Öffentlichkeitsarbeit
Bibliothekarische Öffentlichkeitsarbeit (Public Relation) umfasst unterschiedliche Bereiche wie Kommunikation nach außen durch Veranstaltungstätigkeit, Pressearbeit, Lobbying and Corporate Design. Öffentlichkeitsarbeit, ein nicht ganz neues Thema, ist in der Zeit knapper Kassen noch wichtiger geworden. Im Zuge der Globalisierung und des härteren Konkurrenzkampfes müssen die Bibliotheken neue Bereiche mit in Betracht ziehen. Soziologisch gesehen soll zwischen Bibliothek und ihrer Umwelt eine wechselseitige Beziehung geschaffen werden.
Inhaltsübersicht
Öffentlichkeitsarbeit nach außen und nach innen
Öffentlichkeitsarbeit nach außen bezieht sich auf Menschen (Institutionen), ein allgemeines Publikum außerhalb der Bibliothek, aber auch spezielle Zielgruppen wie Schüler, Studenten, Lehrer und Bildungseinrichtungen, wie zum Beispiel Kindergärten, Volkshochschulen etc.
Öffentlichkeitsarbeit nach innen richtet sich an Bibliotheksmitarbeiter, aber auch politische Entscheidungsträger und wichtige Meinungsmacher, von denen das Bestehen und Leistungsvermögen der Bibliothek abhängt, die sog. stakeholder.
Kommunikation durch...
Seit den 90er Jahren hat sich das Bild der Öffentlichkeitsarbeit in öffentlichen und wissenschaftlichen Bibliotheken gewandelt.
Es geht nicht mehr um die Frage, ob Öffentlichkeitsarbeit wichtig ist und gebraucht wird, sondern wie und wozu Öffentlichkeitsarbeit eingesetzt und umgesetzt werden kann.
Bibliotheken decken neben den Arbeitsgebieten Bestandsaufbau oder Benutzung die Bereiche Kulturmanagement (Programmarbeit, Veranstaltungen und Ausstellungen), Kontaktarbeit (persönlicher Kontakt zu Kunden verschiedener Institutionen, z.B. Professoren des Fachbereiches, Schulen, Kindergärten, Volkshochschulen und andere Bildungseinrichtungen), Pressearbeit, Benutzerschulung (auch wichtig zur Vermittlung von Informationskompetenz), Publikationen über die eigene Bibliothek und das Suchen von Unterhaltsträgern (Sponsoring/ Fundraising) ab. Um auf die Bibliothek aufmerksam zu machen, wäre beispielsweise ein Bücherstand eine gute Möglichkeit, die eigene Institution zu präsentieren. Anlässe könnten Stadtfeste, Tage der offenen Tür oder Tagungen sein.
"Argumentatives Logo" - die Marke Bibliothek
Ein Leitbild sollte im Zentrum der Öffentlichkeitsarbeit stehen. Ein strukturiertes Aufgaben- und Dienstleistungsprofil auf der Basis von Bedarfs-, Markt- und Ressourcenanalyse ist wichtig. Auch eine Abstimmung mit dem Unterhaltsträger, welcher Bedarf in welcher Weise zu befriedigen ist, sollte gegeben sein. So könnten die Begriffe eines "argumentativen Logos" (Slogan) gewählt werden: Medien-, Schreib-, Lesekompetenz für eine öffentliche Bibliothek und Vermittlung von Informations- und Präsentationskompetenz für eine wissenschaftliche Hochschulbibliothek.
Öffentlichkeitsarbeit und Werbung
Die Bibliothek sollte bemüht sein, einen guten Kontakt zu ihrer Außenwelt zu halten. Das betrifft nicht nur die Kunden, sondern auch die Unterhaltsträger und die Bezugsgruppen, die Öffentlichkeitsarbeit unterstützen. Werbung ist eine Maßnahme, durch Werbemittel und Medien die Erhöhung der Inanspruchnahme der angebotenen Dienstleistungen wahrzunehmen. Diese sollte in einem Marketingkonzept unter der Rubrik "Kommunikationspolitik" integriert werden.
Werbung ist ein wichtiges Hilfsmittel für die Öffentlichkeitsarbeit. Ziel ist dabei, produkt- beziehungsweise dienstleistungsbezogen zu agieren, dass heißt Aufmerksamkeit zu erregen, eine Nutzungsabsicht zu erzeugen und damit die Nutzung der Bibliothek zu erhöhen oder das Image der Dienstleistungen zu verbessern etc. Werbekonzepte für Bibliotheken sollten den unterschiedlichsten Alters- und Zielgruppen entsprechen.
Öffentlichkeitsarbeit im strategischen Public-Relation (PR) Management
Öffentlichkeitsarbeit im strategischen Sinn ist weder die Pressearbeit, noch die Durchführung von Ausstellungen oder die Verbreitung von Infomaterial oder Flyern der Bibliothek, sondern ein fertiges Produkt, das mit Menschen und Prozessen zu tun hat. Öffentlichkeitsarbeit im strategischen Sinne ist keine Werbung. Es geht darum, möglichst fortdauernd Kontakte zu halten und kontinuierlich neue Kommunikation aufzubauen. Einzelne Zielgruppen müssen definiert werden, die für die Bibliothek über Existenz oder Etat entscheiden. Dabei sollte man sich auf Zielgruppen konzentrieren, mit denen eine weniger enge Zusammenarbeit besteht und auf Institutionen, wo die besten Erfolge zu erwarten sind.
Veranstaltungen
Um den Bekanntheitsgrad der Bibliothek zu steigern, ist es wichtig, Veranstaltungen durchzuführen.
Damit können zum Beispiel Ausstellungen, Lesungen, Theatervorführungen, Spielenachmittage, Filmvorführungen und vielleicht sogar Konzerte gemeint sein.
Entweder planen die Mitarbeiter der Bibliothek selbst ein Event oder stellen ihre Räume für Partner zur Verfügung. Künstler können selbst von der Bibliothek eingeladen werden, dafür wird kein Partner benötigt, es sei den als Sponsor. Bei wissenschaftlichen Bibliotheken handelt es sich eher um Veranstaltungen wie Ausstellungen, in öffentlichen Bibliothek werden vor allem im Kinder- und Jugendbereich Veranstaltungen durchgeführt. Oft wird auch in Kooperation mit anderen Einrichtungen gearbeitet. Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, ein Umfeld unter dem Aspekt des Buch- und Medienbedarfs zu schaffen. Führt die Bibliothek mehr als eine Veranstaltung im Jahr durch, sollte sie auch an die rechtlichen Konsequenzen denken, wie zum Beispiel an eine Abgabe an die Künslersozialkasse zu leisten oder bei öffentlicher Wiedergabe von Musik eine Abgabe an die GEMA zu erbringen. Weitere rechtliche Aspekte und Tipps für die Durchführung von Veranstaltungen sind in der angebenen Literatur nachzulesen.
Links und Literatur
- Leitbilder als Instrument der Profilierung und kommunalpolitischen Verankerung Öffentlicher Bibliotheken. von Konrad Umlauf (1999)
http://www.ib.hu-berlin.de/~kumlau/handreichungen/h55/
In den 90er Jahren wurden Gattungsleitbilder (z. B für öffentliche Bibliotheken) von dem Individualleitbild (für eine bestimmte Bibliothek mit eigenem Profil) abgelöst. - Leitbilder und Zieldefinitionen kommunaler Bibliotheken von Konrad Umlauf (1998)
http://www.ib.hu-berlin.de/~kumlau/handreichungen/h48/
Für kommunale Bibliotheken werden klassische Marketinginstrumente zur Marktplazierung in Anwendung, Leitbilder und ihre Nutzen, informationslogistische Rollen und Verfahren für die Erreichung der dispositiven und strategischen Ziele beschrieben. - Werbung und Öffentlichkeitsarbeit als Thema IN: Bibliotheksmarketing von Konrad Umlauf (1997)
http://hub.ib.hu-berlin.de/~kumlau/handreichungen/h34/d911.html
Die vier wesentliche Merkmale des Marketings mit Bezug auf Bibliotheken. Hier ein Auszug aus "Werbung und Öffentlichkeitsarbeit".
Redaktion
Die Texte wurden im Wintersemester 2006/07 von einem Seminar an der FH Potsdam unter der Leitung von Herrn Prof. Dr. Hobohm erarbeitet.
Redaktionsteam "Einführung Bibliotheksmanagement"
