Verwaltungsreform
Seit Anfang der 90er Jahre fordert die "Kommunale Gemeinschaftsstelle" (KGSt) wirtschaftliches Denken und Handeln in der öffentlichen Verwaltung. Vorbild ist das angloamerikanische Modell "New Public Management". Hauptziele sind eine verstärkte finanzielle Handlungsfähigkeit der Kommunen, Steigerung der Effizienz durch Wettbewerb, Verbesserung des Leistungspotenzials durch Motivation der Beschäftigten und vor allem mehr Nähe zum Bürger. Der Prozess ist mit vielen Stolpersteinen behaftet. Eingefahrene und veraltete Denkweisen erschweren die Umsetzung.
Inhaltsübersicht
Wandel
Nicht nur Bibliotheken sondern auch andere öffentlich finanzierte Bereiche wie Theater, Museen und soziale Projekte sehen sich gewandelten finanziellen Voraussetzungen gegenüber. Nicht nur die finanzielle Situation, auch der Druck durch die informationstechnologischen globalen Entwicklungen des Internet zwingen Bibliotheken zum veränderten Handeln. Zudem muss sich das Verhältnis zum Bürger ändern, der nicht mehr als Benutzer, sondern als Kunde mit Ansprüchen gesehen werden muss.
Die KGSt stellte vier Steuerungsmängel fest:
- Strategielücke
- Managementlücke
- Attraktivitätslücke
- Legitimitätslücke
Managementlücke
Als wesentlicher Kritikpunkt sei hier die Verantwortungsspaltung, also die Trennung zwischen Fach- und Ressourcenverantwortung genannt. Diese fördert Verhaltensweisen wie das "Novemberfieber" oder anderen unverantwortlichen Umgang mit Ressourcen. Im traditionellen Haushaltwesen wird der Ressourcenverbrauch und nicht die Leistung belohnt. Hier fehlt der Anreiz zur Sparsamkeit, da der "Titelverwalter" nur seinen Bereich und nicht das gemeinsame Ziel der Bibliothek im Blick hat.
Attraktivitäts- und Legitimitätslücke
Durch die Mittelknappheit ist es sehr schwierig, der Attraktivitätslücke des öffentlichen Dienstes entgegenzutreten. Durch fehlende leistungsgerechte Bezahlung oder die Möglichkeit der Mitgestaltung fehlt den Mitarbeitern der Anreiz für eigenes Engagement. Dieses hat die Legitimitätslücke des öffentlichen Dienstes bei der Bevölkerung zur Folge. Die Erwartungen an diese Einrichtungen sind daher nicht hoch. Ein schlechtes Image und Selbstbild der Bibliothekare begleitet diese Umstände.
Das Steuerungsmodell
Dieses Modell wurde entwickelt, um mit dort genannten Bedingungen und Instrumenten aus einer Kommunalverwaltung ein Dienstleistungsunternehmen zu machen. Managementerkenntnisse werden hierbei in Bibliotheken eingeführt.
Das Steuerungsmodell besteht aus drei Dimensionen:
- Delegation – Verständnis von Leitung und Führung: Dieses bedeutet eine erhöhte Transparenz der Unternehmensentscheidungen und ein anderes Verhältnis zum Personal
- Transparenz – Information und Kommunikation
- Personal – Recht und Verantwortung
Schritte des Neuen Steuerungsmodells
- Ziele statt Verordnung
- Kontrakt statt Hierachie
- Produktbezogene Organisation statt Arbeitsteilung
- Kundenorientierung statt „Autarkie“
Links
- Online-Verwaltungslexikon
http://www.olev.de/
Lexikon zu Management und Reform der öffentlichen Verwaltung von Prof. Dr. Burkhart Krems
- Online-Magazin Verwaltungsmanagement
http://www.verwaltungsmanagement.info/
Verwaltungsmanagement ist ein Online-Magazin zu Management und Reform der öffentlichen Verwaltung, für das Studium von Verwaltungsmanagement allgemein - an der Fachhochschule des Bundes, Fachbereich AIV, im Besonderen - und für die Reform der Verwaltungsausbildung.
- KGSt
http://www.kgst.de/
Die Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt) ist das von Städten, Gemeinden und Kreisen gemeinsam getragene Entwicklungszentrum des kommunalen Managements.
- Verwaltungsreform Quo Vadis? von Rainer Heinz (2001)
http://www.olev.de/s/strat_Management_KGSt-2001.htm
Der Aufsatz verdeutlicht das Grundkonzept und enthält weitere Quellenangaben.
- Critical Success Factors bei der Umsetzung der Verwaltungsreform in Bibliotheken von Sandra Füngeling Fachhochschule Köln (2000)
http://www.fbi.fh-koeln.de/institut/papers/kabi/volltexte/band024.pdf
Gegenstand dieser Arbeit ist die Entwicklung eines Untersuchungsschemas, das auf den Alnalyse-Instrumenten und Erkenntnissen der empirischen Strategieforschung basiert. Dieses neue Modell wurde am praktischen Beispiel - der Bibliothek Essen - erprobt.
- Verwaltungsreform: Warum und Wie. Leitfaden und Lexikon von Hansjürgen Bals und Hans Hack (2000)
http://www.uni-potsdam.de/u/kwi/publikationen/lexikon_verwaltungsreform.html
Das Kommunalwissenschaftliche Institut Potsdam stellt auf der Website das vom Verlag Jehle Rehm herausgegebene Lexikon zur Verwaltungsreform zur Verfügung. Dieses erklärt u. a. sämtliche fremdsprachliche Begriffe der Verwaltungsfachsprache.
- Lehrbuch der Bibliotheksverwaltung von Wilhelm Krabbe und Wilhelm Martin Luther (1953)
http://www.ib.hu-berlin.de/~wumsta/kralu/kul.html
Die Publikation wurde 1997 von Gisela Ewert und Walther Umstätter völlig neu überarbeitet.
Redaktion
Die Texte wurden im Wintersemester 2006/07 von einem Seminar an der FH Potsdam unter der Leitung von Herrn Prof. Dr. Hobohm erarbeitet.
Redaktionsteam "Einführung Bibliotheksmanagement"
