserhaltung

forum-bestandserhaltung.de

Die Website "Forum Bestandserhaltung" versteht sich als Informations- und Kommunikationssystem der zum Thema Bestandserhaltung arbeitenden Museen, Archive, Bibliotheken, Restauratoren, Wissenschaftler und Dienstleister. Die von der Universitäts- und Landesbibliothek gehostete Website präsentiert umfassende Informationen zu Erhaltung, Restaurierung und Konversion unterschiedlicher Trägermaterialien in Deutschland und anderen Ländern.

Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Entstehung und Behebung von Schäden

Angeboten werden neue wissenschaftliche Erkenntnisse zur Entstehung und Behebung von Schäden an verschiedenen Trägermaterialien sowie die (internationalen) Normen zur Bestandserhaltung, in denen diese Erkenntnisse ihren Niederschlag finden.

Außerdem werden sowohl Hinweise zur Prävention von Schäden durch sachgerechte Lagerung und Nutzung gegeben wie auch die konkreten Arbeitsgänge zur Behebung verschiedener Schadensbilder aufgezeigt. Die Vor- und Nachteile verschiedener Methoden werden agewogen und durch Schilderungen von Maßnahmen einzelner Bibliotheken abgerundet. Auch kurzfristige Maßnahmen zur Rettung von Beständen nach Notfällen wie Brand oder Wasserschaden werden beschrieben. Die unterschiedlichen Formen der Konversion - vom Reprint bis zur Digitalisierung - werden mit ihren einzelnen Arbeitsschritten erläutert.

Umfangreiches Serviceangebot

Die vor allem praktische Orientierung des Forums zeigt sich in seinem umfangreichen Serviceangebot:

  • Aktuelle Veranstaltungen, Erfahrungsberichte oder einschlägige Neuerscheinungen sind ebenso abrufbar wie ein Newsletter, der alle Neuerungen auf der Webseite zusammenfasst.
  • Eine Liste internationaler Diskussionsforen zur Erhaltung digitaler und gedruckter Bestände ermöglicht den Anschluss an fachliche Diskussionen.
  • Mit einer Sammlung von einschlägigen Datenbanken, elektronischen Zeitschriften, Auswahlbibliografien und Fachglossaren ermöglicht das Portal zudem schnellen Zugriff auf Fachinformationen und versammelt die Adressen von Archiven, Bibliotheken, Museen, Forschungsinstituionen und anderen Akteuren der Bestandserhaltung in Deutschland und darüber hinaus.
  • Ein wechselndes "Thema im Fokus" stellt z.B. große Digitalisierungsvorhaben vor oder die beispielhafte Erhaltung von durch Tintenfraß bedrohten Handschriften.
  • Ideen zu Finanzierungsmöglichkeiten für die Erhaltung und Konversion von Medien und eine Sammlung einschlägiger Firmen erleichtern die Planung konkreter Maßnahmen.

Weitere Informationen finden Sie hier.

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Regionale Initiativen

Kompetenzzentrum BestandsErhaltung für Archive und Bibliotheken in Berlin und Brandenburg (KBE)

Das "Kompetenzzentrum Bestandserhaltung für Archive und Bibliotheken in Berlin und Brandenburg" (KBE) wurde durch eine Initiative der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Berlin und des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg gegründet. Es besteht seit Herbst 2006 als Projekt der "Senatskanzlei - Kulturelle Angelegenheiten"; räumlich angesiedelt ist es in der Zentral- und Landesbibliothek Berlin. Ziel der Arbeit ist, ein Netzwerk aufzubauen, um Verbesserungen für die Bestandserhaltung in der Region zu erreichen.

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Internationale Aktivitäten

Unter dem Dach der *IFLA arbeiten Experten zur Bestandserhaltung zusammen in der Preservation and Conservation Section.

Neben Veröffentlichungen zum Thema finden sich auch Hinweise auf Konferenzen und deren Ergebnisse.

Außerdem hat die IFLA bereits 1984 das Thema Bestandserhaltung zu einer ihrer Kernaufgaben gemacht (Core Activity on Preservation and Conservation, PAC). Hier geht es mehr um die übergeordneten Fragen der Bestandserhaltung und weniger um praktische Anleitungen.

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Weitere Literatur und Links

Auf der Website des Goethe-Instituts finden sich Interviews und Artikel zum Thema Bestandserhaltung in Deuschland.

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Redaktion und Kontakt

Redaktion Bibportal in Kooperation mit Reinhard Feldmann, Universitäts- und Landesbibliothek Münster
 

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