Geldquellen
Bibliotheken haben den Anspruch, ihre Aufgaben zur Zufriedenheit der Kunden zu erfüllen. Doch leider wird dieser durch stagnierende oder gar zurückgehende Gelder, welche Bibliotheken aus öffentlicher Hand bekommen, immer schwieriger. Hier sind alternative Finanzierungsquellen und die Kreativität der Bibliotheksmitarbeiter gefragt.
Inhaltsübersicht
Ausgangslage
Das Grundprinzip der gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklung, die Abnahme der Staatsquote, betrifft nicht nur die Bibliotheken, auch andere öffentliche Einrichtungen, wie Theater, Museen, Kindergärten spüren diese Tendenz in ihrem Finanzenhaushalt.
Gleichzeitig steigende Ansprüche an Dienstleistungen und Angebote sind die neuen Herausforderungen, denen sich die Bibliotheken stellen müssen. Bibliotheksmitarbeiter müssen aktiv werden und nach anderen Einnahmequellen suchen. Nicht das Reduzieren von Dienstleistungen oder gar Schließen von Bibliotheken ist gemeint, wenn es heißt, dass Bibliotheken kostengünstiger arbeiten müssen. Steigerung der Einnahmen mit Hilfe neu gewonnener Quellen sollte das Ziel sein. Durch eigene Initiativen, wie beispielsweise Fundraising, heutzutage eine wichtige Managementaufgabe für jede Bibliothek, sollte versucht werden neue Gelder für die Zwecke der Institution zu erwirtschaften.
Es gilt die Situation der Bibliotheken aus anderen Perspektiven zu betrachten, wie zum Beispiel Finanzierungsquellen auch als Werbemittel zu sehen. Zu beachten ist, dass das Einwerben von zusätzlichen Mitteln eine zeitintensive und anspruchsvolle Arbeit ist, die in die Kosten- und Zeitplanung eingebunden werden muss.
Spendenwesen
Eine Spende ist eine freiwillige, unentgeltliche Leistung ohne Erwartung von Gegenleistungen. Spendeneinwerbung richtet sich in erster Linie an Privatpersonen, aber auch an Unternehmen. Spenden können sein:
- Geldmittel
Bei der Erbringung von Geldspenden kann die Bibliothek dem Spender anbieten, dass er sich aus einer Liste auswählen kann, wofür sein Geld verwendet wird. Sei es der Kauf von Lehrbüchern, DVD´s oder der Erwerb eines Abonnements für eine wissenschaftliche Zeitschrift. - Sachmittel
Eine andere Möglichkeit ist die Überlassung von (auch älterer) wissenschaftlicher Literatur, die bislang im Bestand fehlte. Denkbar ist auch ein Büchertisch im Buchhandel:
Die Buchhandlung präsentiert auf einem Sondertisch die Bücher, die ihr die Stadtbibliothek auf einer Wunschliste mitgeteilt hat. Der Kunde wählt daraus einen Titel, füllt ein Patenschaftsformular aus und zahlt das Buch. Die Buchhandlung liefert die gespendeten Titel an die Bibliothek. - Zeit
Der Spender bietet seine Arbeitskraft für freiwillige ehrenamtliche Tätigkeiten in der Bibliothek an.
Mäzenatentum
Mäzenatentum fördert die Kultur und Kunst in größerem Umfang aus philanthropischen/altruistischen Motiven heraus. Der Mäzen erwartet keine explizite Gegenleistung wie bei Sponsoring. Hier kann beispielsweise die Patenschaft für die Restauration eines historischen Werkes angeboten werden.
Fördervereine
Fördervereine sind an eine Einrichtung, zum Beispiel an eine Universität, gebunden. Sie unterstützen die Vorhaben ihrer Fördereinrichtung, in diesem Fall der Bibliothek, wenn Mittelzuweisungen des Unterhaltsträgers nicht genügen bzw. nicht bestimmt sind. Der Dialog der Fördervereine mit „ihrer“ Einrichtung und eine gute lebhafte Beziehung zu ihr sind wesentlich.
Privatwirtschaftliche Betätigung
Öffentliche Einrichtungen dürfen laut Gesetz keine Gewinne erzielen, erlaubt ist aber das Erheben kostendeckender Gebühren und Entgelte. Bibliotheken, die in privatrechtlicher Form oder als Eigenbetriebe organisiert sind (z.B. als GmbH oder als Stiftung privaten Rechts) unterliegen nicht dieser Einschränkung. Sie be- und erwirtschaften ihre Mittel selbstständig.
Eine kleine Auswahl an Beispielen für privatwirtschaftliche Betätigungen
- Verkauf von Büchern und Bibliotheksmaterialien und Geschenkartikeln im „Library Shop“, z.B. von Büchern und Zeitschriften, die entbehrlich geworden sind und der Bibliothek nicht mehr nützen; Geschenkartikel u.ä. zu Werbezwecken (Tassen, T-Shirts, Blöcke, Kugelschreiber mit dem Logo der Einrichtung)
- Einnahme von Eintrittsgeldern bei Veranstaltungen für einen Dritten (z.B. eine Buchhandlung); diese Eintrittsgelder werden dann an den Dritten (in diesem Fall die Buchhandlung) abgeführt (sog. durchlaufende Gelder) und von dieser der Bibliothek zweckgebunden wieder zur Verfügung gestellt
- Verkauf von Veröffentlichungen der Bibliothek
- Vermietung von Werbeflächen an Wänden und in Ausstellungsbereichen
- Werbung mit Hilfe der öffentlich zugänglichen Computer (z.B. Bildschirmschoner)
- Kostenpflichtiger öffentlicher Zugang zu Computerdienstleistungen
- Verkauf von Kaffee im Lesesaal
- Vermietung von Bibliotheksräumen (muss mit dem Bibliothekszweck vereinbar sein)
Bibliotheksfundraising
College-Bibliotheken in den USA pflegen eine erfolgreiche Kooperation mit den Football-Teams der Hochschule. Die Mannschaften spenden die Erlöse aus einigen Spielen in regelmäßigen Abständen der Bibliothek. Dieses US-amerikanische Beispiel ist ein gutes Exempel für erfolgreiches Einwerben von Drittmitteln.
Kurz läßt sich Fundraising wie folgt definieren: Unter Fundraising lassen sich alle systematisch, professionell und kontinuierlich angelegten Maßnahmen von Non-Profit-Organisationen zusammenfassen, die zur Beschaffung von Ressourcen dienen, mit denen Bibliotheken ihre Aufgaben und Ziele erfüllen können.
Fundraising ist Friendraising: Im Fundraising geht es im Gegensatz zum Sponsoring um den Aufbau und die Pflege von möglichst langfristigen Beziehungen zu Förderern. Dabei werden sowohl finanzielle Unterstützung wie auch Sachmittel, Wissen und Dienstleistungen (z.B. ehrenamtliche Mitarbeiter) eingeworben.
Zehn Prinzipien für erfolgreiches Fundraising
- Entwicklung eines positiven Images der Bibliothek
- Finden einer Marktlücke
- Optimale Personalauswahl für die Leitung des Fundraising
- Sorgfältige Festlegung der Ziele und Erwartungen
- Realistische Kostenrechnung
- Konzentration auf die Pflege guter Beziehungen
- Professionelles Verhandeln
- Zuhören und Geduld
- Persönlich „hinter der Sache stehen“
- Pflege der Sponsoren
Sponsoring
Nicht nur Finanz- sondern auch Sachmittel und Dienstleistungen lassen Unternehmen den Bibliotheken zukommen, um wirtschaftliche Rechte zur Nutzung der Institution und deren Aktivitäten zu erhalten. Sponsoring ist als ein Geschäft auf Gegenseitigkeit zu bezeichnen. Dieses vertraglich geregelte Geschäft hilft den Unternehmen bei der Erfüllung ihrer Marketingaufgaben.
Beim Sponsoring ist es von großer Bedeutung, ein Konzept zu entwickeln und schriftlich zu fixieren, um Sponsoring gezielt und systematisch betreiben zu können.
Sponsoring wird für einen bestimmten Zweck vereinbart, z.B.:
- Finanzierung von Ausstellungen in der Bibliotheken
- Finanzierung von anderen Veranstaltungen (z.B. Lesungen)
- Finanzierung von Zeitschriftenabonnements
- Finanzierung der Verlängerung der Öffnungszeiten
Den Sponsoren kann als Gegenleistung angeboten werden
- Werbeflächen, z.B. Wandflächen
- Werbung, z.B. auf Quittungen, Mahnungen und auf der Rückseite des Bibliotheksausweises
- Namentliche Erwähnung, z.B. auf den Webseiten oder Flyern
- Einladungen zu Veranstaltungen
Mögliche Ansprechpartner für das Fundraising und Sponsoring:
- Regional ansässige Unternehmen
- Ortsräte
- Banken, Sparkassen
- Stiftungen
- Rotary-Club
- Lions-Club
- Fördervereine von Schulen und Kindertagesstätten
- Bistum
- Andere Religionsgemeinschaften bzw. deren Stiftungen
Links und Literatur
- Marketing, Fundraising, Sponsoring und Mäzenatentum von Reinhard Feldmann (2002)
http://www.uni-muenster.de/Forum-Bestandserhaltung/grundlagen/fin-feldmann.html
Der Internetartikel ist ausgerichtet auf das Erschließen von Geldquellen vor dem Hintergrund der Bestandserhaltung alter Bücher. Er enthält unter anderem kurze definitorische Erläuterungen zu Marketing, Fundraising, Sponsoring und Mäzenatentum. Des Weiteren beleuchtet er die Anwendungsmöglichkeiten des Sponsorings auf die verschiedenen Bereiche einer Bibliothek: Erwerbung, Katalogisierung, Benutzung und Erhaltung. - Fundraising an wissenschaftlichen Bibliotheken. von Renate Vollmer (2001)
http://www.bibliothek-saur.de/2001_2/192-213.pdf
In diesem Fachartikel wird eingangs auf die Grundlagen des Fundraising eingegangen. Des Weiteren werden einige Fundraising-Instrumente und deren Potential für wissenschaftliche Bibliotheken dargestellt. Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Analyse von Rahmenbedingungen, innerhalb derer wissenschaftliche Bibliotheken Fundraising betreiben. - Deutscher Fundraising-Verband e.V. [Stand 14. Oktober 2007]
http://www.sozialmarketing.de/
Webseite des Deutschen Fundraising Verbandes, der 1993 in Frankfurt am Main gegründet wurde. Es werden die Ziele des Verbandes erläutert. - Bibliotheksarbeit fördern aus dem Jahresbericht der Bertelsmann Stiftung (2004)
http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xbcr/SID-265ADF73-720EA0DC/bst/Jahresbericht2004_Seite28bis29.pdf
Leistungsvergleiche, Online-Kurse und Bibliotheken für junge Kunden. - Becker, Sabine: "Sponsoring für Universitätsbibliotheken" In: Berliner Handreichungen zur Bibliothekswissenschaft
http://www.ib.hu-berlin.de/~kumlau/handreichungen/h61 - Jank, Dagmar: Bibliotheksfundraising als neue Managementaufgabe in wissenschaftlichen Bibliotheken
http://www.bibliotheksmanagement.de/fundrais.htm
Redaktion
Die Texte wurden im Wintersemester 2006/07 von einem Seminar an der FH Potsdam unter der Leitung von Herrn Prof. Dr. Hobohm erarbeitet.
Redaktionsteam "Einführung Bibliotheksmanagement"
