Finanzpolitik
Seit Jahren finden sich Bibliotheken einer veränderten Situation gegenüber. Der teilweise Rückzug des Staates aus der Finanzierung der öffentlichen Einrichtungen bringt eine zunehmende Unabhängigkeit der Bibliotheken gegenüber den zu verantwortenden Institutionen mit sich. Wirtschaftlichkeit, Kosteneffizienz, Kreativität und Engagement haben einen wichtigen Platz im Vokabular der Bibliothekare eingenommen. Das neue Steuerungsmodell, flexible Haushaltspläne, Fundraising, Sponsoring, Spendeneinwerbung, Rechtsformwechsel und viele mehr sind Themen, mit denen es sich auseinanderzusetzten gilt.
Inhaltsübersicht
Non Profit
Aufgrund ihrer Finanzierung durch öffentlich-rechtliche Träger handelt es sich bei Bibliotheken stets um Non-Profit-Unternehmen.
Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern der Welt gibt es in Deutschland kein Bibliotheksgesetz, welches die Kommunen zur Unterhaltung von Bibliotheken verpflichtet. Als eine so genannte freiwillige Aufgabe der Kommunen, sehen sich Bibliotheken daher seit Jahren immer wieder von Budgetkürzungen bedroht. Bibliotheken können sich lediglich auf das im Grundgesetz festgeschriebene Recht auf allgemeinen, ungehinderten Zugang zu Informationsquellen berufen, um die Wichtigkeit ihrer Institution hervorzuheben.
Sinkende Etats, steigende Ausgaben
Die Ausgaben in deutschen Bibliotheken steigen auch im neuen Jahrtausend weiter an. Die Höhe der Erwerbungsetats hingegen sinkt zunehmend. Gleichzeitig nimmt die Literaturproduktion fast aller Literaturmärkte weltweit kontinuierlich zu. Ein noch größerer Anstieg kann bei digitalen Publikationen wie beispielsweise den E-Journals verzeichnet werden. Die neuen Publikationsformate sind einerseits sehr teuer, andererseits ist deren Anschaffung notwendig zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit der jeweiligen Bibliothek. Die finanzielle Ausstattung der Bibliotheken reicht also demnach nicht, den Anforderungen einer zukunftsfähigen Gesellschaft gerecht zu werden.
Viele Bibliotheken sind deshalb dazu übergegangen, die Zahl ihrer Neuerwerbungen zu senken oder diese, z.B. durch den Kauf über Konsortien preiswerter zu beschaffen.
Kreativität notwendig
Zahlreiche Bibliotheken konnten sich durch eine transparente Darstellung ihrer Ressourcenverwendung oder der Nutzung von Angeboten in vielen Kommunen neu positionieren und so eine Daseinsberechtigung als Bildungs- und Kultureinrichtung erkämpfen. Der Trend weist in Richtung dienstleistungs- statt bestandsorientierte Bibliothek.
In Zeiten knapper Kassen und Etats müssen Bibliotheken außerdem verstärkt mit kreativen Ideen alternative Finanzierungsquellen erschließen. So besteht beispielsweise die Möglichkeit zusätzliche Einnahmen durch Sponsoring, Fundraising und sonstige Arten der Spendenwerbung zu erzielen. Freundeskreise spielen eine immer größere Rolle, denn ihre Mitglieder helfen der Bibliothek bei der Beschaffung zusätzlicher Mittel und der Durchführung von Veranstaltungen. Zudem betreiben sie Lobbyarbeit für die Bibliothek.
Betriebswirtschaft
Einige Bibliotheken sehen eine Chance zu mehr Selbstständigkeit, Eigenverantwortung und marktwirtschaftlichem Handeln im Wechsel der Rechtsform z.B. zu GmbH oder Verein.
Um den finanziellen Problemen der öffentlichen Hand weiter entgegenzuwirken wurde zu Beginn der 90er Jahre von der KGSt (Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement) in den öffentlichen Verwaltungen das so genannte Neue Steuerungsmodell eingeführt. Es begreift sich als Alternative zur Privatisierung, indem öffentliche (kommunale) Einrichtungen/Ämter mit ähnlichen betriebswirtschaftlichen Elementen geführt werden wie privatwirtschaftliche Unternehmen.
Links und Literatur
- Bibliotheksmanagement - Anspruch, Wirklichkeit und Perspektiven von Gerhard Kissel (1996)
http://www.bibliotheksmanagement.de/man_bib.htm
Für die Neugestaltung eines Führungskonzeptes werden drei elementare Ansprüche beschrieben: die Gestaltung des Zielsystems, die Optimierung der Umsetzung der Ziele und die Implementierung eines Kontrollsystems. - Lehrbuch der Bibliotheksverwaltung Wilhelm Krabbe, Wilhelm Martin Luther (1953)
http://www.ib.hu-berlin.de/~wumsta/kralu/kul.html
Die Publikation wurde 1997 von Gisela Ewert und Walther Umstätter völlig neu überarbeitet.
Redaktion
Die Texte wurden im Wintersemester 2006/07 von einem Seminar an der FH Potsdam unter der Leitung von Herrn Prof. Dr. Hobohm erarbeitet.
Redaktionsteam "Einführung Bibliotheksmanagement"
